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Achtung Falle! Welche 9 Fallen du in deiner SelbstÀndigkeit unbedingt vermeiden solltest

Wenn du selbstĂ€ndig bist, wirst du sicher bestĂ€tigen, dass es mehr Möglichkeiten gibt etwas falsch zu machen als etwas richtig zu machen. WĂ€hrend sich Angestellte auf ihrer vermeintlichen Sicherheit ausruhen, kĂ€mpfen viele SelbstĂ€ndige gefĂŒhlt jeden Tag gegen WindmĂŒhlen.

Der große Unterschied zum Angestellten sind die Konsequenzen deiner Fehler. WĂ€hrend Angestellte in der Regel nicht fĂŒr Fehler haftbar gemacht werden können, stehen wir SelbstĂ€ndige in der vollen Verantwortung. Das ist der Preis fĂŒr die Selbstbestimmung und die Freiheit.

Und dennoch wÀre es falsch alle Fehler unbedingt vermeiden zu wollen. Wenn du deinen Fokus auf Fehlervermeidung legst, wirst du immer gehemmter agieren und vorsichtiger werden in der Hoffnung nur keine Fehler zu machen. Das Problem: Dadurch vermeidest du auch jeden Erfolg. Du bewegst dich gar nicht mehr.

Mein bester Tipp: Hör auf Misserfolge persönlich zu nehmen. Sieh Fehler als Feedback an und als Hinweis, dass du es in Zukunft anders machen solltest. Wusstest du, dass es in vielen Unternehmen des Silicon Valleys eine richtige Fehlerkultur gibt? Die Mitarbeiter feiern die schlimmsten Fehler zusammen, um dann anschließend gemeinsam daraus zu lernen und besser zu werden.

Also lasst uns mit den Fehlern beginnen! Denn nur wer etwas tut, kann Fehler machen und nur wer Fehler macht, kann besser werden.

Falle 1: Es wird kein Problem gelöst

Vielleicht kennst du ja das PhĂ€nomen, dass du ganz begeistert bist von deiner Idee und du fĂŒhlst dich schon wie der nĂ€chste Steve Jobs. Aber du bist leider der einzige, der das so sieht und keiner möchte dein Produkt kaufen oder deine Dienstleistung in Anspruch nehmen.

Der Grund könnte sein, dass du kein Problem löst. Menschen kaufen keine Produkte, Menschen kaufen Lösungen fĂŒr Probleme.

Vielleicht kennst du schon das Baumarkt-Beispiel: Die Person, die einen Hammer kauft, möchte keinen Hammer kaufen. Sie kauft das aufgehĂ€ngte Bild im Wohnzimmer. HĂ€tte sie kein Problem (Das Bild hĂ€lt ohne Nagel nicht an der Wand), wĂŒrde sie auch keinen Hammer brauchen und kaufen.

Jedes erfolgreiche Unternehmen löst ein Problem seiner Kunden. Sei es nun der Lebensmittelhandel an der Ecke (Hunger), der Entertainer mit seiner Show (Langeweile) oder wir von Kontist (persönliches Finanzmanagement fĂŒr Freelancer ist zu schwer).

Je stĂ€rker das Problem ist, desto besser wird dein Unternehmen funktionieren. Ein GetrĂ€nkestand wird in der WĂŒste deutlich besser funktionieren als im Amazonasgebiet, wo es fast jeden Tag regnet.

Als SelbstĂ€ndiger solltest du immer in Lösungen denken und dich nur auf die Problemlösung konzentrieren. Wenn dein Angebot keine Lösung fĂŒr eine bestimmte Menschengruppe bietet, wirst du scheitern.

Falle 2: Du schÀtzt den Zielmarkt falsch ein

Damit kommen wir auch zum zweiten Fehler, der immer wieder gemacht wird.

Wenn du Probleme deiner Kunden lösen sollst, setzt das natĂŒrlich voraus, dass du deine Kunden kennst und verstehst. Du solltest deine Kunden besser kennen, als sie sich selbst kennen. Nur wenn du aufmerksam beobachtest und verstehst, wie sie ihre Probleme lösen, kannst du eine bessere Lösung anbieten.

Das ist auch der Grund, warum hĂ€ufig erfolgreiche GrĂŒndungen aus den Reihen der Zielgruppe kommen.

