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Haftung als SelbststĂ€ndiger - Warum du nichts dem Zufall ĂŒberlassen solltest

Arbeitest du seit Jahren als Freelancer und bisher hast du weder Fehler gemacht noch irgendwelche schwerwiegende Probleme verursacht? Das ist gut, doch ruhe dich nicht auf deinem bisherigen Erfolg als SelbststÀndiger aus.

Selten macht man sich als SelbststĂ€ndiger Gedanken um seine Haftung. Eigentlich ironisch, schließlich wissen Privatpersonen nur zu gut, wie schnell eine Klage ins Haus flattert. Ein typisches Beispiel: Du hast diesen Winter vergessen, den BĂŒrgersteig zu reinigen. Ein Passant ist auf dem Eis vor deinem Haus ausgerutscht und hat sich ein Bein gebrochen; nun verklagt er dich auf Schadenersatz. Eine private Haftpflichtversicherung ĂŒbernimmt die Kosten fĂŒr solche FĂ€lle. Was geschieht aber, wenn du als Datenbankbetreiber einen Fehler machst und der Onlineshop deines Kunden drei Stunden lang nicht erreichbar ist? Wer zahlt fĂŒr die fehlenden Bestellungen in Höhe von 50.000 Euro? Musst du als SelbststĂ€ndiger fĂŒr solche SchĂ€den haften? Diese und viele weitere Fragen klĂ€ren wir im Anschluss.

Wie du als Einzelunternehmer haftest

Einfach selbststĂ€ndig machen, Kundenakquise betreiben, an Projekten arbeiten und Geld verdienen – so stellen sich viele Freelancer ihr unbeschwertes Leben ohne Vorgesetzte vor. Was viele nicht wissen: Als SelbststĂ€ndiger muss man sich auch um Chefsachen kĂŒmmern. Dazu gehört die Etablierung verschiedener Sicherheitsmaßnahmen, die dich vor einem finanziellen Ruin schĂŒtzen. Sei dir zunĂ€chst darĂŒber bewusst, dass du als Einzelunternehmer mit deinem gesamten privaten Vermögen haftest. Zugegeben, diese GrĂŒndungsform hat auch viele Vorteile:

  • du bist der einzige Unternehmer und triffst alle Entscheidungen
  • das gesamte Betriebsvermögen steht dir zur VerfĂŒgung
  • du brauchst kein Mindestkapital
  • die GrĂŒndung ist kostengĂŒnstig

Die Haftung als Einzelunternehmer stellt bei der Kreditvergabe auch eine gute Handlungsbasis dar. In allen anderen FĂ€llen ist sie aber ein Nachteil. Betriebliche Schulden musst du mit deinem privaten Vermögen abdecken. Ist das nicht möglich, bist du sowohl geschĂ€ftlich als auch privat ruiniert. Eine FirmengrĂŒndung kann dein Privatvermögen schĂŒtzen, dazu aber spĂ€ter mehr.

Befasse dich mit Risikomanagement

Damit du als SelbststĂ€ndiger wegen einer Haftung zum Beispiel nicht in existenzbedrohende Probleme gerĂ€tst, solltest du dich bereits vor der GrĂŒndung aktiv mit Risikomanagement befassen.

Wie wir wissen, verlÀuft in unserem Leben nicht immer alles nach Plan. Doch auch in problematischen Situationen gibt es einen Ausweg, wenn man sich zuvor Gedanken gemacht hat.

Bei Risikomanagement geht es darum, Gefahren kontinuierlich zu beurteilen und passende Handlungen einzuleiten, um diese zu verhindern oder mit ihnen umzugehen. Innerhalb der Unternehmensstrategie liegt das Risikomanagement unterhalb des Corporate-Risk-Managements. Letzteres beurteilt alle unternehmerischen Risiken, das operative Risikomanagement konzentriert sich hingegen auf einzelne Risiken.

