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Dienstleistungsvertrag, Honorarvertrag, Werkvertrag - was sich dahinter verbirgt und was die Unterschiede sind

Bei Festangestellten wird das Arbeitsverh√§ltnis mit allen wichtigen und wesentlichen Vereinbarungen im Arbeitsvertrag geregelt. Bei Selbst√§ndigen und den so genannten "Freien" im Gegensatz dazu gelten andere Vertragsformen wie zum Beispiel der Honorar-, Werk- oder Dienstleistungsvertrag. Auch wenn einige Aspekte sehr √§hnlich sind, gibt es Unterschiede in der Auspr√§gung der einzelnen Vertragsarten. Und einer ist eigentlich eher ein √ľbergeordneter Begriff. Zudem kommt ein wichtiges Thema zum Tragen: die Scheinselbst√§ndigkeit, auf die wir weiter unten im Text n√§her eingehen.¬†

Zun√§chst kurz vorab: Der Werkvertrag ist in den Paragraphen 631 ff. BGB (B√ľrgerliches Gesetzbuch) geregelt, der Dienstvertrag in den Paragraphen 611 ff. BGB. Die beiden Vertr√§ge sind prim√§r nach dem Vertragsgegenstand zu unterscheiden. Mit dem Begriff Honorarvertrag k√∂nnen beide Vertragsarten betitelt sein. Anders ausgedr√ľckt: der Honorarvertrag kann in Form des Werk- oder des Dienstleistungsvertrags ausgefertigt sein.

Die Vertragsarten kompakt erklärt

Der Dienstleistungsvertrag oder auch (freier) Dienstvertrag 

Im Dienstvertrag wird die Person, die einen Dienst oder eine Dienstleistung zusichert, zu deren¬† Leistung verpflichtet. Der Vertragspartner wiederum wird verpflichtet, diese Leistung mit der vereinbarten Verg√ľtung zu bezahlen. Laut BGB k√∂nnen Dienste jeglicher Art Vertragsgegenstand sein.

Zu beachten: Der zur Dienstleistung Verpflichtete schuldet dem Vertragspartner allerdings nur die Leistungsausf√ľhrung bzw. Arbeitshandlung - nicht aber den Leistungserfolg. Anders ausgedr√ľckt:¬† Der zur Dienstleistung Verpflichtete schuldet dem Vertragspartner sein bestm√∂gliches Tun. Begr√ľndet wird das damit, dass niemand die Garantie f√ľr ein spezielles Ergebnis gew√§hrleisten kann.¬†¬†

Ein Beispiel: Du bist freier Musiklehrer und erteilst jemanden Geigen-Unterricht. Hier kannst du zwar deinen Sch√ľler bestm√∂glich unterrichten. Den Erfolg aber, dass dein Musiksch√ľler jemals ein Virtuose auf der Geige sein wird, kannst du nicht garantieren. Also, du schuldest bei diesem Dienstvertrag nur die unterrichtende T√§tigkeit gegen Verg√ľtung.¬†

Beim Dienstvertrag spricht man √ľbrigens auch von zwei Varianten: der freie/ selbstst√§ndige Dienstvertrag (unser heutiges Thema) und der unselbstst√§ndige Dienstvertrag, der dem festen Arbeitsvertrag gleichzusetzen ist.¬†

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Der Werkvertrag

Im Werkvertrag verpflichtet sich ein Selbst√§ndiger zur Herstellung, des im Vertrag formulierten und zugesagten, Werkes. Der Vertragspartner (Besteller) wird zur Verg√ľtung dieses Werkes verpflichtet. Der Vertrag regelt sowohl die Herstellung eines Werkes als auch die Ver√§nderung eines solchen.¬†

Zu beachten: Im Gegensatz zum Dienstvertrag ist aber hier auch der Erfolg Gegenstand des Vertrags. Anders ausgedr√ľckt: Nicht nur das bestm√∂gliche Tun an sich, sondern auch der konkrete Erfolg, wird vom Dienstleistenden geschuldet. Der zur Herstellung Verpflichtete ist unternehmerisch selbstst√§ndig und kann selbst entscheiden, wie und auf welche Art er die erforderlichen T√§tigkeiten/Arbeiten ausf√ľhrt.¬†

¬†Ein Beispiel: Du bringst dein defektes Fahrrad in ein Fahrradgesch√§ft (mit Reparaturwerkstatt). Dabei schlie√üt du f√ľr die Reparatur einen Werkvertrag mit dem Gesch√§ft (-sinhaber), wobei dieser dir die erfolgreiche Reparatur deines Fahrrads schuldet.¬†

Fazit: Da sich Werk- und Dienstvertrag relativ √§hnlich sind, besteht sowohl bei Auftraggebern wie auch bei Auftragnehmern oft Unklarheit dar√ľber, welcher Vertrag denn nun in Frage kommt.¬†

