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Gewerberechtsschutzversicherung
Versicherungen

MAIN - Blog Selbständigkeit - "Die Gewerberechtsschutz-Versicherung – was du dazu wissen musst"

Zuletzt aktualisiert am 2. Juli 2023

Nina Sickinger

Freelance Editor

5. Sept. 2019

Es erschließt sich mir nicht, warum in der Versicherungsbranche immer alle Definitionen verwirrend klingen müssen. Manchmal habe ich den Eindruck, das ist beabsichtigt, vielleicht weil man sich so auf jeden Fall einen Versicherungsmakler oder eine Beratung in Anspruch nehmen muss. Wie dem auch sei oder was auch immer die Gründe dafür sein mögen, versuche ich für euch mit einfachen Worten Licht ins Dunkel zum Thema Firmenrechtsschutz- bzw. Gewerberechtsschutzversicherung zu bringen.

Das Wichtigste vorab: Für den Begriff Firmenrechtsschutz werden oft mehrere Synonyme  verwendet, wie Gewerberechtsschutz, Betriebsrechtsschutz oder Unternehmensrechtsschutz. Das ist allerdings nicht ganz richtig, denn konkret stellt der Firmenrechtsschutz einen Bestandteil des Gewerberechtsschutzes dar.

Das heißt für sich genommen stellt der Gewerberechtsschutz quasi das Komplettpaket dar, das du als Unternehmer oder Selbständiger für deinen Betrieb abschließen kannst. Er ist in verschiedene Bestandteile aufgegliedert und der Firmenrechtsschutz ist einer davon. 

Generell ist die Gewerberechtsschutzversicherung ein finanzieller Schutz für alle Unternehmer, die in Rechtsstreitigkeiten verwickelt werden und die dann, jeweils die dadurch verursachten Kosten abdeckt, wie zum Beispiel Anwalts- und/oder Prozesskosten. Was im Detail alles dazu gehört, hängt vom Vertrag ab.

Im Gegensatz zu einer privaten Rechtsschutzversicherung muss ein Rechtsstreit allerdings dein Unternehmen bzw. deine unternehmerische Tätigkeit betreffen. Eine Gewerberechtsschutzversicherung wird jeweils den individuellen Anforderungen angepasst, kann  vertraglich also flexibel und variabel gehandhabt werden beziehungsweise in verschiedene Bereiche aufgegliedert werden.

In der Vergangenheit war eine derartige Versicherung ausschließlich als Kombi-Versicherung möglich. Heutzutage aber kannst du einen Vertrag, bestehend aus verschiedenen Bausteinen, individuell zusammenstellen und wählen für welche Bereiche du dich absichern möchtest. 

Diese Bausteine sind:

1. Die Basis bzw. den Grundbaustein des Gewerberechtsschutzes stellt der Firmenrechtsschutz dar.

Weitere Bausteine sind:

2. Arbeitsrechtsschutz, der Rechtsstreitigkeiten mit (ehemaligen) Mitarbeitern absichert

3. Verkehrsrechtsschutz, der verkehrsrechtliche Streitigkeiten, wie bei einer Dienstfahrt, absichert

4. Immobilienrechtsschutz, der Streitigkeiten in Bezug auf Gewerbe-Immobilien absichert

5. Firmenvertragsrechtsschutz, der Rechtsstreitigkeiten aus Werks-/Dienstleistungsverträgen absichert 

6. Erweiterter Strafrechtsschutz, der strafrechtliche Streitigkeiten absichert, wie zum Beispiel bei Betrugsvorwürfen, die gegen dich gerichtet sind.  

Zu all diesen Punkten später mehr.

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Was und für wen die Gewerberechtsschutzversicherung gut ist

Das lässt sich aus den oben genannten Punkten ja schon ganz gut ableiten. Denn führst du ein Unternehmen, beschäftigst Angestellte, hast eine Gewerbe-Immobilie oder Dienstfahrzeuge, können eventuelle Streitigkeiten schnell auftreten. Ein Streit mit einem (ehemaligen) Angestellten, Differenzen mit dem Vermieter oder ein Unfall mit dem Dienstfahrzeug - mit der Gewerberechtsschutzversicherung sicherst du entweder alle Bereiche oder auch nur einzelne finanziell ab. Denn wenn es wirklich zu einem Rechtsstreit kommt, kann das schnell teuer werden und unter Umständen sogar deine Existenz gefährden. Eine Versicherung übernimmt in so einem Fall all die Kosten, die in einer juristischen Angelegenheit entstehen. Im Prinzip sichert dich eine Versicherung in allen Phasen einer Rechtsstreitigkeit ab – angefangen beim ersten Termin mit einem  Anwalt bis hin zu den Prozesskosten (wenn sich ein solcher nicht vermeiden lässt). 

