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Steuern

Wie du ELSTER für dich nutzen kannst

Marlon Thorjussen

Freelance Editor

3. März 2022

ELSTER (ELektronische STeuerERklärung) ist der digitale Weg, um alle wichtigen Angaben beim Finanzamt machen zu können – von der Anmeldung deiner selbstständigen Tätigkeit über den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung (Link) über beispielsweise Umsatzsteuervoranmeldungen bis hin zur Einkommensteuererklärung. 

Es gibt diverse Programme zur Übermittlung deiner Steuerformulare an das Finanzamt, die unterschiedlich gut sind. Der Vorteil von ELSTER (im Vergleich zu anderen Steuerprogrammen) liegt wohl vor allem darin, dass es kostenlos und nach etwas investierter Zeit nicht allzu schwierig zu bedienen ist. Außerdem bietet es nahezu alles, was man bezüglich seiner Steuerangelegenheiten je brauchen könnte. 

ELSTER ist das Online-Finanzamt. Und weil es eine Pflicht zur elektronischen Übermittlung von Steuererklärungen und Verwandtem gibt, ist ELSTER eine gute Anlaufstelle, wenn du nicht willens bist, ein kostenpflichtiges Steuerprogramm zu nutzen (das ist übrigens auch nur Daten per Schnittstelle an ELSTER übermittelt) oder einen Steuerberater zu beschäftigen.

ELSTER eignet sich grundsätzlich für Selbstständige, die ihre Steuerangelegenheiten gut selbst überblicken können und ein praktisches Portal für alle Formulare nutzen wollen. Wie du in ELSTER gut rein kommst und was es alles kann, erfährst du hier.

Anmeldung und erste Schritte bei ELSTER

Die Registrierung bei ELSTER erfolgt mit einer Auswahl an Möglichkeiten zum Einloggen. Unter anderem ist das Einloggen mit einer Zertifikat-Datei möglich (abzulegen auf dem PC oder einem USB-Stick), welche zusammen mit dem Passwort genutzt wird. Das ist ein einfacher und sicherer Weg. 

Du musst dich registrieren, wobei deine Daten natürlich stimmen müssen. Notwendig ist auch die Steuer-Identifikationsnummer (nicht zu verwechseln mit der Steuernummer). Solltest du eine Steuernummer haben, gehört die aber auch hier hinein. Solltest du noch keine haben, kannst du dich per E-Mail registrieren. Das einzige Dokument, das du ohne Steuernummer bearbeiten kannst, ist der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung – mit dem du ohnehin eine Steuernummer beantragst. Du kannst dich also auch bei ELSTER registrieren, wenn du deine Selbstständigkeit beim Finanzamt anmelden möchtest. 

Per Brief erhältst du einen Code, den du zum Freischalten deines Accounts benötigst. Diesen Code kannst du gegebenenfalls später noch benötigen, also bewahre ihn gut auf. Zwischenzeitlich hast du deine E-Mail-Adresse bestätigt (eine erhaltene Mail von ELSTER) und anschließend noch eine E-Mail mit deiner Aktivierungs-ID (bis zur Aktivierung zwingend aufzubewahren) erhalten. Und dann kann es auch schon fast losgehen.

Du musst nun nur noch den Aktivierungslink in der von ELSTER kommenden E-Mail anklicken und oben deine Aktivierungs-ID (die aus der E-Mail) und unten den Code (aus dem Brief) eingeben. Und dann wird eine Zertifikatsdatei erstellt, die du am besten so ablegst, dass du sie nicht verlierst. Und mit dieser Datei und deinem Passwort kannst du dich anmelden. Und dann kann es wirklich losgehen. Du kannst dich erst einmal in Ruhe bei ELSTER umsehen, um zu erfassen, was man hier alles machen kann.

Unter „Formulare und Leistungen“ findest du dabei alles, was du regelmäßig brauchen könntest. Darunter sind beispielsweise die Umsatzsteuervoranmeldungen, der Bogen für die Einkommensteuererklärung, die Einnahmen-Überschuss-Rechnung und so weiter und so fort. Der Punkt „Anträge, Einspruch und Mitteilungen“ unter „Formulare und Leistungen“ enthält Dauerfristverlängerungsanträge, Einspruchsformulare (etwa für Einkommensteuerbescheide) und vieles mehr. 

Du siehst: Es ist alles da. Doch zunächst widmen wir uns deinem persönlichen Bereich bei ELSTER.

Mein ELSTER: Dokumentation deiner abgegebenen Formulare und dein Benutzerkonto

Der Punkt „Mein ELSTER“ ist im Grunde deine digitale Ablage beim Finanzamt. Hier findest du eine Übersicht über alle deine Nachrichten (in der Regel Bestätigungen für übermittelte Formulare und Hinweise auf vorliegende Bescheiddaten), deine Formulare, deine Profile, deine Bescheide und deine Verläufe mit dem Support. 

„Mein ELSTER“ ist also das, was früher in Papierform in Ordnern schlummern würde. Du kannst hier auch aus übermittelten Formularen Daten in ein anderes Formular übernehmen.

In deinem Benutzerkonto kannst du das Übliche tun: Passwort und E-Mail ändern, deinem Ehepartner den Zugang erlauben, deine Zugangsart ändern und so weiter. 

