facebook-pixel

Warum gute Netzwerker die besseren Freiberufler sind

Netzwerken? Das ist doch was für Leute, die sich bei Rotary oder im Lion’s Club engagieren! Ziemlich verspießt und auch elitär. Klingt irgendwie nach Seilschaften und Wichtigtuerei. Kurzum: Networking hat nicht unbedingt den besten Ruf. So, das hätten wir gleich zu Anfang mal geklärt. In Wirklichkeit soll dieser Artikel aber ein Plädoyer fürs Netzwerken werden. Also streifen wir die Vorurteile mal ab und denken neu. Denn Tatsache ist: Netzwerken ist für uns Freiberufler verdammt wichtig. Die richtigen Kontakte machen uns zu erfolgreicheren und glücklicheren Selbstständigen – weshalb es sich unbedingt lohnt, Zeit und Mühe in Menschen zu investieren. Okay, also los: Warum brauchen wir ein Netzwerk?

Aufträge kommen meistens über Kontakte

Die allerwenigsten Jobs ziehen wir Freelancer durch reine Kaltakquise an Land. Wer sich bei einer Redaktion, Agentur oder Firma initiativ vorstellt, wird meistens gar nicht wahrgenommen. Man muss froh sein, überhaupt eine Antwort zu erhalten. Es braucht tatsächlich immer einen Türöffner, eine Empfehlung, einen Fürsprecher. Und so ist Netzwerken für uns Selbstständige fast ebenso wichtig wie unser eigentliches Handwerk. Die Wahrheit nämlich ist: Gut schreiben, Bilder bearbeiten, Seiten bauen oder Häuser entwerfen können die meisten ihres Fachs. Sonst hätten sie das erste Jahr Selbstständigkeit womöglich gar nicht überlebt. Und man muss ja auch ein wenig Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten haben, um sich als Einzelkämpfer in die Ungewissheit zu stürzen. Aber: Aufträge bekommt man häufig eben nicht durch reine Leistung, sondern über Kontakte. It’s a peoples business. Wer kennt wen? Wer mag wen? Das alte Spiel.

warum-gute-netzwerker-die-besseren-freiberufler-sind

Foto: Networking-Expertin Monika Scheddin (www.scheddin.com)

Angestellte bekommen auch Gehalt überwiesen, wenn sie eine ruhige Kugel schieben

Es lohnt sich also, Zeit in Menschen und Kontakte zu investieren. Denn anders als Angestellte müssen wir Freiberufler immer wieder neue Aufträge erteilt bekommen. Wir können uns nicht jeden Tag gemütlich an unseren Schreibtisch setzen und mal sehen, was der Tag so bringt. Und wir bekommen auch nicht selbstverständlich Gehalt überwiesen, wenn wir es mal ruhiger angehen lassen oder keine Ideen haben. Auf der anderen Seite haben wir viele Freiheiten – im kreativen wie auch im organisatorischen Sinne. Wir können arbeiten, wann und für wen wir wollen. Dieser Umstand ist per se ja schon mal unbezahlbar. Aber von irgendwoher müssen eben auch unsere Aufträge kommen. Und deshalb ist es superwichtig, den Kontakt zu Kollegen zu pflegen. Denn sie sind es, die vielleicht den nächsten lukrativen Job für uns haben.

Gehet hin und vernetztet euch!

Gehet hin und vernetztet euch! Dieses Gebot sollte sich jeder Freiberufler in großen Lettern über seinen Schreibtisch hängen. Denn die allermeisten haben noch immer ein Problem damit. Sie wollen sich nicht anbiedern oder schlicht und ergreifend nicht in den Aufbau von Kontakten investieren. Klar, es kostet ja auch Zeit, Leuten zu schreiben und sich mit ihnen zum Lunch zu treffen. Tragischerweise haben vor allem die kommunikativ oft stärkeren Frauen mit Netzwerken nichts am Hut. Aus einem ziemlich romantischen Grund (und die Romantik hat im Berufsleben ja nun wirklich nichts verloren): „In Frauen ist noch immer der Wunsch verwurzelt, gefunden zu werden. In Liebesdingen genauso wie vom potentiellen Arbeitgeber“, sagt Monika Scheddin. Die Networking-Expertin ist Business-Coach und organisiert seit über 20 Jahren Karriere-Veranstaltungen für Frauen. Sie hat auch einen Bestseller zum Thema geschrieben: „Erfolgsstrategie Networking“ (Allitera-Verlag). Scheddin weiß, wie wichtig es ist, sich miteinander auszutauschen und in Kontakt zu bleiben. Nicht nur für den nächsten Auftrag. Auch, weil Austausch einen immer weiterbringt und inspirierend sein kann.

