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Freelancer mit Herz - Selbstständig machen im sozialen Bereich

Eving ist ein Stadtteil im Dortmunder Norden. Wie die meisten Ruhrgebietsstädte vom Bergbau geprägt. Doch die Zechen haben mittlerweile geschlossen und das Gesicht der Stadt hat sich deutlich verändert. Mittlerweile leben dort viele Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund, man könnte von einem so genannten „Problembezirk“ sprechen. Klar ist: Es gibt dort in Sachen Integration viel zu tun. Und das spiegelt sich auch in den Stellenanzeigen der Lokalzeitungen wieder. Gesucht werden zum Beispiel Streetworker, Sozialpädagogen und Coaches. Eines haben all diese Stellenanzeigen gemeinsam – es handelt sich meistens um Projektarbeit, die von Freelancern erledigt wird. Eine spannende und abwechslungsreiche Aufgabe, die einen sozialen Sinn hat. Erstaunlicherweise gibt es gerade in den sozialen Berufen sehr viele Gründer, Freiberufler und Selbstständige. Du fragst dich warum das so ist? du möchtest gerne als Freelancer in den sozialen Sektor einsteigen oder suchst soziale Berufsfelder, in denen du dich erfolgreich selbstständig machen kannst? Dann liest du hier genau richtig, denn in den folgenden Zeilen möchte ich dir einen kleinen Überblick zu dem Thema verschaffen. Außerdem habe ich weiter unten im Text ein paar interessante Tipps parat, wie und wo du die richtigen Kontakte für einen erfolgreichen Berufsstart knüpfen kannst.

Selbstständig machen im sozialen Bereich: Was erwartet dich?

Zunächst vorab: Im Gegensatz zu vielen anderen zum Beispiel künstlerischen oder kreativen Tätigkeiten sind nahezu alle Selbstständigen im sozialen Sektor an feste – in der Regel akademische Ausbildungen – gebunden. Es gibt allerdings ebenso die Möglichkeit, viele soziale Berufe im Rahmen einer Ausbildung an einer Berufsfachschule oder im Rahmen eines dualen Studiums zu erlernen. Man muss sich in den verschiedensten Aufgabenbereichen sehr gut zurechtfinden. „Sozialarbeiter sind Generalisten“, sagt Michael Kriegel, Leiter der Fortbildungsakademie Helene Simon der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in einem Interview mit der Tageszeitung WELT. Sie beraten und informieren, organisieren Hilfsangebote und setzen sie selbst um. Sie sind Vermittler zwischen Bedürftigen und Behörden, schreiben Gutachten und vertreten die Interessen ihrer Schützlinge politisch und im Gespräch mit Entscheidungsträgern. Sozialpädagogik kann man sowohl an Universitäten wie Fachhochschulen studieren. Neben der Ausbildung brauchst Du aber vor allem die immer wieder genannten Soft Skills: Persönliches Engagement, Sensibilität, Mitgefühl sind praktisch in nahezu allen sozialen Berufen unabdingbar. Neben der Sozialpädagogik gibt es zahlreiche weitere Studienbereiche, auf deren Basis Du Dich selbstständig machen kannst. Dazu zählen unter anderem die großen Bereiche Soziale Arbeit und Heilpädagogik, die wiederum in andere Fachstudiengänge, wie Klinische Sozialarbeit oder Klinische Heilpädagogik unterteilt sind. Eine weitere Sache ist ebenfalls von erheblicher Bedeutung: In vielen Fällen geht es um menschliche Schicksale. Wer sich für einige dieser Berufsbilder entscheidet, muss in jedem Falle auch psychisch und je nach Berufsfeld auch physisch belastbar sein.