Beachte: Eine Versicherung übernimmt natürlich immer nur die Kosten für diejenigen Bereiche, die vertraglich vereinbart wurden. Es ist im Einzelfall wichtig, vor Abschluss einer  Gewerbe-Rechtsschutzversicherung individuell zu entscheiden, was du wirklich brauchst bzw. welche Bausteine du wählen möchtest.

Gut zu wissen: Manche Versicherungsunternehmen bieten in Bezug auf eine Gewerberechtsschutzversicherung auch einen so genannten Telefon-Service an. Hier bekommst du juristische Auskünfte von Fachleuten zu rechtlichen Fragen deines Unternehmens betreffend. Dies macht vor allem Sinn, um im Vorfeld Informationen einzuholen, zum Beispiel wenn du in deinem Unternehmen ein Problem hast und eine rechtliche Streitigkeit oder Klage drohen könnte.  

Welche einzelnen Bereiche du mit einer Gewerbe-Rechtsschutzversicherung absichern kannst

Der Firmenrechtsschutz stellt sozusagen die Basis für den Gewerberechtsschutz dar. Hierbei sind beispielsweise Streitigkeiten mit dem Finanzamt in Bezug auf steuerrechtliche Angelegenheiten oder Streitigkeiten mit der Berufsgenossenschaft versichert.  

Dieser Basisschutz lässt sich individuell erweitern:

1. Firmenvertragsrechtsschutz
Dies bezieht sich auf Streitigkeiten, die aus Werk- und/oder Dienstleistungsverträgen resultieren, wenn eine Kunde dein Honorar nicht zahlt oder Lieferanten nicht bezahlen.

Beachte: Es variiert von Versicherer zu Versicherer und hängt auch von deiner Betriebsart ab, ob der Firmenvertragsrechtsschutz als Bestandteil einer Kombi-Versicherung gewählt werden kann oder ob du hierfür einen separaten Vertrag abschließen musst.

2. Arbeitsrechtsschutz
Hast du Angestellte, greift der Baustein Arbeitsrechtsschutz. Du bist dann bei etwaigen arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen mit Angestellten abgesichert, wie zum Beispiel bei Klagen wegen einer Kündigung, Abmahnung, in Gehaltsangelegenheiten oder Problemen in Bezug auf Arbeitszeugnisse. 

3. Immobilienrechtsschutz
Diesen Bestandteil solltest du wählen, wenn du Gewerbe-Immobilien nutzt. Dies gilt sowohl bei Miete oder Eigentum. Gerade aber wenn du Mieter bist, sichert dich der Immobilienrechtsschutz finanziell ab, zum Beispiel bei einer strittigen Mieterhöhung, und du hier Maßnahmen ergreifen möchtest. 

4. Gewerblicher Verkehrsrechtsschutz
Dieser greift bei allen verkehrsrechtlichen Streitigkeiten. Wie schon erwähnt bei einem Unfall mit dem (Dienst-) Auto, mit dem du geschäftlich unterwegs bist. Das spielt zum Beispiel bei Berufskraftfahrern, Unternehmen mit eigenen Fahrzeugen, Taxi- und Logistikfirmen eine große Rolle. Aber auch für alle anderen Selbständigen und Unternehmer, die geschäftlich viel fahren. Den Verkehrsrechtsschutz kannst du bei den meisten Versicherern sowohl einzeln als auch als Teil einer Kombiversicherung wählen.

5. Erweiterter Strafrechtsschutz
Der Strafrechtsschutz ist meist schon zu Teilen im Zusammenhang mit dem Firmenrechtsschutz abgesichert. Falls dir aber vorgeworfen wird, vorsätzlich jemanden betrogen zu haben, benötigst du das Modul „Erweiterter Strafrechtsschutz“. An dieser Stelle ist es natürlich etwas schwierig, einen Rat zu geben, ob das Sinn macht oder nicht, denn in der Regel hat wahrscheinlich niemand vor, jemand anderen vorsätzlich zu betrügen. Aber allein dass jemand anderes dich dessen beschuldigt, reicht schon aus, dass du einen Anwalt einschalten musst und eben dafür springt die Versicherung dann ein.

Wichtiger Fakt: Wie bei einigen anderen Versicherungen auch, gilt auch bei der Gewerberechtsschutzversicherung: sie übernimmt nur Fälle, die nach Abschluss der Versicherung auftreten. 

