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Welche Unternehmensform ist für dich die Richtige?

AG, GmbH oder etwas ganz Anderes – Welche Unternehmensform ist für dich die richtige?

Eine der ersten und wichtigsten Entscheidungen, die du treffen musst, wenn du gründen möchtest, ist die Wahl der Unternehmensform. Denn mit der Entscheidung für eine Unternehmensform sind verschiedene Rechte und Pflichten verknüpft.

Welche Unternehmensformen es gibt und was du bei deiner Wahl beachten musst, erfährst du in diesem Blog-Artikel.

Gesellschaft – Was ist das überhaupt?

Unter einer Gesellschaft versteht man einen vertraglichen Zusammenschluss mehrerer Personen, aus dem eine Organisation zur Erreichung eines gemeinsamen Ziels entsteht. Genau definiert ist dies im Bürgerlichen Gesetzbuch in Paragraph 705. Eine Gesellschaft sind eine oder mehrere Personen, die gemeinsam ein Ziel erreichen wollen. Hierdurch hat jeder Gesellschafter die Pflicht, zur Verfolgung des Ziels beizutragen und nicht willentlich die Erreichung des Ziels zu verhindern.

Es lassen sich zwei Arten von Gesellschaften unterscheiden: Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften.

Personengesellschaft vs. Kapitalgesellschaft – Was ist der Unterschied?

Grundsätzlich ist der Unterschied schon im Namen der jeweiligen Rechtsform genannt: Während die Personengesellschaft personenbezogen ist, ist die Kapitalgesellschaft kapitalbezogen.

Um den Unterschied zwischen diesen beiden Formen noch besser zu verstehen und darauf basierend eine Entscheidung zu treffen, welche für dich am sinnvollsten ist, solltest du dir folgende Kriterien genauer anschauen:

  • Haftung
  • Gesellschaftsvermögen
  • Unternehmensleitung
  • Publizitäts- und Prüfungspflichten
  • Flexibilität der Änderung der Gesellschafterverhältnisse
  • Steuerbelastung

Haftung

Der erste Punkt auf dieser Liste ist zugleich einer der entscheidendsten: Die Frage der Haftung. Denn wenn etwas schiefgehen sollte, kann die Haftungsfrage darüber entscheiden, ob du die Privatinsolvenz beantragen musst oder nicht.

Unter dem Begriff der Haftung versteht man bei Gesellschaften den Haftungsumfang gegenüber Gläubigern. Während du bei Personengesellschaften persönlich haften musst, also mit deinem Privatvermögen haftbar bist, beschränkt sich die Haftung bei Kapitalgesellschaften ausschließlich auf das Kapital der Gesellschaft. Sollte du etwa verklagt werden und der Kläger recht bekommen, musst du in diesem Fall dein Privatvermögen offenlegen und deine Schuld damit begleichen. Bei der Kapitalgesellschaft wird dagegen das Kapital der Gesellschaft zum Begleichen der Schuld genutzt – selbst wenn die Schadenssumme das Gesellschaftskapital übersteigt.

Gesellschaftskapital

Schon die Frage der Haftung zeigt, dass bei Personengesellschaften das Gesamtvermögen der Gesellschafter als Gesellschaftskapital definiert wird. Bei Kapitalgesellschaften hingegen gilt nur das Kapital der Gesellschaft, und nicht das Privatvermögen, als Gesellschaftskapital.

Der Gesetzgeber hat für die jeweiligen Kapitalgesellschaften Mindestgrenzen festgelegt. Diese Mindestgrenzen geben an, wieviel Geld mindestens vorhanden sein muss, um sich für eine der Rechtsformen der Kapitalgesellschaften zu entscheiden. Wieviel dies im Einzelfall ist, erfährst du später im Artikel.

Unternehmensleitung

Während die Personengesellschaften von einem Gesellschafter oder mehreren Gesellschaftern geleitet wird, werden Kapitalgesellschaften von besonderen Leitungsorganen, wie Vorstände oder die Geschäftsführung, geleitet. Hier gibt es meist einen Vorsitzenden, jedoch obliegt die Leitung dem Gesamtorgan.

Publizitäts- und Prüfungspflichten

Insbesondere größere Kapitalgesellschaften kommen um eines nicht herum: Den Jahresabschluss . Dieser muss nicht nur gemacht werden, sondern aufgrund der Publizitäts- und Prüfungspflicht auch von unabhängigen Instituten geprüft und im Anschluss im Bundesanzeiger und Handelsregister veröffentlicht werden.

Flexibilität der Änderung der Gesellschafterverhältnisse

Dieser Punkt ist entscheidend, wenn sich etwas innerhalb der Gesellschaft ändert. Beispielsweise wenn ein Gesellschafter aussteigt oder die Unternehmensform geändert werden soll.