Selbstständig machen im sozialen Bereich: Gute Chancen für Selbstständige

Klassische soziale Bereiche für Selbstständige mit erheblichem Personalbedarf, die auch in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen, sind laut dem Existenzgründerportal Deutschland startet insbesondere die Altenhilfe- bzw. Altenpflege, aber auch weitere sozial-medizinische Bereiche, wie Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten und Podologen. Aber vorsichtig: Gerade hier ist die Grenze zwischen der Einstufung als Freiberufler und Gewerbetreibender häufig schwammig und wird vom Finanzamt vorgenommen. Zu den klassischen sozialen Tätigkeitsbereichen, in denen weiterhin viele Freelancer zu finden sind, zählen mitunter die (Erwachsenen-)Bildung oder erzieherische Tätigkeiten, wie die professionelle Kinderbetreuung. Grundsätzlich gilt allerdings für alle Selbstständigen und Freiberufler im sozialen Sektor: Keine Angst vor Papierkram. Neben den generellen Fragen bezüglich Gewerbesteuer/Einkommens- und Umsatzsteuer müssen sich Selbstständige in den sozialen Berufen sehr stark mit sozialrechtlichen Details auseinandersetzen. Wichtige Ansprechpartner sind hier die gesetzlichen Leistungsträger, wie Kranken- und Pflegekassen, Gesundheitsämter und Berufsgenossenschaften. Hier gibt es einen weiteren wichtigen Knackpunkt, über den Du unbedingt nachdenken solltest, wenn Du Dich im sozialen Sektor als Freiberufler selbstständig machen willst. Im Gegensatz zur freien Wirtschaft, wo Du Deine Honorare praktisch immer selbst bestimmst bzw. frei aushandeln kannst, sind die Leistungen in den gesetzlichen sozialen Sicherungssystemen außerordentlich streng reglementiert. Die Leistungsträger – also an vorderster Front die Kranken- und Pflegekassen geben auf Basis des Sozialgesetzbuches und des gesetzlichen Leistungskatalogs konkret vor, welche Dienstleistungen zu welchem Honorar abgerechnet werden dürfen. Die Möglichkeit, als Freiberufler den Preis für die eigene Dienstleistung zu bestimmen, fällt also oftmals weg. Du solltest Dich ehrlich fragen, ob Du diesen ökonomischen Einschnitt in Deine Berufsfreiheit als Selbstständiger akzeptieren willst. Einen wesentlich breiteren finanziellen Spielraum gibt es, wenn Du neben der Zusammenarbeit mit gesetzlichen Leistungsträgern auch die Zusammenarbeit mit privaten Versicherungen in Betracht ziehst. Diese haben bei der Vergütungen von Leistungen einen breiteren Spielraum.

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Selbstständig machen im sozialen Bereich: Netzwerke und Kontakte

Wer als Existenzgründer neu durchstarten will, sollte ein gutes Netzwerk an Kontakten aufbauen. Dies gilt selbstverständlich auch für eine freiberufliche Karriere im sozialen Sektor. Was solltest Du hier beachten? Bei diesem Thema gilt: Gutes Marketing ist alles. Um bekannt zu werden, solltest Du Deine Produkte und Dienstleistungen dort präsentieren, wo auch die Leistungsträger und Kunden zu finden sind. Beispiele sind hier spezielle Gesundheitsmessen oder wenn Du in den Bereich Streetworking gehen willst, auf Konzerten oder Veranstaltungen die sich an junge Leute richten. Gerade in größeren Städten gibt es fast immer soziale Projekte, für die fast regelmäßig Dienstleister gesucht werden. Es macht in jedem Falle Sinn, vor Ort Kontakt mit den zuständigen Sozial- und Jugenddezernenten in den Städten aufzunehmen. Darüber hinaus gibt es in vielen Städten Beratungsstellen für soziale Angebote, mit denen Du auch frühzeitig erste Kontakte knüpfen solltest. Soziale Projekte in Städten und Gemeinden, die sich an freiberufliche Projektmitarbeiter wenden, werden grundsätzlich wie normale Stellenanzeigen für Angestellte öffentlich ausgeschrieben. Du solltest also stets auch die Internetseiten der Stadtverwaltungen bzw. örtliche Lokalzeitungen beobachten. Weitere große Arbeitgeber für soziale Freelancer sind bekannte kirchliche wie nicht-kirchliche Träger (Malteser, Deutsches Rotes Kreuz, Arbeiter Samariter Bund, Caritas und Diakonie) aber auch NGOs bzw. international tätige Non-Profit-Organisationen wie UNICEF, Brot für die Welt, Amnesty International, PETA etc. Online gibt spezielle Jobbörsen unter www.nachhaltigejobs.de inserieren ausschließlich soziale bzw. Non-Profit-Organisationen. Darunter finden sich neben klassischen Angestelltenjobs zahlreiche Honorartätigkeiten für Freiberufler und Selbstständige. Eine sehr gute und wichtige Anlaufstelle sind zudem die regionalen Industrie- und Handelskammern, welche häufige spezielle Beratungsleistungen für Startups- und Existenzgründer in sozialen Bereichen anbieten. Geklärt werden dort unter anderem in Seminaren gesetzliche Rahmenbedingungen hinsichtlich der Zulassung und Finanzierung sozialer Dienstleistungen, Abgrenzung zu heilkundlicher Tätigkeit, erlaubte und verbotene Werbung sowie Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten. Schließlich können die Arbeitsagenturen und Jugendmigrationsdienste sowie Existenzgründerportale und beratende Informationsangebote des Bundeswirtschaftsministeriums im Internet weitere sinnvolle Anlaufstellen für eine mögliche Planung Deiner Selbstständigkeit sein.

