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Erwerbsminderungsrente auch f√ľr Selbst√§ndige?

Bei deinem Start in die Selbst√§ndigkeit, stellt sich dir sicherlich die Frage nach deiner pers√∂nlichen Absicherung. Was passiert, falls du deinen Beruf nicht mehr aus√ľben kannst? Greifen dann die Sicherungsnetze, die du vielleicht aus deiner Zeit als Angestellter kennst? Eines davon ist die gesetzliche Erwerbsminderungsrente. Doch gibt es die auch f√ľr Freiberufler?

Was ist die Erwerbsminderungsrente?

Die volle Erwerbsminderungsrente wird dann ausgezahlt, wenn du weniger als drei Stunden pro Tag arbeiten kannst. Die halbe Erwerbsminderungsrente gibt es bei einer verbliebenen Arbeitskraft von bis zu sechs Stunden t√§glich. Die Erwerbsunf√§higkeit kann dabei vor√ľbergehend, beispielsweise aufgrund einer Krankheit, oder dauerhaft sein. Die H√∂he der Erwerbsminderungsrente h√§ngt vom zuvor erzielten Nettoeinkommen ab. Hiervon erh√§ltst du etwa 30% bis 35%. Beachte bitte, dass du bei einer Arbeitsunf√§higkeit vor deinem 63. Geburtstag, einen Abschlag in Kauf nehmen musst. Dieser betr√§gt f√ľr jedes verbliebene Lebensjahr bis zu dieser Grenze 0,3%. Maximal k√∂nnen dir insgesamt 10,8% von deiner Rente abgezogen werden. Im Klartext bedeutet das: Wenn du mit 30 Jahren deine Erwerbsminderungsrente f√ľr Selbst√§ndige in Anspruch nehmen musst, wird sie dir um 9,9% gek√ľrzt.

Bei der halben Erwerbsminderungsrente bekommst du nur die Hälfte. Die Idee des Gesetzgebers war hierbei, dass die restlichen Lebenshaltungskosten von dir selbst mit einer Teilzeitstelle erwirtschaftet werden. Gibt es keine, kann die Erwerbsminderungsrente auf den vollen Satz aufgestockt werden.

Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente ist keine Berufsunf√§higkeitsversicherung! Das bedeutet f√ľr dich, dass du im Fall des Falles an eine niedrigqualifizierte T√§tigkeit verwiesen wirst. Ist es dir zum Beispiel nicht mehr m√∂glich, deine stressige Beratert√§tigkeit auszu√ľben, kann das Arbeitsamt dir einen Job als G√§rtner vermitteln.

Voraussetzungen f√ľr die Erwerbsminderungsrente

Es gibt drei H√ľrden, um die Erwerbsminderungsrente zu erhalten:

  • Arbeitsunf√§higkeit: Diese muss von mindestens einem Arzt festgestellt werden. Achte auf eine gute Dokumentation deines Krankheitsbildes. Je mehr Fakten deinen Antrag st√ľtzen, desto besser! Sozialversicherungspflichtige Besch√§ftigung seit mindestens f√ľnf Jahren vor der Antragstellung. Hierzu z√§hlen auch Eltern- und Pflegezeiten.
  • In mindestens drei dieser f√ľnf Jahre wurden Beitr√§ge gezahlt.

Die letzten beiden Punkte sind f√ľr viele Selbst√§ndige die Crux. Die sozialversicherungspflichtige Besch√§ftigung kennt man, in der Regel, nur im Zusammenhang mit Angestellten. Aber Achtung! Es gibt freie Berufsgruppen, die gesetzlich verpflichtet sind, in die Deutsche Rentenversicherung einzuzahlen. Diese sind:

  • Handwerker
  • Lehrer, auch nebenberufliche, die mehr als 450 Euro pro Monat verdienen. Die Rentenversicherung legt den Lehrberuf sehr weit aus. So z√§hlen zu dieser Gruppe auch Nachhilfelehrer, Coaches, Trainer, Tennis- und Musiklehrer.
  • Erzieher, die mit Kindern arbeiten. Die Versicherungspflicht betrifft auch Tagesm√ľtter.
  • Pflegekr√§fte, die in erster Linie auf Anweisung von √Ąrzten handeln.
  • Hebammen
  • Seelotsen
  • Alle bildenden und darstellenden K√ľnstler, sowie Musiker.
  • Autoren, Schriftsteller und Herausgeber. Betreibst du einen Blog oder ver√∂ffentlichst Videos auf diversen Onlineplattformen, z√§hlst du versicherungsrechtlich zu einer dieser beiden Kategorien.

Die Rentenversicherungspflicht erlischt, wenn Lehrer, Erzieher und Pflegekräfte selbst Angestellte haben. Auch Auszubildende zählen in diesem Fall als Angestellte.

Geh√∂rst du zu einer der oberen Berufsgruppen, musst du in die Rentenversicherung einzahlen. Nach f√ľnf Wartejahren hast du Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente f√ľr Selbst√§ndige.