Wir von Kontist sind zum Beispiel ein Konto von SelbstĂ€ndigen fĂŒr SelbstĂ€ndige. Wir kennen die Probleme und BedĂŒrfnisse der SelbstĂ€ndigen, weil wir selbst welche sind und jeden Tag mit den gleichen Herausforderungen zu kĂ€mpfen haben.

Könntest du dir einen Sternekoch vorstellen, der selbst am liebsten bei McDonalds essen geht? Sein Restaurant wĂŒrde wahrscheinlich grandios scheitern, weil er kein VerstĂ€ndnis fĂŒr die Kunden anspruchsvoller KĂŒche hat. Er sollte sich lieber auf Fastfood und Systemgastronomie konzentrieren.

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GrĂ¶ĂŸe der Zielgruppe

Neben der schlechten Kenntnis der Zielgruppe kann dir auch noch die GrĂ¶ĂŸe der Zielgruppe einen Strich durch die Rechnung machen.

Du hast einen coolen Service entwickelt, der PĂ€psten die Weihnachtsansprachen auf lateinisch schreibt? Und um profitabel zu arbeiten brauchst du nur zehn Kunden? Nun, das ist ungĂŒnstig, es gibt nur einen Kunden auf der Welt und Weihnachten ist auch nur einmal pro Jahr. Du solltest deine Idee also nochmal ĂŒberarbeiten.

Das Beispiel ist ĂŒberspitzt, verdeutlicht aber ein hĂ€ufiges Problem. Nur weil du ein Problem hast, deine beiden besten Freunde sagen, dass deine Idee gut ist, bedeutet es noch lange nicht, dass es genug Leute gibt, die fĂŒr deine Lösung Geld ausgeben.

Falle 3: Fehlende Wettbewerbsanalyse

Selbst wenn du ein brennendes Problem deiner Zielgruppe löst und den Zielmarkt hervorragend kennst, kannst du noch immer scheitern. Du hast keine Chance, wenn deine Konkurrenz besser ist und sich besser verkauft.

Viele GrĂŒnder machen bei der Wettbewerbsanalyse einen einfachen und fundamentalen Fehler. Sie ĂŒbersehen schlichtweg die gefĂ€hrlichsten Mitbewerber. Deine Konkurrenz sind nicht nur die Unternehmen, die das gleiche machen wie du und ein Ă€hnliches Produkt anbieten. Deine Konkurrenz sind die Unternehmen, die die gleichen Probleme deiner Kunden lösen. Auch und gerade dann, wenn sie es ganz anders machen.

Wir leben in einer Zeit, in der viele Branchen durch ganz andere ProblemlösungsansÀtze umgekrempelt werden oder sich in Luft auflösen.

Weltweit haben Hotels Probleme, weil viele Reisende sich ĂŒber AirBnB plötzlich in Privatwohnungen einmieten. Der Taxiverkehr hat in vielen StĂ€dten der Welt mit der Existenz zu kĂ€mpfen, weil Uber mit einer unglaublich großen Macht in den Markt eingedrungen ist. Und es bleibt fĂŒr die deutsche Wirtschaft nur zu hoffen, dass Google und Apple gnĂ€dig mit den deutschen Autobauern sind, wenn sie mit der ElektromobilitĂ€t ernsthaft loslegen.

Also merke dir: Die GlĂŒhbirne wurde nicht erfunden, indem Thomas Edison das Kerzenlicht optimiert hat.

Als SelbstĂ€ndiger ist es deine Pflicht die Augen offen zu halten und dich ĂŒber neue Trends und Konkurrenten zu informieren. Wenn du das nicht tust, wirst du frĂŒher oder spĂ€ter von einer neuen Lösung ĂŒberrollt und hast keine Chance mehr zu regieren.

Falle 4: Fehlende kaufmÀnnische Kenntnisse

Ich weiß, das Thema ist unsexy und der Traum vom unterschĂ€tzten Studienabbrecher, der die Uni geschmissen hat und es jetzt allen zeigt, ist einfach so schön.

Aber sind wir einmal ehrlich: Ja, Menschen wie Bill Gates, Mark Zuckerberg oder Steve Jobs haben ihr Studium abgebrochen und sind erfolgreich geworden. Sie sind aber nicht wegen ihrem Studienabbruch erfolgreich geworden sondern eher trotz des Abbruchs.

