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Selbstständigkeit

MAIN - Blog Banking - "Warum es für Selbstständige oft schwer ist, einen Kredit zu bekommen und was sich heute verändert"

Zuletzt aktualisiert am 10. Mai 2026

brenton - content manager

Brenton Withers

Content manager

22. März 2019

Wenn du als Selbstständiger einen Kredit beantragen möchtest, merkst du schnell, dass die Voraussetzungen andere sind als für Angestellte. Während Angestellte jeden Monat ihr Gehalt bekommen, kann es bei Selbstständigen vorkommen, dass mehrere Rechnungen gleichzeitig bezahlt werden müssen und danach wochenlang keine Zahlung eingeht.

Das bedeutet nicht, dass Selbstständige grundsätzlich ein höheres Risiko darstellen. Viele führen wirtschaftlich gesunde und wachsende Geschäfte. Das Problem liegt eher darin, dass traditionelle Bewertungsmodelle diese Form der Arbeit nur unzureichend abbilden.

Unregelmäßige Einnahmen sind schwerer zu bewerten

Ein zentraler Unterschied liegt in der Struktur der Einnahmen. Während Angestellte ein konstantes Gehalt beziehen, sind Einkünfte bei Selbstständigen oft schwankend. Projekte werden verzögert bezahlt, Umsätze variieren von Monat zu Monat, und Einnahmen folgen selten einem gleichmäßigen Muster.

Ein typisches Szenario: Ein Freelancer stellt im Januar Rechnungen über 8.000 €, bekommt das Geld aber erst im März. Im Februar liegen die Einnahmen dadurch bei 0 €, obwohl das Geschäft gut läuft. Für klassische Kreditmodelle wirkt das wie ein Risiko, obwohl es in vielen Branchen völlig normal ist.

Für Banken mit stark standardisierten Prozessen ist diese Dynamik schwerer einzuordnen. In vielen Fällen fließen nur Durchschnittswerte oder Monatsstände in die Bewertung ein. Schwankungen innerhalb eines Quartals werden dabei kaum berücksichtigt.

Mann betankt während einer Geschäftsreise sein Auto: Die Fahrtkosten sollten bei der Reisekostenabrechnung aufgeführt werden.

Der Blick in die Vergangenheit greift oft zu kurz

Hinzu kommt, dass klassische Kreditentscheidungen häufig auf historischen Daten basieren. Jahresabschlüsse, Steuerbescheide und langfristige Entwicklungen liefern zwar wichtige Informationen, zeigen aber vor allem, wie es für ein Unternehmen in der Vergangenheit gelaufen ist.

Gerade bei Selbstständigen, die sich im Aufbau befinden oder schnell wachsen, entsteht dadurch oft ein verzerrtes Bild. Die aktuelle wirtschaftliche Situation wird nicht immer ausreichend berücksichtigt.

Besonders problematisch ist das für wachsende Selbstständige. Nehmen wir noch ein Beispiel: Dein Umsatz steigt von 2.000 € auf 6.000 € pro Monat innerhalb eines halben Jahres. Deine letzten Steuerbescheide zeigen aber noch die niedrigeren Einnahmen. Für viele Banken zählt trotzdem primär diese „alte Realität“.

Warum Sicherheiten lange eine große Rolle gespielt haben

In traditionellen Kreditmodellen spielen Sicherheiten eine wichtige Rolle. Sie dienen Banken als Absicherung für den Fall, dass ein Kredit nicht zurückgezahlt werden kann. Typische Beispiele sind Immobilien, Wertpapiere oder Bürgschaften durch Dritte. Für viele Selbstständige ist das schlicht nicht realistisch: Gerade Solo-Selbstständige oder Freelancer verfügen oft nicht über klassische Sicherheiten wie Immobilien oder größere Wertpapierdepots. In der Praxis ist oft nicht dein Geschäftsmodell das Problem, sondern das, was du privat besitzt.

Heute zeigt sich jedoch, dass das nur ein Teil der Wahrheit ist. Sicherheiten können eine Kreditentscheidung beeinflussen, sind aber nicht mehr in jedem Fall entscheidend, insbesondere bei kleineren oder kurzfristigen Finanzierungen.

Bürgschaften als klassische Lösung mit Einschränkungen

Eine häufig genutzte Alternative zu eigenen Sicherheiten sind Bürgschaften. Dabei übernimmt eine dritte Person oder Institution die Haftung, falls der Kredit nicht zurückgezahlt werden kann. Auch Bürgschaftsbanken spielen in diesem Zusammenhang eine Rolle, insbesondere bei kleineren Unternehmen oder Gründungen.

Bürgschaften sind jedoch nicht immer eine ideale Lösung: Sie setzen voraus, dass jemand bereit ist, das finanzielle Risiko mitzutragen, und können persönliche Beziehungen belasten. Zudem lösen sie nicht das grundlegende Problem, und zwar die Einschätzung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit eines Unternehmens.

Was sich durch digitale Finanzierung verändert

In den letzten Jahren hat sich die Bewertung von Krediten deutlich weiterentwickelt. Digitale Finanzierungsmodelle setzen stärker auf aktuelle Geschäftsdaten statt ausschließlich auf vergangene Kennzahlen oder Sicherheiten.

Statt nur Jahresabschlüsse zu prüfen, analysieren viele Anbieter heute Kontobewegungen der letzten Monate. Dazu gehören zum Beispiel:

  • durchschnittliche monatliche Einnahmen
  • Regelmäßigkeit von Zahlungseingängen
  • bestehende Fixkosten

Dadurch entsteht ein deutlich genaueres Bild davon, wie ein Unternehmen aktuell wirtschaftet und ob es in der Lage ist, eine Finanzierung zu bedienen. Das verändert auch die Rolle von Sicherheiten. Sie sind nicht verschwunden, aber sie stehen weniger im Mittelpunkt. Stattdessen rückt die tatsächliche Zahlungsfähigkeit in den Fokus.

Futuristische Darstellung einer Straße um die Exklusivität der schwarze Kreditkarte von American Express auszudrücken.

Fazit: Neue Bewertungsmodelle eröffnen neue Möglichkeiten

Für Selbstständige bedeutet das, dass der Zugang zu Finanzierung breiter wird, aber nicht automatisch einfacher. Viele Anbieter schauen heute stärker darauf, was aktuell auf dem Konto passiert, und nicht nur auf alte Steuerunterlagen oder Sicherheiten.

Ein Kredit kann helfen, kurzfristige Engpässe zu überbrücken, etwa wenn mehrere Rechnungen gleichzeitig fällig sind oder eine größere Investition ansteht. Umso wichtiger ist es, die eigene Liquidität realistisch einzuschätzen und genau zu prüfen, ob eine Finanzierung langfristig tragfähig ist. Richtig eingesetzt kann sie jedoch ein wichtiges Instrument sein, um Investitionen zu ermöglichen, finanzielle Spielräume zu schaffen und das eigene Geschäft gezielt weiterzuentwickeln.

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