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Warum sich gerade Selbstständige einen Coach nehmen sollten

Oder anders gefragt: Fällt dir ein einziger guter Grund ein, weshalb du keinen Coach brauchst?! Es ist doch so: Die allerwenigsten sind wunschlos glücklich mit ihrer beruflichen Situation. Denn: Irgendwas ist immer. Man fühlt sich zu schlecht bezahlt. Arbeitet zu viel. Kriegt das mit dem Selbstmanagement nicht auf die Kette. Kann Job und Privatleben nicht klar trennen. Hat immer wieder ähnliche Konflikte mit Auftraggebern. Leidet unter Kreativitäts-Blockaden. Kann keine Prioritäten setzen. Fühlt sich wie im Hamsterrad. Möchte den Umsatz steigern. Oder wünscht sich schlicht und einfach eine Veränderung. Die Liste könnte endlos weitergehen. Denn das Berufsleben ist nun mal komplex und die Probleme, die sich auftun können, sind vielfältig.

Aber warum sollten sich gerade Freiberufler einen Business-Coach nehmen? Ganz einfach: Weil wir die professionelle Begleitung eines Sparringspartners gut gebrauchen können. Schließlich haben wir keinen Chef, an den wir uns mit Problemen wenden können. Und wir haben auch keine Personalabteilung, die uns dabei helfen würde, uns im Unternehmen weiterzuentwickeln. Nein, wir Selbstständigen sind Einzelkämpfer und müssen das meiste mit uns selbst ausmachen. Und das ist eigentlich nie hilfreich. Es lohnt sich also, darüber nachzudenken, die beruflichen Probleme und Themen mit einem Experten zu besprechen. Wir arbeiten ja auch in anderen Bereichen des Lebens gerne mit Profis. Warum nicht, wenn es um unseren Job geht – der so unglaublich viel Lebenszeit ausmacht.

Wie, so ein Coach hört nur zu?!

Ganz wichtig, um gleich mal Missverständnissen vorzubeugen: Der Coach berät nicht, er hört zu und stellt die entscheidenden Fragen. Die Lösung ist individuell. Was bedeutet, dass nur der Coachee selbst die richtige Lösung für sein Problem finden kann.

Wie jetzt – so ein Coach wird fürs Zuhören bezahlt? Richtig! Aber noch viel mehr: „Coaching ist: in Lösungen denken, nicht in Problemen. Coaching ist: groß denken, frei denken, spinnen. Gedanken zulassen und durchspielen, auch wenn sie noch so absurd erscheinen. Und zwar ohne ‚Ja, aber...’. Beim Coaching erlaubt man sich, neue Möglichkeiten zu entdecken“, sagt Katrin Hrubesch , Business-Coach in München. Der 44-Jährigen ist es wichtig, eine klare Linie zwischen Coaching und Beratung zu ziehen. „Wir geben keine klaren Handlungsanweisungen – Übungen sind dabei natürlich ausgenommen. Wenn ich mich gerade selbstständig gemacht habe und jemanden brauche, der mir erklärt, wie ich mich im Netz klar positioniere oder wie ich Kunden-Akquise betreibe, dann können die Grenzen aber auch einmal fließend sein“, sagt Katrin Hrubesch. Wenn es um Fakten und Fachwissen gehe, die die Branche betreffen und losgelöst vom persönlichen Empfinden sind, mache Beratung Sinn. Geht es um das Herausarbeiten der eigenen USPs oder um Wirkung, sind wir wieder beim Coaching. Auch Katrin Hrubesch bietet neben Coaching Beratung an – für Menschen, die wie sie aus der PR-Branche kommen. Hrubesch hat 20 Jahre PR-Erfahrung, in Unternehmen sowie als Selbstständige. Als Beraterin gibt sie etwa Tipps, wie der Berufseinstieg oder der Weg in die Selbstständigkeit gelingen kann. Als Coach kommt sie hingegen ins Spiel, wenn man Angst vor der unsicheren Auftragslage hat und dafür eine individuelle Lösung braucht. Oder ein konkretes Problem hinsichtlich der eigenen Arbeitsweise hat. Beispielsweise, dass man sich selbst mit seinem Perfektionismus im Weg steht. Oder wie man seine Arbeitszeit so einteilt, dass man am Ende des Tages auch etwas auf die Beine gestellt hat und nicht fünf Projekte nebenher „ein bisschen angefasst hat“.

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Bild: Katrin Hrubesch - Business-Coach and PR-Expertin

Schön und gut, aber wie findet man nun einen Coach?

Wie immer im Leben: Im Bekanntenkreis rumfragen kann sich lohnen. Jeder kennt irgendjemanden, der schon mal im Coaching war. Und dann einfach mal einen Blick auf die Homepage werfen. Spricht mich der Mensch an? Gibt es vielleicht einen Punkt im Lebenslauf, der zu meiner Vita passt? Wer partout keine Empfehlung bekommt, geht auf Coach Datenbank , hier kann man auch nach Schwerpunkten suchen. Übrigens: Ein guter Coach kann jedes Thema coachen. Fachkenntnisse von einer bestimmten Branche sind nicht von Nöten. Denn: „Die Themen sind in den allermeisten Fällen losgelöst von der eigentlichen Tätigkeit. Beispielsweise ist es bei einem Zeitmanagement-Problem Jacke wie Hose, ob man in einer Bäckerei oder Marketingagentur arbeitet“, sagt Katrin Hrubesch. Was für einen Coach wichtig ist: Lebens- und Berufserfahrung. Dann kann er bis zu einem gewissen Grad alle Themen abstrahieren. Beispiel: Eine Mutter kann genauso unter Perfektionismus leiden wie ein Journalist. Und auch Prioritätenmanagement ist vollkommen losgelöst von der fachlichen Tätigkeit.