Eine Entscheidungshilfe k√∂nnte sein: Der Werkvertrag kommt dann zum Tragen, wenn eindeutig festgelegt ist, wie ein "Werk" am Ende beschaffen sein und funktionieren soll. Es geht also um den messbaren Erfolg. Beim Dienstvertrag geht es rein um die Arbeitsleistung oder die Ausf√ľhrung einer Dienstleistung unabh√§ngig vom Arbeitserfolg.¬†¬†

Der Honorarvertrag

Unter diesem Begriff ist die Festschreibung von Absprachen, durch die eine erbrachte Leistung direkt verg√ľtet wird, gemeint. Es gibt zwei Varianten: das Honorar wird entweder fest oder erfolgsbezogen vereinbart. Die gew√§hlte Verg√ľtungsmethode muss im Vertrag schriftlich festgehalten sein. In der Regel wird mittels Honorarvertrag die Zusammenarbeit zwischen einem Unternehmen (Auftraggeber) und Freiberuflern oder Selbstst√§ndigen (Auftragnehmer/freier Mitarbeiter) geregelt. Der Honorarvertrag ist also sozusagen ein Vertrag √ľber eine freie Mitarbeit. Oft wird er als Mischform bezeichnet, denn wie schon erw√§hnt wird er je nach Aufgabenstellung und Zielsetzung auf Grundlage eines Dienst- oder eines Werkvertrags ausgefertigt.¬†

Dennoch gibt es auch Unterschiede zu Dienstleistungs- und Werkvertrag, deswegen solltest du bei der Ausgestaltung und Ausformulierung eines Honorarvertrags sehr gut aufpassen und auf alle Eventualitäten achten. Du läufst sonst Gefahr hoher Kosten in Form von Nachzahlungen. 

Wichtig: Der Auftragnehmer/freie Mitarbeiter muss selbstst√§ndig t√§tig und darf nicht weisungsgebunden sein. Er kann den Arbeitsort und die Arbeitszeit frei bestimmen. Der Auftraggeber kann auch keine anderen Weisungen erteilen, die der freie Mitarbeiter auf Honorarbasis befolgen m√ľsste. Ein Honorarvertrag kann in verschiedenen Bereichen Anwendung finden und zwischen unterschiedlichen Parteien abgeschlossen werden, zum Beispiel zwischen Unternehmen und einem freien Mitarbeiter oder zwischen Selbst√§ndigen und einer Privatperson.¬†

Die gängigsten Berufe, in denen Honorarverträge geschlossen werden, sind unter anderem: 

  • √Ąrzte

  • Anw√§lte

  • Steuer- und Unternehmensberater

  • Gutachter und Sachverst√§ndige

  • Lehrer, Dozenten, Studenten

  • Architekten, Ingenieure

  • (Immobilien-) Makler

  • Journalisten, Texter und Autoren, sowie K√ľnstler wie Schauspieler, Musiker, Maler

Zu beachten: Beim Honorarvertrag ist die Gefahr, dass real eigentlich der Status eines Arbeitnehmers vorliegt und damit die Verpflichtung zur Zahlung von Sozialversicherungs-Beiträgen bestehen, immer gegeben. Das bedeutet, wenn eine Vereinbarung zwar als Honorarvertrag bezeichnet wird, de facto die Ausformulierung des Vertrags aber auf einen Arbeitsvertrag im Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Verhältnis hinweist. Dies solltest du unbedingt vermeiden. Doch auch wenn diese Gefahr grundsätzlich gegeben ist, sind Honorarverträge durchaus zulässig und legitim, da sie vom Grundsatz her kein Arbeitsverhältnis festlegen, sondern einen Werkliefervertrag. 

Wichtig: Kommt es bei einem bestehenden Honorarvertrags-Verh√§ltnis zu einer Pr√ľfung (beispielsweise durch die Rentenversicherung) und wird daraus ersichtlich, dass real kein freies Dienstverh√§ltnis, sondern ein abh√§ngiges Arbeitsverh√§ltnis vorliegt (wegen der charakterlichen Auspr√§gung und tats√§chlichen Ausgestaltung), besteht f√ľr den Auftraggeber die Gefahr von teils hohen Nachforderungen seitens der Sozialversicherung. Dazu gleich noch mehr.

Wenn du dich jetzt fragst, wie war das eigentlich nochmal mit Freelancer, Freiberufler und Co., dann kannst du hier nochmal nachlesen Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Selbständigen, Freiberuflern, Freelancern, freien Mitarbeitern & Co.?

Rechtliche Folgen bei Werk- und Dienstverträgen

Je nach Art des Vertrags gibt es unterschiedliche Rechtsfolgen. 