Eine fundierte Ausbildung, insbesondere im kaufmĂ€nnischen Bereich, ist auch fĂŒr eine erfolgreiche SelbstĂ€ndigkeit absolut grundlegend. Du solltest immer in der Lage sein, die ZusammenhĂ€nge in deinem Unternehmen zu verstehen und deine Auswertungen lesen zu können. Dein Unternehmen unterliegt deiner Verantwortung. Wenn du alles beim Steuerberater abgibst, um dann Augen und Ohren zu verschließen, wirst du nie Kontrolle ĂŒber dein Unternehmen bekommen.

Um die Basics zu verstehen reicht in der Regel Grundlagenliteratur, die es im zunehmenden Maße auch fĂŒr SelbstĂ€ndige gibt. Außerdem solltest du darauf bestehen, dass dir alles so lange erklĂ€rt wird, bis du es wirklich verstanden hast. Das gilt insbesondere fĂŒr Banktermine und GesprĂ€che mit dem Steuerberater oder Buchhalter.

Falle 5: Schlechte Finanzierung

Bei Start Ups, die Investoren im Boot haben, liegt dieser Fehler nahe. Aber immer wenn fremdes Kapital im Spiel ist, wird die Gegenseite (Investoren oder Banken) auch einen genauen Finanzplan von dir erwarten. Allein dadurch bist du schon dazu gezwungen, dich mit deinen Finanzen zu beschÀftigen.

Das große Risiko liegt eher bei den kleinen SoloselbstĂ€ndigen, die im Nebenerwerb, direkt nach dem Studium oder aus der Arbeitslosigkeit heraus grĂŒnden.

Viele dieser GrĂŒnder machen keinen Finanzplan und machen sich keine Gedanken darĂŒber, wie sie ihr Unternehmen, das zu Beginn eventuell sogar Verluste macht, und ihr privates Leben finanzieren. HĂ€ufig wird von Monat zu Monat oder sogar von Woche zu Woche geplant, wĂ€hrend das Geld immer weniger wird.

Auch wenn du alleine grĂŒndest, finanzielle Reserven hast und keine großen Investitionen anstehen, solltest du dir unbedingt einen Finanzplan machen und ĂŒberlegen, wie du weiter vorgehst, wenn die Umsatzentwicklung hinter den Erwartungen zurĂŒck bleibt oder wenn Kunden nicht zahlen.

Aus meiner Erfahrung kann ich dir empfehlen, dass du dich mit Finanzanalysen der Banken beschÀftigst und ggf. sogar einen Banktermin vereinbarst, um einen Kredit zu beantragen. Es geht nicht darum, den Kredit auch wirklich in Anspruch zu nehmen. Es geht eher darum ein Feedback von Profis zu erhalten, wie realistisch sie deine Planung einschÀtzen.

Falle 6: ÜberschĂ€tzung der eigenen FĂ€higkeiten

Es ist klasse, wenn du von dir und deiner GeschĂ€ftsidee ĂŒberzeugt bist. Das ist sogar absolut entscheidend, wenn du nachhaltigen Erfolg haben möchtest. Und es ist auch klasse, wenn du so gute Freunde hast, die dich in deinem Vorhaben unterstĂŒtzen und an dich glauben. Auch das ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor.

Du solltest aber nicht den Fehler machen, dass du dich als Superman siehst, der alles besser als andere kann. Du solltest nicht alleine dein Logo designen, deine Webseite programmieren, deine Buchhaltung machen, auf dem Alexanderplatz Flyer verteilen, den Firmenwagen reparieren und deine Kunden betreuen. Arbeite von vornherein mit Experten zusammen und konzentriere dich ganz auf deine Kernkompetenzen.

Suche fĂŒr ehrliches Feedback auch immer den Kontakt zu fremden Menschen, die dir RĂŒckmeldung zu dir und deiner Idee geben. Das ist wichtig, da deine Freunde und deine Familie dir gegenĂŒber nicht objektiv sein können. Auf vielen Start Up Events kannst du dein Unternehmen pitchen und bekommst anschließend direktes Feedback.

7: Übertriebener Perfektionismus

Gut ist gut, besser könnte aber schon zu viel sein.

Ich bin sehr großer Fan von herausragenden Leistungen und möchte Perfektionismus auch gar nicht schlecht machen. Ich halte es fĂŒr eine sehr gute Eigenschaft nie zufrieden zu sein und immer nach Verbesserungen zu suchen.