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Wozu einen Coach? Kann ich doch alles mit meinen Freunden besprechen!

Ja schon. Aber wenn man wirklich mit einem Thema weiterkommen will, führt der Weg an einem Coach nicht vorbei. „Freunde wollen einen meistens nicht verletzen. Das ist ja das Schöne an ihnen. Aber manchmal braucht es jemanden, der genau die Frage stellt, deren Beantwortung ans Eingemachte geht. Und Freunde gehen oft von sich selbst aus, das sollte ein Coach nie“, sagt Katrin Hrubesch. Beispiel: Man jammert, weil man im Job zu wenig Wertschätzung erfährt. Freunde würden einstimmen und etwas sagen wie: ‚Frechheit, der Auftraggeber geht gar nicht!’ In Wahrheit gehören bei einem solchen Fall aber immer zwei dazu. Ein Coach würde zusammen mit dem Coachee herausarbeiten, ob er sich möglicherweise unter Wert verkauft und ob er es sich selbst überhaupt wert ist, in die Verhandlung zu gehen. „Freunde hören häufig auch nicht richtig zu und nutzen die erste Atempause, um ansatzlos ihre eigenen Erfahrungen zu diesem Thema loszuwerden. Das ist zwar unterhaltsam, trägt aber nicht zur Lösung bei. Ein Coach ist exklusiv für seinen Coachee da, er ist emotional nicht involviert, hört aktiv zu, stellt Fragen und schubst an“, erklärt Katrin Hrubesch.

Butter bei die Fische: Wie läuft so ein Coaching konkret ab?

So unterschiedlich die Schwerpunkte der Coaches sind, so unterschiedlich sind auch ihre Preise. Ganz grob kann man aber sagen, dass ein Treffen von einer Stunde ab 100 Euro kostet. Die Rockstars der Coaching-Szene nehmen ab 300 Euro pro Stunde. Manche Sitzungen dauern auch 120 Minuten. Das handhabt jeder Coach anders.

Zunächst einmal definiert man gemeinsam das Ziel und den Zeitrahmen. Manchmal weiß der Coachee selbst nicht genau, was eigentlich sein Thema ist, weil da so ein diffuses Gefühl vorherrscht: ‚Bei mir läuft es irgendwie nicht rund, ich kann es aber nicht in Worte fassen.’ Hier schaut man sich alle Lebensbereiche an – und überlegt, wo es hakt. Ist das Problem benannt, erstellt der Coach ein sinnvolles Angebot. Das können fünf oder zehn Coaching-Einheiten sein, je nachdem, was Sinn macht.

Kleine Themen kann man manchmal auch in einer Stunde lösen. Beispiel: Einsamkeit als Selbstständiger. Man arbeitet aus Kostengründen von zu Hause, hat keine Kollegen. Hier werden konkrete Lösungsansätze für den Coachee gesammelt. Etwa: Ein Tag die Woche zum Kunden gehen, drei Mal die Woche zum Mittagessen verabreden, in eine Bürogemeinschaft wechseln, sich mit (selbstständigen) Kollegen zum Arbeiten verabreden. Auch unerwartete Wendungen sind beim Coaching normal, wenn etwa plötzlich herauskommt, dass das Home Office gar nicht das eigentliche Problem ist, sondern eine Partnerschaft fehlt und sich das einsam anfühlt.

Ob mit oder ohne konkretes Problem: „Manchmal ist es im Berufsleben wichtig, sich von einem Außenstehenden neue Impulse zu holen. Schließlich schmort man gerne im eigenen Saft, kommt gedanklich nicht vom Fleck. Wie befreiend ist es dann, wenn sich auf einmal völlig neue Perspektiven eröffnen“, weiß Katrin Hrubesch. Die Aussichten sind in der Tat verlockend. Idealerweise läuft es so, dass man nach einem Coaching seinen Job erfolgreicher und befreiter macht. Es kann eine enorme Wirkung haben, (emotionale) Baustellen zu schließen. „Es kostet Unmengen an Energie, Themen eine halbe Ewigkeit mit sich herumzuschleppen. Dagegen steht die Option, Dinge für sich zu klären und ohne diesen Ballast dauerhaft ein erfüllteres Leben zu führen“, sagt Katrin Hrubesch.

Das Schlusswort

Zum Schluss noch der vielleicht wichtigste Hinweis: Wer ein Coaching beginnt, muss auch wirklich etwas ändern wollen. Sonst ist es Zeit- und Geldverschwendung. Wer einfach nur über die Zustände in seiner Branche oder über den Auftraggeber jammern möchte, geht besser ein Feierabendbierchen trinken. Allen anderen sei gesagt: „Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen, und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.“ Das hat nicht Katrin Hrubesch gesagt. Aber Albert Einstein. Und der war ja bekanntlich auch ein kluges Kerlchen.