Steuerbelastung

Während die Besteuerung des Gewinns von Personengesellschaften immer im Rahmen der Einkommenssteuererklärung erfolgt, erfolgt die Besteuerung bei Kapitalgesellschaften immer unabhängig. Bei Personengesellschaften kann etwa ein Verlust der Gesellschaft die Steuerbelastung des Ehepartners ausgleichen, da die Unternehmensform personenbezogen ist. Dies ist bei Kapitalgesellschaften nicht möglich, da hier die Gesellschaft als eigenständige juristische Person zu bewerten ist.

Auch im Steuersatz kann es zwischen den einzelnen Unternehmensformen zu erheblichen Unterschieden kommen.

Rechtsformen der Personengesellschaft

Innerhalb der Personengesellschaft unterscheidet man zwischen vier verschiedenen Rechtsformen:

  • Stille Gesellschaft
  • GbR
  • OHG
  • KG

Stille Gesellschaft

Die stille Gesellschaft nimmt eine Art Sonderstellung ein, da sie alleine nicht existieren kann. Es handelt sich um eine Gesellschaft die daraus entsteht, dass sich eine natürliche oder juristische Person an einem bereits bestehenden Unternehmen beteiligt. Dadurch ist auch kein Eintrag im Handelsregister notwendig. Es wird lediglich ein Vertrag aufgesetzt. Das investierte Kapital geht in das Eigenkapital des Unternehmens ein.

Für Unternehmen ist diese Gesellschaftsform sehr verlockend, da kein Anspruch auf die Geschäftsführung besteht. Der stille Gesellschafter haftet nicht mit seinem Privatvermögen und hat im Falle einer Insolvenz, genau wie jeder andere Gläubiger, Ansprüche.

GbR

Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) ist die einfachste Form der Personengesellschaft und definiert sich dadurch, dass sich mindestens zwei Gesellschafter zusammenschließen und ein gemeinsames Ziel verfolgen. Es handelt sich hierbei um eine reine Interessensgesellschaft, welche zumeist durch einen Vertrag gegründet wird. Dieser Vertrag kann mündlich geschlossen werden. Sicherer ist jedoch eine schriftliche Vereinbarung.

Laut Gesetz sind die einzelnen Gesellschafter der GbR nicht zur Vertretung der GbR berechtigt. Die Vertretung kann nur gemeinsam erfolgen. Vertraglich lassen sich jedoch diese Bedingungen individuell anpassen.

OHG

Die Offene Handelsgesellschaft (OHG) besteht aus mindestens zwei Gesellschaftern und erfordert eine Eintragung ins Handelsregister. Zwangläufig muss der Zusatz „Offene Handelsgesellschaft“ oder „OHG“ an den Unternehmensnamen angehängt werden.

Der Gesellschaftsvertrag der OHG ist, wie bei der GbR, formfrei, wird jedoch in der Regel verschriftlicht. Jedoch sind die Gesellschafter zu alleinigen Entscheidungen berechtigt. Einzige Ausnahme hierbei sind außergewöhnliche Geschäfte. Wie bei jeder Personengesellschaft ist die Haftung unbeschränkt, solidarisch und unmittelbar. Auch erfolgt eine Verlustbeteiligung der einzelnen Gesellschafter.

KG

Bei der Kommanditgesellschaft (KG) unterscheiden sich die Gesellschafter in zwei Formen:

  • Kommanditist
  • Komplementär

Der Komplementär hat die gleichen Rechte wie ein Gesellschafter in einer OHG, haftet jedoch auch uneingeschränkt mit seinem Privatvermögen. Der Kommanditist hingegen haftet lediglich mit seinen Geschäftsanteilen, zählt jedoch auch nicht zur Geschäftsführung oder Vertretung. Nur bei außergewöhnlichen Geschäften hat er ein Einspruchsrecht. Zur Gründung einer KG sind mindestens zwei Personen erforderlich.

Rechtsformen der Kapitalgesellschaft

Anders als bei Personengesellschaften ist bei der Gründung einer Kapitalgesellschaft ein Stammkapital notwendig. Wie hoch das ausfällt, richtet sich ganz nach der gewählten Rechtsform. Innerhalb der Kapitalgesellschaften gibt es folgende Rechtsformen:

  • GmbH
  • AG

GmbH

Die Gemeinschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) ist eine der am häufigsten gewählten Unternehmensformen. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass für die Gründung 25.000 Euro Stammkapital benötigt werden und nur ein Gesellschafter notwendig ist. Zur Gründung bedarf es eines notariell beurkundeten Vertrags und einer Eintragung ins Handelsregister.