In kleinen und mittelstĂ€ndischen Unternehmen verlĂ€uft der Risikomanagementprozess wie folgtÂč:

  1. ZunÀchst werden Risiken identifiziert und bewertet
  2. Im Anschluss mĂŒssen die Ursachen gefunden und beurteilt werden
  3. Es werden Maßnahmen ermittelt und ihre Wirksamkeit eingeschĂ€tzt
  4. Abschließend folgt die Umsetzung

Als Freelancer musst du den gesamten Prozess selber durchfĂŒhren, da du keine Mitarbeiter und Kollegen hast, die einzelne Etappen ĂŒbernehmen können. Konzentriere dich deshalb zunĂ€chst auf dein grĂ¶ĂŸtes Risiko: Einen Fehler, der bei einem Kunden große SchĂ€den verursacht, fĂŒr die du als SelbststĂ€ndiger haften sollst.

Stelle dir folgende Fragen:

  • Hast du genĂŒgend RĂŒcklagen gebildet, um diese aus eigener Tasche zu bezahlen?
  • Liegt die Haftung ĂŒberhaupt bei dir?
  • Wie löse ich das Problem, ohne die Beziehung zu meinen Kunden zu schĂ€digen?

Die Streitschlichtung ist ein aufwendiger Prozess, der Zeit, Geld und Nerven kostet. 3 Dinge, die dir selten zur VerfĂŒgung stehen. Du musst schließlich an Projekten arbeiten, die deine Existenz sichern.

3 klassische Beispiele, fĂŒr die du als SelbststĂ€ndiger haftest

Um dir das Problem der Haftung als SelbststÀndiger zu verdeutlichen, nachfolgend einige Beispiele aus der Praxis:

  1. Datenschutzrichtlinien missachtet : Ein relativ aktuelles Thema, das immer wieder Schlagzeilen macht, ist das Thema Datenschutz. In der EuropĂ€ischen Union gibt es gewisse Regeln, an die sich jeder halten muss. Als Administrator beispielsweise musst du sicherstellen, dass die Einstellungen des Servers mit den Angaben der Datenschutzrichtlinien ĂŒbereinstimmen. Ein hĂ€ufiger Fehler: es wird Analytics-Software ohne Opt-out-Möglichkeit fĂŒr den Website-Besucher betrieben. Dieser sollte die Möglichkeit haben, dem Tracking zu widersprechen. Bei einem fahrlĂ€ssigen Verstoß kommt es zu Bußgeldern von bis zu 50.000 Euro (§ 43 Abs. 1 BDSG); in schweren FĂ€llen sind es gar 300.000 Euro (§ 43 Abs. 2 BDSG). Die Haftung als SelbststĂ€ndiger kann dir hier ganz schön das Genick brechen.
  2. Copyright missachtet : Ebenfalls ein klassisches Beispiel ist die Missachtung des Copyrights bei Bildern. In Zeiten der CC0-Lizenz, die Bilder komplett kostenlos zur VerfĂŒgung stellen soll, ist große Vorsicht geboten. Wer als Texter einen Artikel mit solchen Bildern seinem Kunden ĂŒberliefert, muss darauf achten, dass die Grafiken kein Copyright verletzen. Große Websites wie unsplash.com versuchen, ausschließlich von den Urhebern hochgeladen Fotos zu akzeptieren. Dennoch kann es vorkommen, dass ein Bild gestohlen und ohne die Einwilligung des Urhebers verbreitet wurde. ErhĂ€lt dein Kunde eine Abmahnung, wirst du als SelbststĂ€ndiger fĂŒr das Vergehen haften. Die AbmahngebĂŒhren können mehrere hundert oder tausend Euro je Foto betragen.
  3. Markenrechte verletzt : Affiliate-Marketer machen hĂ€ufig den Fehler, den Namen einer Marke in der Domain ihrer Nischenwebsite zu verwenden. Ob iphonekaufen.de oder mercedesgebraucht.com – solche Domains sind Ă€ußerst problematisch. Die Besitzer der Marken gehen gegen solche Websites aktiv vor, da sie den Eindruck haben, dass die Bekanntheit ihrer Brand ausgenutzt wird. Ein konkretes Beispiel: Das OLG DĂŒsseldorf entschied im Jahr 2006 ( Az. I-20 U 241/05 ), dass die Adresse peugeot-tuning.de nicht erlaubt sei, weil sie die Marke des französischen Automobilherstellers geschĂ€ftlich ausnutzen wĂŒrde.

