Was ist ein Kontokorrentkredit?
Ein Kontokorrentkredit ist ein Kreditrahmen, der dir direkt auf deinem Giro- oder Geschäftskonto zur Verfügung steht. Du kannst dein Konto bis zu einem vereinbarten Limit überziehen und den Betrag flexibel nutzen, ohne einen separaten Antrag stellen zu müssen.
Sobald dein Kontostand ins Minus geht, nimmst du automatisch den Kredit in Anspruch. Zinsen fallen dabei nur auf den tatsächlich genutzten Betrag und nur für den Zeitraum an, in dem du im Soll bist. Das unterscheidet den Kontokorrentkredit von klassischen Darlehen, bei denen ein fester Betrag ausgezahlt und anschließend in Raten zurückgezahlt wird.
Wie hoch sind die Zinsen?
Kontokorrentkredite sind vor allem wegen ihrer Flexibilität teuer. In der Praxis liegen die Zinsen häufig im Bereich von etwa 8 bis 15 % pro Jahr. Wird das vereinbarte Kreditlimit überschritten, können sogenannte Überziehungszinsen anfallen, die noch darüber liegen.
Zum Vergleich: Ein klassischer Ratenkredit liegt je nach Bonität häufig im einstelligen bis niedrigen zweistelligen Bereich. Der Unterschied wirkt auf den ersten Blick überschaubar, wird aber schnell spürbar, wenn der Kredit über längere Zeit genutzt wird.
Beispiel: Was kostet ein Kontokorrentkredit?
Angenommen, du nutzt deinen Kreditrahmen mit 5.000 Euro für 20 Tage bei einem Zinssatz von 10 % pro Jahr.
Die Zinskosten berechnen sich anteilig:
Zinsen = (Betrag × Zinssatz × Tage) / 365
In diesem Fall wären das rund 27,40 Euro.
Problematisch wird es, wenn dieser Zustand zur Gewohnheit wird und der Betrag nicht nur für 20 Tage, sondern über Wochen oder Monate genutzt wird. Dann summieren sich die Zinskosten schnell.
Wann ist ein Kontokorrentkredit sinnvoll?
Seine Stärke liegt ganz klar in der kurzfristigen Überbrückung. Zum Beispiel dann, wenn eine Rechnung fällig ist, ein größerer Zahlungseingang sich aber verzögert. Oder wenn laufende Kosten gedeckt werden müssen, bevor neue Einnahmen eingehen.
In solchen Situationen kann der Kontokorrentkredit eine pragmatische Lösung sein, vor allem weil er sofort verfügbar ist und keine zusätzliche Beantragung erfordert.
Wo liegen die Nachteile?
Der größte Nachteil sind tatsächlich die Kosten. Durch die vergleichsweise hohen Zinsen wird der Kontokorrentkredit schnell teuer, wenn er nicht nur kurzfristig genutzt wird.
Ein weiterer Punkt ist die fehlende Struktur. Es gibt keinen festen Tilgungsplan, keine klar definierte Laufzeit und keine automatische Rückzahlung. Das macht ihn flexibel, aber auch riskant, wenn der negative Kontostand über längere Zeit bestehen bleibt.
Viele Selbstständige gewöhnen sich unbewusst daran, den Kredit regelmäßig zu nutzen. Der negative Kontostand wird dadurch schnell Teil des normalen Cashflows. Aus einer kurzfristigen Überbrückung kann so schleichend eine dauerhafte Finanzierung mit hohen Zinskosten werden.