Erwerbsminderungsrente f√ľr Selbstst√§ndige, wenn du nicht versicherungspflichtig bist

Doch was passiert, wenn du von den Leistungen der Deutschen Rentenversicherung profitieren willst und nicht versicherungspflichtig bist? In dieser Situation kannst du dich freiwillig versichern. Bei der freiwilligen Versicherung kannst du selbst bestimmen, wann, wie oft und in welcher H√∂he du einzahlen m√∂chtest. Der monatliche Mindestbeitrag liegt bei 18,7% von 450 Euro, also 84,15 Euro. Maximal kannst du 18,7% der Beitragsbemessungsgrenze einzahlen. Diese liegt aktuell bei 2.975 Euro monatlich. Das entspricht einem H√∂chstbetrag von 556,33 Euro. Du kannst die Einzahlungen jederzeit pausieren, erh√∂hen oder vermindern. Nur zur√ľckfordern, kannst du bereits gezahlte Beitr√§ge nicht.

Die Erwerbsminderungsrente f√ľr Selbst√§ndige bei der Deutsche Rentenversicherung bietet sich besonders an, wenn du bereits Rentenpunkte gesammelt hast ‚Äď sei es durch eine Anstellung oder anrechenbare Zeiten, wie die Elternzeit. Weitere Leistungen der Deutschen Rentenversicherung sind die Altersrente, Reha- und Kurangebote, sowie die Hinterbliebenenabsicherung in Form einer Witwen- und Waisenrente. Du bekommst somit mit deinen Einzahlungen ein Basispaket an Absicherung. Du solltest allerdings beachten, dass es Wartezeiten gibt. Kannst du sie nicht erf√ľllen, verfallen deine gesammelten Rentenpunkte.

Besondere Vorsicht ist in der freiwilligen Versicherung bei der Erwerbsminderungsrente geboten. Zwar bietet dir die Deutsche Rentenversicherung viele Freiheiten bez√ľglich deiner Beitragsleistung. Du solltest dennoch darauf achten, monatlich einzuzahlen, ohne zu unterbrechen. Ansonsten verlierst du deinen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente!

Woher kannst du Erwerbsminderungsrente beziehen?

Die obigen Schilderungen beziehen sich allesamt auf die Deutsche Rentenversicherung. Sie ist die gesetzliche Rentenversicherung, die √ľber die Sozialabgaben und freiwillige Beitr√§ge finanziert wird. Es gibt jedoch auch die M√∂glichkeit, sich privat gegen eine Arbeitsunf√§higkeit abzusichern. Die reine Arbeitsunf√§higkeitsversicherung wird kaum mehr angeboten. Sie hat dieselben Nachteile wie die gesetzliche Erwerbsminderungsrente, die da w√§ren:

Eine volle Auszahlung nur bei einer m√∂glichen Arbeitsleistung von weniger als drei Stunden t√§glich. Sie leistet nur, wenn kein anderer, gering qualifizierter, Beruf ausge√ľbt werden kann. Die attraktivere Alternative seine Arbeitskraft abzusichern, ist die private Berufsunf√§higkeitsversicherung. Diese k√∂nnen sowohl Angestellte, als auch Selbst√§ndige abschlie√üen. Ihr gro√üer Vorteil ist, dass du bereits Leistungen erh√§ltst, wenn du deinen Beruf vor√ľbergehend oder dauerhaft nicht mehr aus√ľben kannst. Das bedeutet, dass du nicht an eine andere Arbeit verwiesen werden kannst. Im Anbetracht eines steigenden Krankenstandes wegen psychischen Erkrankungen, sollte man diesen Aspekt nicht au√üer Acht lassen. Eine Berufsunf√§higkeitsversicherung kannst du sowohl als einzelne Versicherung, als auch verbunden mit einer Rentenversicherung abschlie√üen. Sie wird von allen g√§ngigen Versicherungsgesellschaften angeboten. Ein Konditionenvergleich kann sich daher sehr f√ľr dich lohnen. Die Beitr√§ge kannst du als Vorsorgeleistungen steuerlich geltend machen.

Wird die Berufsunfähigkeitsrente angerechnet?

Viele bef√ľrchten, mit ihrer privaten Vorsorge nur die Staatskasse zu entlasten, ohne selbst einen Vorteil aus den jahrelang gezahlten Beitr√§gen zu ziehen. Besonders wenn du bereits Beitr√§ge an die Deutsche Rentenversicherung zahlst, wird dich dieser Punkt interessieren. Nach der aktuellen Rechtslage werden die Rentenzahlungen aus einer Berufsunf√§higkeitsversicherung nicht mit der Erwerbsminderungsrente verrechnet. Ein Grund zur Freude ist das trotzdem nicht. Denn alle Einnahmen werden bei der Berechnung der Grundsicherung ber√ľcksichtigt. Da die Erwerbsminderungsrente so gering ausf√§llt, entsteht in der Regel ein Anspruch auf Wohngeld und, eventuell, eine Aufstockung auf das Niveau von ALG II. Hierzu ein Rechenbeispiel:

Der Regelsatz f√ľr einen Alleinstehenden betr√§gt aktuell: 409,00 Euro

Kosten f√ľr die Kaltmiete inklusive Heizkosten: 500,00 Euro

Das ergibt einen Gesamtbedarf in der Grundsicherung von 909,00 Euro monatlich.