Die drei genannten Beispiele stammen aus unterschiedlichen Arbeitsbereichen, in denen unzĂ€hlige Freelancer tĂ€tig sind. Alle haben sie eines gemeinsam: Es handelt sich um VermögensschĂ€den. In keinem Fall kam es zu einem Sach- oder Personenschaden. Die SelbststĂ€ndigen haben hingegen mit ihrem Verhalten einen Dritten geschĂ€digt und mĂŒssen dafĂŒr haften.

Warum dich ein Werk- oder Dienstleistungsvertrag nicht unbedingt schĂŒtzt

Nun möchten mit Sicherheit viele Freelancer argumentieren, dass sie fĂŒr solche Situationen einen Dienstleistungs- oder Werkvertrag unterschrieben haben. Dieser ist aber in den seltensten FĂ€llen eine wahre Hilfe.

Aus Sicht der Haftung sind reine DienstleistungsvertrĂ€ge zu bevorzugen, da sie eine NacherfĂŒllung ausschließen. Dennoch fĂ€llt die Haftung nicht aus, unabhĂ€ngig davon, ob du

  • als IT-Fachmann deinen Kunden fĂŒr ein Projekt falsch behandelt hast,
  • dir als Programmierer ein Fehler im Code unterlaufen ist,
  • bei der Serverwartung das Back-up vergessen hast und deshalb Daten verloren gegangen sind oder
  • als Content-Creator vereinbarte Deadlines verpasst hast und dadurch ein Projekt nicht fristgerecht veröffentlicht werden konnte.

Übrigens: Wenn du mit einem Kunden einen Dienst- oder Werkvertrag abschließt, solltest du dich in keinem Fall dazu entscheiden, Vertragsstrafen bei Missachtung der Inhalte zu vereinbaren. Selbst, wenn es zu keinem Schaden kommen sollte, kann die Strafe fĂ€llig werden; außerdem wird eine Berufshaftpflichtversicherung diese Kosten nicht ĂŒbernehmenÂČ.

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Haftpflichtversicherung vs. Betriebshaftpflichtversicherung

In der Praxis hat sich gezeigt, dass du selten darum herum kommst, einen Dienst- oder Werkvertrag abzuschließen. Insbesondere IT-FachkrĂ€fte, die an teuren Projekten arbeiten, haben selten eine Wahl; alle Arbeitgeber wollen abgesichert sein. Wie aber schĂŒtzt du dich als Freelancer?

Abseits des Tipps, keine Vertragsstrafen zu akzeptieren, solltest du dich mit Haftpflichtversicherungen fĂŒr deinen Beruf befassen. Inzwischen bieten immer mehr Versicherungsdienstleister spezielle Policen fĂŒr IT-Experten, Journalisten und andere Freiberufler an, die auf ihre beruflichen BedĂŒrfnisse abgestimmt sind.

Bei den Versicherungen unterscheidet man zwischen folgenden Kategorien:

  • Berufshaftpflichtversicherung : Dieser Oberbegriff fĂŒr die Haftpflichtversicherungen sichert dich gegen berufliche Risiken ab. Da es sich nicht um einen definierten Begriff handelt, kann der Leistungsumfang von Anbieter zu Anbieter sehr verschieden sein.
  • Betriebshaftpflichtversicherung : Diese Versicherungsart sichert im Regelfall sowohl gegen Sach- als auch PersonenschĂ€den ab, welche durch deine berufliche TĂ€tigkeit entstehen.