Was ist bei den Kosten für eine Gewerberechtsschutz-Versicherung zu beachten

Mit einer Gewerberechtsschutzversicherung kannst du dich als Unternehmer, Selbständiger und Freiberufler also gegen bestimmte Risiken, die aus deiner unternehmerischen Tätigkeit resultieren, versichern. Welche das im einzelnen sind, hängt von der Betriebsart und der Branche, in der du tätig bist, ab. Denn jede birgt andere Risiken, die Rechtsstreitigkeiten nach sich ziehen können, in sich.  Davon sollte auch die von dir gewählte Deckungssumme abhängen. Der Betrag von einer Million wird vielfach genannt, manche Versicherer machen das aber auch ohne Begrenzung. Darüber solltest du dich im Vorfeld gut informieren, da die gewählte Deckungs- bzw. Versicherungssumme natürlich unmittelbaren Einfluss auf die Beitragshöhe hat. Das heißt, wie bei allen anderen Versicherungen auch - mit steigender Deckungssumme erhöht sich auch die Prämie deiner Gewerberechtsschutzversicherung. Ebenfalls Einfluss auf die Kosten hat die Höhe der gewählten Selbstbeteiligung – je höher sie ist, desto geringer der Versicherungsbeitrag. 

Zur Bemessung des Versicherungsbeitrags werden in der Regel dein Jahresumsatz und/oder die Anzahl deiner Angestellten (die natürlich mitversichert sein müssen) herangezogen. Außerdem spielt in die Kostenberechnung auch mit rein, wie das Versicherungsunternehmen eventuelle Risiken, dass dein Unternehmen in rechtliche Streitigkeiten verwickelt wird, einschätzt. Ein Taxiunternehmen beispielsweise ist wahrscheinlich eher durch das Risiko eines Unfalls betroffen, wie ein Selbständiger, der nur selten ein Auto geschäftlich nutzt. Wie du siehst, ist eine konkrete Höhe der Kosten für eine Gewerberechtsschutzversicherung sehr individuell zu betrachten und nur schwer allgemeingültig anzugeben. 

Wusstest du: Alle Beiträge für eine Gewerberechtsschutzversicherung können – im Gegensatz zur privaten Rechtsschutzversicherung - als Betriebsausgabe steuerlich geltend gemacht werden. Das minimiert also deine Steuerlast. In diesem Zusammenhang könnte für dich auch unser Blog Artikel über die Gewerbesteuer interessant sein. Du findest ihn hier: Gewerbesteuer - Wie läuft das mit der Gewerbesteuererklärung?.

Brauche ich als Unternehmer zusätzlich auch eine private Rechtsschutzversicherung und lässt sich das mit dem Gewerberechtsschutz kombinieren?

Die beiden Versicherungsarten unterscheiden sich von der Sache her und wie sich aus dem Namen unschwer erkennen lässt, ist die eine nur für den unternehmerischen und die andere rein für den privaten Bereich. Die Details bezüglich einer Rechtsschutzversicherung für dein Unternehmertum sind oben beschrieben. Eine private Rechtsschutzversicherung dagegen springt zum Beispiel bei Streitigkeiten mit Nachbarn oder in familiären Angelegenheiten ein.

Auch hier gilt: jeder muss selbst entscheiden, ob er eine Privat-Rechtsschutzversicherung für notwendig und wichtig erachtet oder nicht und sollte stets seine persönlichen Kriterien zu Grunde legen. Der Abschluss einer privaten Versicherung ist natürlich vollkommen freiwillig. Bei einer Gewerberechtsschutzversicherung solltest du auf jeden Fall sorgsam abwägen. Der Abschluss ist auch hier freiwillig, denn eine gesetzliche Verpflichtung dafür gibt es nicht. 

Ähnlich dem Gewerberechtsschutz kann eine Privatrechtsschutz als Kombi-Versicherung abgeschlossen werden oder auch nur für einzelne Bereiche. 

Wie bei allen Versicherungen gilt:  Wäge ab, für welche Angelegenheiten / Bereiche du dich finanziell absichern möchtest. Kombi-Pakete können zwar durchaus praktisch sein, aber vieles dort inkludiert ist, benötigst du eventuell gar nicht, wie zum Beispiel den Fall Erbstreitigkeiten, wenn du gar keine Angehörigen hast. Wenn du hier clever agierst, kannst du Geld bei den Beiträgen sparen.

Ein Fakt zum Schluss: Manche Versicherungen bieten eine Kombination aus privatem und gewerblichem Rechtsschutz in einem Vertrag an. Ob das Sinn macht oder nicht, ist schwer zu sagen. Falls du unsicher bist, suche dir am besten einen unabhängigen Berater und bespreche mit ihm deine persönliche Situation und deine individuellen Anforderungen. Auch das Für und Wider gegenüber dem Thema „Versicherungsmakler“ wird oft und gerne diskutiert. Und falls das Thema Versicherungen für Selbständige generell für dich interessant ist, haben wir noch weitere Anregungen im Blog-Artikel Wie du Risiken als Selbständiger oder im eigenen Unternehmen wirksam versicherst - betriebliche Versicherungen.