Selbstständig machen im sozialen Bereich: Blick ins Ausland

Wenn Du im Hinblick auf Deinen Wohnort flexibel bist, solltest Du eventuell auch eine Existenzgründung für soziale Freelancer im Ausland in Betracht ziehen. Zahlreiche Staaten innerhalb und außerhalb der Europäischen Union suchen tatsächlich händeringend nach qualifizierten Fachkräften, die sich dort selbständig machen möchten. Einen besonders interessanten Jobmarkt bietet seit jeher Großbritannien, auch wenn der Zugang zum dortigen Arbeitsmarkt durch den anstehenden Brexit sicherlich ab 2019 schwieriger wird und auch das britische Sozialsystem weniger gut ausgestattet ist, als in Deutschland. Der Personalmangel geht dort sogar so weit, dass manche Firmen für Fachkräfte aus Deutschland zeitweise Unterkunft, Flug und Wohnungskaution übernehmen. Ergänzend muss dazu aber auch gesagt werden, dass in Großbritannien die Lebenshaltungskosten höher sind, weshalb Selbstständige dort mit höheren Honoraren kalkulieren müssen. Grundsätzlich haben alle Bürger der Europäischen Union die Möglichkeit, eine (selbstständige) Tätigkeit in einem anderen Mitgliedstaat aufzunehmen. Für die spezifischen Rahmenbedingungen im Land Deiner Wahl kannst Du Dich am besten bei der für Dich zuvor genannten zuständigen Industrie- und Handelskammer, dem Zentralverband des Deutschen Handwerks oder der Außenhandelskammer erkundigen. Wichtig zu wissen: Auch wenn Englisch als Lingua Franca prinzipiell in den meisten Nachbarstaaten verstanden wird, setzen die Sozialbehörden formal das Beherrschen der Landessprache voraus bzw. es ergibt sich schon aus der Tätigkeit selbst. Wenn Du Dich also in Frankreich als Sozialpädagoge selbstständig machen möchtest, geht ohne das verhandlungssichere Beherrschen der französischen Sprache wenig. Insbesondere wenn Du mit den dortigen Behörden in der Amts- und Verwaltungssprache kommunizierst.

Fazit: Viele Optionen, gute Zukunftsperspektiven

Die Selbstständigkeit im sozialen Sektor ist extrem vielfältig und es bieten sich sowohl im In- als auch im Ausland gute Chancen, im Wunschberuf als Existenzgründer langfristig Erfolg zu haben. Wenn Du Dich für diesen Weg entscheidest, solltest Du aber auf jeden Fall eine Frage mit „Ja“ beantworten. Bist Du als Selbstständiger bereit, in einem stark vom Gesetzgeber regulierten Umfeld zu arbeiten? Das schließt insbesondere die Problematik ein, im Zusammenhang mit öffentlichen Leistungsträgern wenig Einfluss auf die Honorargestaltung nehmen zu können. Keinesfalls unterschätzen sollte man die Bürokratie. Wem es als Freiberufler schon schwer fällt, die eigene Steuererklärung auszufüllen, wird vermutlich von den Texten im Sozialrecht geradezu erschlagen. Dennoch, wer wirklich sein Herz für Menschen zeigen aber gleichzeitig seinen Beruf frei und unabhängig gestalten will, findet ganz sicher als Freelancer im sozialen Sektor sein Glück. Und klar ist: Auch in Zukunft werden die Stellenangebote für Freie überproportional anwachsen, da der Bedarf an qualifizierten Fachpersonal durch Faktoren wie die Überalterung der Gesellschaft, Migration etc. weiter anhalten wird. Mit einer guten Vorbereitung und dem richtigen Netzwerk steht Deinem Wunsch, sich selbstständig im sozialen Bereich zu machen, nichts mehr im Weg.