  • Beim Werkvertrag: die geschuldeten Leistungen umfassen die Herstellung des Werkes und die Entrichtung eines Entgelts. Weist das "Werk" am Ende M√§ngel auf, hat der Besteller spezielle M√§ngelgew√§hrleistungsrechte (√§hnlich wie im Kaufrecht). Diese sind in den ¬ß¬ß 634 ff. BGB geregelt. Unter Umst√§nden k√∂nnen dann Schadensersatz, Minderung oder ein R√ľcktritt vom Vertrag geltend gemacht werden.¬†¬†
  • Beim Dienstvertrag: hier steht das Tun oder auch T√§tigwerden nach bestem Wissen und Gewissen im Mittelpunkt. Ein Erfolg wird nicht garantiert. Im Gegenzug ist die Verg√ľtung f√§llig. Aber es gibt generell keinen Anspruch, wenn der gew√ľnschte Erfolg nicht eintritt. Schadensersatz und R√ľcktritt sind im Einzelfall nur m√∂glich, wenn eine Pflichtverletzung im Rahmen des T√§tigwerdens vorliegt. Daf√ľr gelten insbesondere die ¬ß¬ß 280 ff. BGB und die ¬ß¬ß 320 ff. BGB.

Die Scheinselbständigkeit

Freiberufler und Selbstständige laufen leicht Gefahr der Scheinselbstständigkeit, vor allem wenn sie auf Basis von Honorarverträgen arbeiten. Da es zu diesem Thema an sich zwar viele Regelungen gibt, bleibt allerdings oft eine Restunsicherheit. Um das Risiko aber möglichst kein zu halten, kannst du dich daran unter anderem orientieren: 

  • Du solltest als selbst√§ndiger Auftragnehmer nicht an die Weisungen deines Auftraggebers gebunden sein
  • Es sollte eine wirtschaftliche und soziale Unabh√§ngigkeit bestehen
  • Du solltest auf eigene Rechnung arbeiten¬†
  • Du darfst Auftr√§ge anderer Unternehmen gleichzeitig annehmen und solltest dies auch unbedingt tun.¬†¬†
  • Du solltest generell darauf achten, dass im Honorarvertrag auf alle Vereinbarungen verzichtet wird, die auf ein abh√§ngiges Arbeitsverh√§ltnis schlie√üen lassen. Dazu z√§hlen z.B. Anspruch auf Urlaub, ein festgelegter Arbeitsort und festgelegte Arbeitszeiten. Erlaubt ist aber beispielsweise eine bestimmte Stundenanzahl festzulegen, aber nicht, wann oder zu welcher Tageszeit du diese ableisten musst.¬†

Beachte: Wenn du als Auftraggeber einen Honorarvertrag mit einem freien Mitarbeiter abschließt, es sich wissentlich aber um eine eigentlich sozialversicherungspflichtige Zusammenarbeit handelt, läufst du Gefahr sowohl strafrechtlicher als auch steuerrechtlicher Konsequenzen. Das kann Bußgeld bedeuten als auch -  im worst case -  eine Gefängnisstrafe. Außerdem wird das Finanzamt die geschuldeten Beiträge nachfordern. 

Gut zu wissen: Wenn du auf Nummer sicher gehen möchtest, kannst du den Vertrag bei der Clearingstelle der Deutschen Rentenversicherung durch ein Statusfeststellungsverfahren absichern oder auch von einem Anwalt checken lassen.  

Detaillierte Informationen zum Thema Scheinselbstständigkeit findest du auch in unserem Blogartikel Was du zum Thema Scheinselbständigkeit wissen musst.

Die Aspekte des Honorarvertrags f√ľr Auftragnehmer und Auftraggeber noch einmal zusammengefasst

  • Gro√üe Flexibilit√§t f√ľr dich als freien Mitarbeiter beziehungsweise Selbstst√§ndigen durch die fehlende Weisungsgebundenheit und die Freiheit bei der Ausf√ľhrung der Projektarbeit.¬†¬†
  • F√ľr den Auftraggeber bedeutet die Besch√§ftigung von freien Mitarbeitern ebenfalls eine relative Freiheit. Da es sich ja ausdr√ľcklich nicht um ein festes Arbeitsverh√§ltnis handelt, fallen viele Vorschriften des Arbeitsrechts weg. Also, keine Zahlung von Sozialversicherungs- oder Krankenkassenbeitr√§gen, es gilt kein K√ľndigungsschutz oder Urlaubsanspruch f√ľr den Auftragnehmer und auch keine Entgeltfortzahlung bei Krankheit.¬†
  • Der empfindliche Punkt beim Honorarvertrag ist und bleibt das Thema Scheinselbstst√§ndigkeit. Es drohen nicht nur Konsequenzen f√ľr den Auftragnehmer, sondern auch f√ľr den Auftraggeber drohen die bereits angesprochenen Nachforderungen f√ľr die Sozialversicherung und: Wird der Status eines eigentlich festen Arbeitsverh√§ltnisses festgestellt, k√∂nnte der Auftragnehmer dann zudem Rechte aus K√ľndigungsschutz und andere Anspr√ľche gegen dich als Auftraggeber geltend machen.

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