Im Falle einer Erwerbsunfähigkeit mit einer kleinen Rente aus einer Berufsunfähigkeitsversicherung, könnte sich die Situation so darstellen:

Erwerbsminderungsrente: 600,00 Euro

Berufsunfähigkeitsrente: 400,00 Euro

Du h√§ttest im letzteren Fall also nur etwa 100,00 Euro mehr pro Monat zur Verf√ľgung, als jemand, der nicht privat vorgesorgt hat. Deshalb unser Tipp: Achte bei der Wahl der Rentenh√∂he unbedingt auf die Sicherung deines Lebensstandards. Zum einen kannst du nicht sicher sein, dass deine Erwerbsminderung tats√§chlich anerkannt wird. Zum anderen, willst du doch nicht deine Beitr√§ge f√ľr ein minimales Plus verpulvern, oder?

Wo und wie kannst du deine Erwerbsminderungsrente beantragen?

Wenn du monatlich in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hast, kannst du bei einer eingetretenen Arbeitsunf√§higkeit, die Erwerbsminderungsrente beantragen. Hierzu setzt du ein Schreiben an die Deutsche Rentenversicherung auf, indem du schilderst, aus welchen Gr√ľnden du nicht mehr arbeitsf√§hig bist. Deinem Antrag legst du √§rztliche Atteste und Gutachten bei. Nun hei√üt es warten. Wahrscheinlich wird die Deutsche Rentenversicherung R√ľckfragen haben, die sie mit dir und / oder deinen behandelnden √Ąrzten bespricht. Sollte sie deinen Antrag ablehnen, kannst du Widerruf einlegen und im Zweifel einen Anwalt zu Rate ziehen.

Was ist zu beachten?

Bis die Rente wegen Erwerbsminderung auf dein Konto flie√üt, kann es ein weiter Weg sein. Je mehr Unterlagen und Gutachten du zu deinem Zustand beibringen kannst, desto besser. Die Deutsche Rentenversicherung wird dann festlegen, ob du voll oder halb erwerbsgemindert bist. In jedem Fall wirst du beim Arbeitsamt als Jobsuchender gemeldet. Deshalb musst du auch weiterhin Beitr√§ge f√ľr die Arbeitslosenversicherung bezahlen. Es k√∂nnte ja passieren, dass am Markt eine Stelle auftaucht, die du trotz deiner Erwerbsminderung aus√ľben kannst.

Weiterhin wird die Erwerbsminderungsrente erst ausbezahlt, wenn du keine Lohnfortzahlung von deinem Arbeitgeber und auch kein Krankengeld von deiner Krankenkasse (mehr) bekommst. F√ľr uns Selbst√§ndige ist der erste Punkt vernachl√§ssigbar. Jedoch haben viele Freiberufler mit einer privaten Krankenversicherung, eine verl√§ngerte Krankengeldzahlung vereinbart. Die gesetzliche Krankenversicherung zahlt das Krankengeld bis zu 78 Wochen lang.

Wird deine Erwerbsminderung von der Deutschen Rentenversicherung anerkannt, so erh√§ltst du trotzdem keine lebenslange Erwerbsminderungsrente f√ľr Selbst√§ndige. Stattdessen wird regelm√§√üig, h√§ufig alle drei Jahre, √ľberpr√ľft, ob sich dein gesundheitlicher Zustand verbessert hat. Du solltest deshalb rechtzeitig einen Folgeantrag stellen. Ist aus medizinischer Sicht, die Wiederherstellung deiner Erwerbsf√§higkeit unwahrscheinlich oder wurde die befristete Erwerbsminderungsrente bereits neun Jahre lang gezahlt, wird zumeist eine unbefristete Erwerbsminderungsrente gew√§hrt. Diese endet mit dem Erreichen des Rentenalters. Ab diesem Zeitpunkt bekommst du eine Altersrente. An dieser Stelle sei erw√§hnt, dass die Altersrente sehr gering ausf√§llt, wenn du w√§hrend deiner Erwerbsunf√§higkeit keine Beitr√§ge geleistet hast ‚Äď wie es der Regelfall ist. Eine Berufsunf√§higkeitsversicherung, die auch w√§hrend deines Rentenbezugs weiterhin f√ľr dich in deine private Rentenversicherung einzahlt, kann dich vor einer Altersarmut sch√ľtzen.

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