Alle Formulare und Leistungen bei ELSTER

Unter dem schon erwähnten Punkt findest du die wichtigsten Funktionen des Online-Finanzamtes. Neben den Formularen, findest du hier auch die Bereitstellungstermine für bestimmte Dinge. So sind beispielsweise die Gewerbesteuererklärung und die Umsatzsteuererklärung eines Jahres erst Ende März des Folgejahres nutzbar. Die Übersicht unter dem Punkt „Bereitstellungstermine“ klärt also bei besonders schnellen Steuerpflichtigen oftmals, warum sie ein Formular nicht finden. 

Die Formulare sind fast alles enthaltend, was gebraucht werden kann. Am Beispiel der Einkommensteuererklärung wollen wir das einmal durchgehen. 

Wie Formulare bei ELSTER ausgefüllt werden am Beispiel der Einkommensteuererklärung

Die Einkommensteuererklärung für unbegrenzt Steuerpflichtige wird erst einmal für ein Jahr gemacht, zumeist für das Vorjahr. Wenn es deine erste Einkommensteuererklärung ist, helfen die aus dem Profil übernommenen Daten wenig. Allerdings sind diese Daten (insofern sich an deinem Wohnort, im Haushalt lebenden Kindern oder dem Familienstand nichts ändert) ab dem darauffolgenden Jahr eine praktische Ausfüllhilfe. 

Du beginnst mit dem Hauptvordruck. Auch immer gebraucht wird die Anlage Vorsorge. Häufig sind auch die Anlagen zu außergewöhnlichen Belastungen, Sonderausgaben und haushaltsnahen Dienstleistungen wichtig. 

Steuerlich berücksichtigte Kinder kommen in die Anlage Kind. Wer riestert, füllt die Anlage AV aus. 

Kapitalerträge gehören in die Anlage KAP, wenn sie noch nicht durch die Kapitalertragssteuer vollständig pauschal abgegolten sind. Dies ist in der Regel der Fall, wenn die das Wertpapier-Depot führende Bank in Deutschland ansässig ist. 

Zinsen für ausgegebene (Privat-)Kredite, Erträge aus Investitionen im Ausland und ähnliches gehören hier aber hinein. Auch wer einen Durchschnittssteuersatz von unter 25 Prozent hat und Kapitalertragssteuer gezahlt hat, sollte zwecks Günstigerprüfung die Anlage KAP ausfüllen. 

Angaben zur nicht selbstständigen Arbeit müssen nicht gemacht werden, wenn es sich um einen Minijob handelt, der pauschal versteuert wurde. Andere nicht selbstständige Arbeit gehört aber in die entsprechende Anlage.

Eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung findest du ebenfalls. Die meisten Selbstständigen und Freiberufler brauchen diese.

Die Formulare kannst du alle bei ELSTER finden. Wenn du ein Formular noch nicht fertig ausfüllen kannst oder die Arbeit daran unterbrichst, kannst du es einfach speichern. Es landet dann bei unter „Mein ELSTER“ unter „Meine Formulare“ bei den Entwürfen. Auch bei einem Klick auf „Mein ELSTER“ wird dir eine Kachel mit dem zuletzt bearbeiteten Formular angezeigt.

Bei allen Formularen gibt es oben links einen blauen runden Button, den du anklicken kannst. Er zeigt dir, welche Schritte im Formular noch auf dich zu kommen. Jedes von dir fertig bearbeitete Formular prüft ELSTER auf fehlende oder nicht passende Angaben und zeigt dir auch, wo du noch etwa zu korrigieren hast. Ein Formular kann in der Regel nur dann abgeschickt werden, wenn diese Fehler korrigiert sind. 

Hast du ein Formular abgeschickt erhältst du kurz darauf schon eine Eingangsbestätigung. Diese dient auch als Nachweis dafür, dass Fristen eingehalten wurden.

Mit ELSTER kompatible Software

Unter dem Punkt „Weitere Softwareprodukte“ hast du noch ergänzend die Möglichkeit, gefiltert nach Betriebssystem und benötigtem Formular, Software anzeigen zu lassen, die mit ELSTER kompatibel ist. 

Wenn du also nicht gut mit ELSTER arbeiten kannst oder schlichtweg mit einem anderen Programm arbeiten möchtest, kannst du dir von ELSTER selbst anzeigen lassen, welches in Frage kommen könnte. 

Bei all diesen Programmen werden die dort bearbeiteten Steuerdokumente über eine Schnittstelle in ELSTER eingespeist. Es ändert sich also auf der Empfängerseite (Finanzamt) nichts. 

Für wen ist ELSTER geeignet? 

Das Online-Finanzamt ist gut für jeden Selbstständigen, der seine Steuern komplett selbst machen kann und möchte. Bei übersichtlichen geschäftlichen Verhältnissen, etwa bei vielen Freelancern, ist es vergleichsweise einfach, alle nötigen Angaben bei ELSTER zu machen.

ELSTER ist allerdings nicht besonders intuitiv und die Erläuterungen zu den einzelnen Punkten in den Dokumenten sind oft auch nur begrenzt hilfreich. Es ist also notwendig, Grundlegendes zum Thema Steuern zu verstehen. Wenn du das tust, sei dir ELSTER empfohlen. Es kostet nichts und es fehlt auch an nichts.

Unabhängig davon, wie viel du nun über ELSTER machst, schadet ein Profil dort aber nicht – und sei es nur, um beispielsweise Fristverlängerungsanträge oder Einsprüche über das Portal abzuwickeln und den Gang zum Finanzamt zu sparen.