Konkrete zwei Beispiele, um diese zugegeben schwer zu unterscheidenden Angebote klarer voneinander zu differenzieren:

  1. Ein Programmierer wurde damit beauftragt, einen Onlineshop fĂŒr einen Blogger aufzusetzen. Ziel war es, passend zum ersten Geburtstag des Blogs den Shop zu launchen, um ein neues eBook zu verkaufen; ĂŒber den Newsletter wurden bereits unzĂ€hlige Vorbestellungen aufgegeben und bezahlt. Da dem Programmierer ein Fehler unterlaufen ist, wurde der Launch verpasst und zahlreiche Neukunden verĂ€rgert. Der entstandene Sachschaden in Höhe von 2.500 Euro wurde von der Berufshaftpflichtversicherung abgedeckt.
  2. Eine Marketingagentur zieht in ein neues BĂŒro. Im Rahmen des Umzugs beschĂ€digt ein Mitarbeiter des Unternehmens ein Rohr und löst dadurch einen Wasserschaden aus, der die darunter liegenden BĂŒrorĂ€ume beschĂ€digt. FĂŒr diese Kosten zahlt die Betriebshaftpflichtversicherung.

Hinweis: Eine Betriebshaftpflichtversicherung ist im Regelfall optional erhÀltlich oder kann in eine Berufshaftpflichtversicherung integriert werden. Auf Letztere solltest du in keinem Fall verzichten. Und: Achte unbedingt auf eine ausreichend hohe Versicherungssumme. Experten empfehlen zumindest 250.000 Euro³.

Alternative HaftungsbeschrĂ€nkung: Eine Firma grĂŒnden

Wenn dir weder Dienst- und WerkvertrĂ€ge noch Versicherungen genĂŒgend Sicherheit bieten, gibt es eine Alternative: Du grĂŒndest eine Firma.

Es gibt durchaus einen Nachteil, den du dabei nicht vernachlĂ€ssigen darfst: Wenn du eine Gesellschaft mit beschrĂ€nkter Haftung (GmbH) oder Unternehmergesellschaft (UG) grĂŒndest, fĂ€llt eine Körperschaftssteuer an; außerdem kompliziert sich deine Welt durch die Bilanzerstellung.

Worin unterscheiden sich die beiden Formen?

  • GmbH : Diese Kapitalgesellschaft besitzt, genauso wie die UG, eine eigene Rechtspersönlichkeit; es handelt sich ergo um eine juristische Person. Ihre Haftung ist folglich auf das Vermögen der Gesellschaft limitiert. Im Vergleich zur Unternehmergesellschaft hat die GmbH ein vergleichsweise hohes Stammkapital (25.000 Euro), sodass diese Form der UnternehmensgrĂŒndung fĂŒr viele Freelancer nicht attraktiv ist.
  • UG : Die GrĂŒndung einer Unternehmergesellschaft ist ab einem Euro möglich. Dabei sei gesagt, dass die UG mit ihrem gesamten Gesellschaftsvermögen haftet, wenn dieses vorhanden ist. Außerdem ist es ratsam, das Stammkapital dem Bedarf des Unternehmens anzupassen.

Bis auf die Unterschiede beim Stammkapital gleichen sich die beiden Formen. Allerdings ist die UG verpflichtet, jĂ€hrlich ein Viertel des JahresĂŒberschusses (minus Verlustvortrag) in RĂŒcklagen zu investieren. Sobald diese die Mindestgrenze von 25.000 Euro erreicht, kann die UG in eine GmbH verwandelt werden⁎.

Mit der Eintragung der UG oder GmbH profitierst du trotz der genannten HĂŒrden und Nachteile von einer HaftungsbeschrĂ€nkung. Dein persönliches Vermögen ist somit geschĂŒtzt.

Zusammenfassung

Dieser Artikel soll dir gezeigt haben, dass du das Thema Haftung als SelbststĂ€ndiger sehr ernst nehmen solltest. Sichere dich mit unseren gezeigten VorschlĂ€gen ab, sei es mit VertrĂ€gen, Versicherungen oder einer UnternehmensgrĂŒndung. Letztere ist besonders effektiv, wenn du sie mit einer Betriebshaftpflichtversicherung kombinierst.

Autor: Deian Isac

Âč: http://www.bwl-online.com/600KapitelOrdner/630KapitelOrdner/Risikomanagement%20fur%20KMU.pdf

ÂČ: https://www.rgblog.de/vertragsstrafen-in-projektvertragen/

Âł: https://www.twago.de/blog/haftung-freelancer-haftpflichtversicherung/

⁎: https://www.gesetze-im-internet.de/gmbhg/__5a.html

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