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Geringwertige Wirtschaftsgüter - Was ist das und wie schreibe ich sie ab?

Jedes Unternehmen und jeder Selbstständige hat sie: geringwertige Wirtschaftsgüter. Diese werden oft nicht als besonders wertvoll wahrgenommen, sind jedoch unerlässlich für den Unternehmenserfolg und haben in Summe auch zumeist einen Wert, der viele Arbeitgeber und Arbeitnehmer überraschen würde. Im heutigen Blogartikel erfährst du, was geringwertige Wirtschaftsgüter überhaupt sind, wie man diese abschreiben kann und auch, welche gesetzlichen Änderungen es in naher Zukunft geben wird.

Wirtschaftsgut vs. Freies Gut – Was ist der Unterschied?

Freie Güter werden von der Natur in ausreichender Menge zur Verfügung gestellt – hierzu zählt etwa Luft. Da Luft für jeden verfügbar ist, muss sie nicht bewirtschaftet werden und ist somit nicht Teil unseres Wirtschaftssystems. Aufgrund der immer stärker werdenden Industrialisierung in allen Bereichen unseres Lebens und aufgrund der zunehmenden Bevölkerung, gibt es allerdings immer weniger freie Güter. Selbst saubere Luft, die in einigen Teilen des asiatischen Raums verkauft wird, ist deshalb Teil des Wirtschaftssystems und wird dort somit zu einem Wirtschaftsgut. Womit wir bei den Wirtschaftsgütern wären. Wirtschaftsgüter werden als „knappe Güter“ bezeichnet, weil sie im Normalfall nicht wie freie Güter ausreichend vorhanden und frei verfügbar sind. Aus diesem Grund sind sie auch wichtiger Bestandteil unseres Wirtschaftssystems. Kurz gesagt: Wirtschaftsgüter sind, im Gegensatz zu freien Gütern, durch ihre Knappheit gekennzeichnet.

Wirtschaftsgüter – Was zählt alles dazu?

Innerhalb der Wirtschaftsgüter gibt es zwei Kategorien, die es zu unterscheiden gilt: materielle und immaterielle Güter.

Materielle Güter

Materielle Güter, oder auch Sachgüter, sind greifbar. Zu ihnen zählen Produktionsgüter und Konsumgüter. Die Produktionsgüter können weiter unterschieden werden in Potenzialfaktoren, also Investitionsgüter, und Repetierfaktoren, auch Werkstoffe genannt. Letztere werden in Roh-, Hilfs-, und Betriebsstoffe unterteilt. Auch die Konsumgüter kann man weiter unterteilen – in Gebrauchsgüter und Verbrauchsgüter.

Immaterielle Güter

Immaterielle Güter hingegen sind Wirtschaftsgüter, die man nicht anfassen kann. Hierzu gehören alle Formen von Dienstleistungen und Rechten. So zählt etwa ein Patent zu den immateriellen Gütern.

Definition: Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG)

Neben den Wirtschaftsgütern, die im oberen Abschnitt dieses Artikels definiert und unterteilt sind, gibt es noch die geringwertigen Wirtschaftsgüter. Wie diese definiert sind, hat der Staat im Einkommensteuergesetz definiert. Die genaue Definition ist in Paragraph 6 Absatz 2 des Einkommensteuergesetzes erläutert.

Geringwertige Wirtschaftsgüter zählen zum Anlagevermögen

Geringwertige Wirtschaftsgüter sind zum Anlagevermögen zu zählen. Sie sind somit auf der Aktiva Seite in der Bilanz zu finden. Das bedeutet gleichzeitig, dass sie dem Unternehmen dauerhaft dienlich sind, also längerfristig im Unternehmen verbleiben. Des Weiteren ist im Gesetzestext definiert, dass die geringwertigen Wirtschaftsgüter bewegliche und abnutzbare Wirtschaftsgüter sind. Sie zählen also zu den materiellen Gütern. Zudem müssen geringwertigen Wirtschaftsgüter gemäß der gesetzlichen Definition zu einer selbstständigen Nutzung fähig sein. Sie sind also keine Güter, die zur Weiterverarbeitung gebraucht werden können oder nur im Zusammenspiel mit weiteren Produkten funktionieren, sondern bereits fertige Produkte. Dazu zählen etwa Telefone, Werkzeuge und Möbel.