Seit 2008 besteht auch die Möglichkeit, mit nur einem Euro eine sogenannte Mini-GmbH zu gründen. Dies klingt im ersten Moment charmant, da auch die Mini-GmbH zu den Kapitalgesellschaften gehört, man also nicht mit dem privaten Vermögen haftbar ist. Es gibt hierbei jedoch einen Haken: Bei der Mini-GmbH müssen pro Jahr mindestens 25 Prozent des Jahresüberschusses zurückgelegt werden, bis die Summe von 25.000 Euro erreicht ist. Sobald dies der Fall ist, kann sie in eine normale GmbH umgewandelt werden.

Innerhalb der GmbH gibt es neben dem Geschäftsführer auch eine Gesellschafterversammlung und, ab 500 Mitarbeitern, einen Aufsichtsrat.

AG

Die Aktiengesellschaft (AG) ist nach Unterschrift eines notariell beglaubigten Vertrags im Handelsregister eingetragen. Zur Gründung bedarf es nur einer Person und mindestens 50.000 Euro Grundkapital. Das Grundkapital muss bei der Gründung vollständig aufgebracht werden. Bei einer AG dürfen, wie der Name bereits vermuten lässt, Aktien ausgegeben werden.

Aktionäre sind mit dem Erwerb von Aktien auch Gesellschafter des Unternehmens, haben jedoch nur eingeschränkte Rechte. So hat man mit dem Kauf von Aktien zwar nicht das Recht, das Unternehmen zu führen, muss jedoch beispielsweise zur Hauptversammlung des Unternehmens eingeladen werden, darf bestimmte Punkte mitbestimmen und hat auch ein Recht auf Auskunftserteilung.

Freiberufler, Startup, Einzelunternehmer, Gewerbetreibender – Welche Rechtsform passt zu dir?

Die Wahl der Rechtsform ist eine der ersten und entscheidendsten, wenn du gründen möchtest oder freiberuflich arbeiten willst. Eine pauschale Aussage zu treffen, welche Rechtsform für dich die richtige ist, ist nicht möglich. Das hängt ganz davon ab, wie deine wirtschaftliche Situation ist, was deine Ziele sind und wie deine persönliche Situation aussieht.

Freiberufler

Wer freiberuflich arbeitet, kann dies als Einzelunternehmer tun. Hier entscheidest du selbst über die Geschicke deiner Firma, bist jedoch auch voll mit deinem privaten Vermögen haftbar. Solltest du also über genug Stammkapital verfügen, wäre die Gründung einer GmbH sicherlich ratsam, da du so ein geringeres persönliches Risiko eingehst.

Startup

Auch bei der Gründung eines Startups hast du die Wahl zwischen allen beschriebenen Rechtsformen. Einen Königsweg gibt es auch hier nicht. Vielmehr solltest du deine Entscheidung, welche Gesellschafts- und Rechtsform du wählst, von deiner jeweiligen Situation abhängig machen.

Einzelunternehmer

Einzelunternehmer gründen alleine. Insofern zählen auch Freiberufler zur Gruppe der Einzelunternehmer. Da es sich nur eine Person handelt, fallen alle Rechtsformen weg, zu deren Gründung es mindestens zwei Gesellschafter bedarf. Wer also nicht als Einzelunternehmer im rechtlichen Sinne starten will, sollte am besten als GmbH in den Markt eintreten.

Gewerbetreibender

Ähnlich dem Einzelunternehmer ist ein Gewerbetreibender häufig ein einzelner Kaufmann, der die Geschicke seines Unternehmens alleine steuert und als Einzelunternehmer agiert. Vorteil : Er kann frei entscheiden und ist niemandem Rechenschaft schuldig. Nachteil : Er ist voll haftbar.

Für risikofreudige Gründer ist ein Einzelunternehmen sicher eine feine Sache. Wer jedoch eher auf Sicherheit bedacht ist, der sollte in Erwägung ziehen, eine Kapitalgesellschaft zu gründen.

Fazit: Die richtige Unternehmensform finden

Du hast es sicherlich bemerkt: DIE richtige Rechtsform für die einzelnen Arten der Gründung gibt es nicht.

Wenn du vor der Frage stehst, welche Unternehmensform zu wählen solltest, stelle dir zunächst folgende Fragen:

  • Wie viele Gründer gibt es?
  • Wer soll in welchem Umfang das Unternehmen leiten?
  • Inwiefern will ich als Eigentümer persönlich mitarbeiten?
  • Wie viel Geld steht mir bei der Gründung zur Verfügung?
  • Will ich mit meinem Privatvermögen haften?

Wenn du diese Fragen für dich beantworten kannst, bist du der richtigen Wahl der Rechtsform für dein Unternehmen schon einen ganzen Schritt nähergekommen.