Das gilt allerdings nicht immer. Das Wichtigste ist die Aktion, das Tun. Wenn dich dein Perfektionismus davon abhÀlt mit einer Idee zu starten, dann fÀngt er an dich zu blockieren. Unperfekt gestartet ist immer besser als perfekt gar nicht erst begonnen.

Wenn du dich bisher noch gar nicht mit dem Lean Modell beschÀftigt hast, solltest du es unbedingt tun.

Im Wesentlichen geht es darum, dass du mit einem absolut minimalistischen Angebot (MVP = Minimum viable product) an den Start gehst und es erst im Laufe der Zeit mit Hilfe des Kundenfeedbacks optimierst. Es geht also darum möglichst schnell an den Markt zu gehen, um das Produkt dann maßgenau an die Zielgruppe anzupassen.

Falle 8: Kein Marketingplan

Ein gutes Produkt verkauft sich von ganz alleine. Diesem Irrglaube unterliegt wahrscheinlich jeder einmal. “Das Angebot ist so genial, das werden uns die Kunden förmlich aus den HĂ€nden reißen” ist ein typischer Gedankengang, der kurz vor der großen EnttĂ€uschung steht.

Wenn du mir nicht glaubst, nimm einmal ein paar 5 Euro Scheine, gehe in die FußgĂ€ngerzone und versuche die Geldscheine an fremde Leute zu verschenken. Ich garantiere dir, dass nicht jeder das Geld nehmen wird. Warum das so ist? Wir sind sehr skeptische Menschen und wir sehen ĂŒberall Haken und Gefahren.

Wenn du jetzt plötzlich mit einem sensationell gutem Angebot vor mir stehst, sehe ich lauter Probleme und vertraue dir einfach nicht. Und je besser (und unglaubwĂŒrdig gut) dein Angebot ist, desto grĂ¶ĂŸer sind meine Bedenken.

Das bedeutet fĂŒr dich und dein Unternehmen, dass du dir immer Gedanken ĂŒber Marketing und Vertrieb machen solltest. Allein, dass die Leute auf dich aufmerksam werden und von dir hören, ist viel Arbeit. Sie zu ĂŒberzeugen auch Kunde zu werden, ist mindestens noch einmal so schwer.

Falle 9: Du bist ein Gemischtwarenladen

“Ja, das mache ich auch”

Kennst du diesen Satz?

Wenn dich ein potentieller Kunde fragt, ob du etwas Bestimmtes fĂŒr ihn machen kannst, laufen wir alle Gefahr das Geld und Potential in diesem Auftrag zu sehen. Wir weichen unser Leistungsangebot gerne ein wenig auf und nehmen AuftrĂ€ge an, die uns weg von unserer eigentlichen Positionierung fĂŒhren. Dabei bemerken wir leider nicht, dass wir immer mehr zum Gemischtwarenladen werden und nicht mehr der teure Fachhandel sind, der wir gerne sein möchten.

NatĂŒrlich kannst du dich auch als eine Art Hausmeister oder Gemischtwarenladen positionieren, der alles kann und alles verkauft. Aber deine Bezahlung wird dann nie dem eines Spezialisten entsprechen. Erst wenn du eine ganz klare Positionierung hast und in deinem Bereich anerkannter Experte bist, kannst du wirklich hohe Honorare verlangen.

Ausnahme

Gerade zu Beginn der SelbstĂ€ndigkeit oder in spĂ€teren Krisenzeiten kann es wichtig sein, dass du AuftrĂ€ge bekommst, die schnell Geld bringen. In diesen FĂ€llen solltest du natĂŒrlich keine AuftrĂ€ge ablehnen. Du solltest dir aber klar machen, dass das nur eine kurzfristige Ausnahme ist und das auch gegenĂŒber des Kunden so kommunizieren.

Was war dein grĂ¶ĂŸter Fehler? Wie schon eingangs geschrieben, sind Fehler wichtig und gut. Nur so lernen wir und können besser werden. Meinen grĂ¶ĂŸten Fehler der vergangenen Monate kannst du in meinem letzten Artikel nachlesen.

Was war der grĂ¶ĂŸte Fehler, den du in den letzten 12 Monaten gemacht hast? Ich bin gespannt auf den Erfahrungsaustausch.