Nicht jedes fertige Produkt ist ein Wirtschaftsgut

Auch wenn man nach der obigen Definition glauben könnte, dass jedes fertige Produkt auch ein geringwertiges Wirtschaftsgut ist, ist das so nicht ganz richtig. Schauen wir uns das eben genannte Beispiel Werkzeuge an. Werkzeuge sind per se erst einmal fertige Produkte. Als solche wären sie als geringwertiges Wirtschaftsgut zu betrachten. Es kommt jedoch darauf an, ob dieses Werkzeug auch eigenständig genutzt werden kann. Denn genau das ist unter dem Punkt „selbstständige Nutzung“ als Bedingung genannt. Eine normale Zange ist somit durchaus als geringwertiges Wirtschaftsgut zu betrachten. Anders sieht es aus, wenn es sich um Spezialwerkzeug handelt. Sobald dies nur in Verbindung mit einem anderen Produkt, beispielsweise einer besonderen Maschine, genutzt werden kann, ist es kein geringwertiges Wirtschaftsgut mehr. Ein weiteres klassisches Beispiel für Wirtschaftsgüter, die zunächst so scheinen als wären sie geringwertig, es jedoch nicht sind, sind Monitore. Auch hier muss man schauen, ob diese für sich alleine einen Nutzen haben. In den meisten Fällen haben sie jedoch nur in Verbindung mit einem Rechner einen Nutzen. Da sie also nicht selbstständig nutzbar sind, zählen sie nicht zu den geringwertigen Wirtschaftsgütern. Anders verhält es sich mit sogenannten Desktop-PCs. Die Monitore, in denen der Rechner bereits integriert ist, funktionieren für sich und zählen somit zu den geringwertigen Wirtschaftsgütern.

Abschreibung von geringwertigen Wirtschaftsgütern

Doch wie schreibt man geringwertige Wirtschaftsgüter nun richtig ab? Das ist in Paragraph 7 des Einkommensteuergesetzes klar definiert. Entscheidend ist der Wert des jeweiligen geringwertigen Wirtschaftsgutes, das man abschreiben möchte.

Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) können als Abschreibungen in der Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) angegeben werden. Wenn du mehr zur EÜR erfahren möchtest, lies unseren Blog Artikel: Einnahmenüberschussrechnung - Die einfache Gewinnermittlung für Selbständige

Abschreibung von Wirtschaftsgütern mit einem Wert von bis zu 150 Euro

Wirtschaftsgüter mit einem Wert von bis zu 150 Euro kommen in vielen Unternehmen in großer Stückzahl vor. Bei solch günstigen Artikeln in großer Stückzahl jeweils nach den allgemeingültigen Abschreibungsregeln zu agieren ist sehr anstrengend und nimmt viel Zeit in Anspruch. Daher hat der Gesetzgeber die Möglichkeit geschaffen, das Prozedere einfacher zu gestalten. Genauer ist dies in Paragraph 6 Absatz 2a Satz 4 definiert. Hiernach können Güter, die einen Nettowert von 150 Euro nicht übersteigen, im Anschaffungs- respektive Herstellungsjahr direkt als Aufwand gebucht werden. Für die Bilanzierung bedeutet das, dass sie nicht dem Konto „geringwertige Wirtschaftsgüter“ zugeordnet werden, sondern einem anderen, passenden, Konto. Etwa den Konten „Büromaterial“ oder „Werkzeuge“. Diese müssen auch nicht im Verzeichnis aufgeführt werden. Anders verhält sich dies bei Anschaffungen von geringwertigen Wirtschaftsgütern mit einem Wert zwischen 150 Euro bis 410 Euro. GWG-Verzeichnis für Wirtschaftsgüter mit einem Wert zwischen 150 und 410 Euro Seit 2010 haben Unternehmer und Selbstständige die Möglichkeit, geringwertige Wirtschaftsgüter bis zu einem Wert von 410 Euro sofort abzuschreiben (als Alternative zum GWG-Sammelposten). Diese Wirtschaftsgüter müssen allerdings in einem Verzeichnis, dem sogenannten GWG-Verzeichnis, einzeln vermerkt werden. Wichtig hierbei ist, dass folgende Angaben aus dem Verzeichnis hervorgehen:

  • Tag der Anschaffung bzw. Herstellung
  • Kosten der Anschaffung bzw. Herstellung

Nur wenn diese beiden Angaben vorhanden sind, wurde alles richtig gemacht. Tipp: Dieses Verzeichnis muss nicht geführt werden, wenn die benötigten Informationen einfach und klar ersichtlich aus der Buchhaltung hervorgehen.