Todo List

Kontist entwickelt für deine Selbstständigkeit genau so ein Geschäftskonto.

Erfahre jetzt mehr

Wie geht Netzwerken überhaupt?

Die gute Nachricht ist: Auf Messen herumtreiben und fleißig Visitenkarten verteilen kann man sich schenken. Wenn man nicht drauf steht. Es muss schließlich authentisch bleiben. Wem das Spaß macht: bitte gerne. Netzwerken geht aber auch unaufgeregter. Und vor allem mit mehr Leichtigkeit. Etwa durch die sozialen Medien. Nie war es einfacher, mit Leuten in Kontakt zu bleiben und sich selbst bei anderen in Erinnerung zu rufen als heute. Dazu reicht es, dann und wann bei Xing, LinkedIn oder Facebook eine Meldung von einem aktuellen Projekt oder auch einem kleinen Erfolg zu posten. „Menschen lieben es, anderen gratulieren zu können. Wenn man also die Masterprüfung bestanden hat oder bei einem spannenden Projekt dabei ist, sollte man damit nicht hinterm Berg halten“, rät Expertin Scheddin. Mit Angeberei hat das nichts zu tun. Ganz im Gegenteil. Wer ein bisschen für sich trommelt, ist schlau. Morgen sitzen ehemalige Kollegen bei einem Meeting zusammen und überlegen, welchen Freelancer sie für das nächste große Projekt beauftragen sollen. Vielleicht hat man Glück und fällt gerade dann einem ein – weil man jüngst wieder etwas von sich hat hören lassen. Aber auch so kleine Gesten wie zum Geburtstag gratulieren kommen gut an.

Aber auch Leute zum Lunch treffen und zur Firmen-Weihnachtsfeier (wenn man eingeladen wurde!) zu erscheinen, macht einen prima Eindruck. Wichtig ist, präsent zu sein und sich nicht einzuigeln. Und wenn man mitbekommt, dass die Agentur, für die man häufig textet, gerade einen neuen Art Director sucht, ist es eine super Geste, jemanden zu empfehlen. Beide Seiten freuen sich – man kann nur gewinnen und wird beim nächsten Mal, wenn ein Job zu vergeben ist, bedacht. Schließlich helfen wir gerne denen, die uns auch schon mal etwas Gutes getan haben – oder die zumindest jedes Jahr supernette Geburtstagsgrüße schicken.

Wenn man Hilfe braucht, darf die Beziehung nicht schwach sein

Wichtig beim Networken: Man muss in Vorleistung treten. Sich also nicht dann erst um sein Netzwerk kümmern, wenn man etwas braucht. Sondern auch dann Zeit für Lunch-Termine einplanen, wenn es gerade bestens läuft im Job. „Wenn ich eines Tages jemanden brauche, darf die Beziehung nicht schwach sein“, sagt Networking-Expertin Scheddin. Ein Netzwerk besteht übrigens aus zwei verschiedenen Personengruppen. Auf der einen Seite Menschen, die mit einem auf derselben beruflichen Ebene stehen. Diese braucht man für den Austausch oder wenn man mal einen großen Auftrag an Land gezogen und fachliche Unterstützung braucht. Auf der anderen Seite stehen die Kunden. Also Firmen, für die wir als Freelancer in Frage kommen. „Ein typischer Anfängerfehler ist es, sich dort zu tummeln, wo Menschen auf der gleichen Ebene sind. Das macht nur Sinn, wenn Sie sich mit Kollegen austauschen wollen. Um Kunden zu gewinnen, ist beispielsweise eine Automesse schlauer – je nachdem, was Ihr Thema ist. Gehen Sie dorthin, wo Sie Menschen treffen, die bereits da sind, wo Sie hinwollen. Und wo Firmen sind, die das Geld haben, Sie zu beauftragen“, rät Monika Scheddin.

Wer sich bisher so gar kein Netzwerk aufgebaut hat, fängt am besten damit an, sich mit aktuellen und ehemaligen Kollegen in den einschlägigen sozialen Netzwerken zu verbinden. Das ist ein erster guter Schritt, um Kontakte zu sammeln. Und dann geht es wie von allein weiter. Vorausgesetzt, man bleibt offen, hat immer ein paar Visitenkarten eingesteckt und meldet sich zuverlässig zurück, wenn man kontaktiert wird. Sichtbar sollte man im analogen wie digitalen Leben schon sein. Sonst wird das mit dem Netzwerken ein ziemlicher Kraftakt.