Abschreibung einzelner Wirtschaftsgüter mit einem Wert ab 150 Euro

Normalerweise beginnt die klassische Abschreibung über die betriebsgewöhnliche Dauer bei geringwertigen Wirtschaftsgütern ab einem Wert von 410 Euro. Um dies einfacher zu gestalten, ist es jedoch auch möglich, alle angeschafften oder hergestellten geringwertigen Wirtschaftsgüter mit einem Wert zwischen 150 Euro und 1000 Euro in einem Pool zusammenzufassen und die Summe dann am Jahresende über fünf Jahre abzuschreiben. Ob dies sinnvoll ist, lässt sich pauschal nicht sagen. Hier muss man von Fall zu Fall unterscheiden. Ein Beispiel, wann dieses Vorgehen Sinn ergibt: Wenn man viele Wirtschaftsgüter angeschafft hat, die im Normalfall über einen längeren Zeitraum als fünf Jahre abgeschrieben werden, dann eröffnet dieser Pool die Möglichkeit, diese schneller abzuschreiben.

Wirtschaftsgüter im Pool

Ein weiterer Vorteil, den Wirtschaftsgüter, die in den Sammelposten aufgenommen werden, mit sich bringen: In den Augen des Fiskus verlieren die einzelnen Wirtschaftsgüter im Pool an eigenständiger Existenz. Das heißt: Sollte ein Gerät aus dem Sammelposten defekt sein oder verkauft werden, so ändert sich nicht die Höhe des Pools. Dieser bleibt weiterhin genauso bestehen, wie er eingereicht wurde. Die klassische Abschreibung nach Nutzungsdauer beginnt allerdings erst ab einem Nettopreis des Pools von mindestens 1000 Euro.

Wirtschaftsgüter mit einem Wert von bis zu 1000 Euro

Im Gegensatz zum Pool, dessen Abschreibung gleichmäßig über fünf Jahre erfolgt, wird die Abschreibungsart von einzelnen Wirtschaftsgütern bis zu 1000 Euro immer für ein Jahr getroffen. Das ergibt gerade für die Güter Sinn, deren vorgeschriebene Nutzungsdauer unter fünf Jahren liegt.

Geringwertige Wirtschaftsgüter: Das wird sich ändern

Das Vorgehen zur Abschreibung von geringwertigen Wirtschaftsgütern wird in der zuvor dargestellten Form nur noch für das Steuerjahr 2017 bestehen. Ab dem Steuerjahr 2018 hat der Gesetzgeber Neuerungen angekündigt. Durften bis dato noch geringwertige Güter mit einem Nettowert von bis zu 410 Euro in voller Höhe im Jahr der Anschaffung beziehungsweise Herstellung abgeschrieben werden, so soll sich diese Wertgrenze zukünftig erhöhen. Im Steuerjahr 2018 soll die Grenze auf 800 Euro steigen. Welche Auswirkungen dies auf die Sammelposten-Regelung hat, ist bisher noch offen. Auch das GWG-Verzeichnis ist von den Änderungen im Steuerjahr 2018 betroffen. Liegt hier die Untergrenze im Moment noch bei den oben genannten 150 Euro, so wird diese in Zukunft bei 250 Euro liegen.

Geringwertige Wirtschaftsgüter – Viele Regeln, die man kennen sollte

Die Abschreibung von geringwertigen Wirtschaftsgütern ist nicht ganz so einfach, aber auch kein Hexenwerk. Es gibt viele Regelungen und Ausnahmen, mit denen man sich jedoch mit Blick auf die Steuer durchaus auseinandersetzen sollte. Und trotz aller Regeln, gibt es auch viel Positives: Etwa, dass die Abschreibungsart der geringwertigen Wirtschaftsgüter frei bestimmt werden darf. Auch die Option, geringwertige Wirtschaftsgüter in einem Pool zusammenzufassen und dann gesammelt über fünf Jahre abzuschreiben, kann durchaus sinnvoll sein. Von dieser Vorgehensweise profitieren insbesondere Unternehmen, die viele Posten mit einer längeren Nutzungsdauer – mehr als fünf Jahre – angeschafft haben. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie der Gesetzgeber zukünftig zu den Sammelpools stehen wird. Hierzu gibt es zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Informationen. Die Möglichkeit zu entscheiden, ob man die geringwertigen Wirtschaftsgüter im Pool oder für sich alleine abschreiben möchte, ist ein Luxus, der sicherlich für viele Unternehmer auch in Zukunft wünschenswert wäre, den Prozess jedoch auch verkomplizieren kann. Auch die angekündigte Anpassung der Grenzen ist durchaus sinnvoll und überfällig. Es bleibt die Hoffnung, dass der Prozess hierdurch noch weiter vereinfacht wird und es Unternehmern dadurch ermöglicht wird, sich auf das Wichtigste zu konzentrieren: Das Tagesgeschäft.