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SelbststÀndig in der Pflege - mit diesen Tipps richtig durchstarten!

Weniger Überstunden, mehr Gehalt, freie Zeiteinteilung, FlexibilitĂ€t und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf: es gibt zahlreiche GrĂŒnde, warum sich viele PflegekrĂ€fte zunehmend selbststĂ€ndig in der Pflege machen. Doch wie macht man sich selbststĂ€ndig und welche Voraussetzungen mĂŒssen dafĂŒr erfĂŒllt werden? Wir haben die wichtigsten Fakten zusammengetragen und geben Tipps, wie der Start in die SelbststĂ€ndigkeit in Pflegeberufen gelingen kann.

Der Pflegeberuf - Job mit Herz

FĂŒr viele Menschen gewinnt die soziale Komponente fĂŒr ihr Berufsideal zunehmend an Bedeutung : neben dem Gelderwerb möchten viele Menschen auch etwas Sinnvolles fĂŒr sich und fĂŒr Andere tun (siehe hierzu auch unser Blog Artikel Selbststaendig machen im sozialen Bereich ). Auch wĂŒnschen sich viele ein Leben, das sich ihren persönlichen und individuellen WĂŒnschen anpasst. Sie wĂŒnschen sich mehr Zeit fĂŒr die Familie, fĂŒr Freunde, fĂŒr eine bessere und sozialere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. So wundert es nicht, dass sich auch immer mehr Menschen in den sozialen Bereichen selbststĂ€ndig machen, so auch in den Pflegeberufen.

Der Bedarf an Pflege steigt

Ende 2015 zĂ€hlte das Statistische Bundesamt rund 2,9 Millionen pflegebedĂŒrftige Menschen, Tendenz steigend. Die Gesundheitsversorgung verbessert sich stetig. Die Bevölkerung altert. Der demographische Wandel prĂ€gt nicht nur unsere Gesellschaft sondern stellt auch hohe Anforderungen, insbesondere an die Pflegeberufe und ihre dazugehörigen Ausbildungen.

Mit dem neuen Pflegeberufegesetz , das im Juli 2017 verkĂŒndet wurde, setzte die Regierung den Grundstein fĂŒr eine zukunftsfĂ€hige und qualitativ hochwertige Pflegeausbildung fĂŒr die Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege. Das Gesetz tritt nach und nach in Kraft und wird ab dem 1. Januar 2020 das Alten- und Krankenpflegegesetz ablösen.

Laut Statistischem Bundesamt , wird der ĂŒberwiegende Teil der PflegebedĂŒrftigen zu Hause versorgt und das mehrheitlich durch Angehörige. GegenĂŒber 2013 hat die ambulante Versorgung um 12% zugenommen. Zum Vergleich: Die teil- oder vollstationĂ€re Versorgung verzeichnet ein Wachstum um 4%.

Der steigende Anteil von Pflegenden wirkt sich natĂŒrlich auch auf die Nachfrage an Personal aus. Die ambulante Pflege wird auch zukĂŒnftig einen großen Bereich ausmachen und einen hohen Bedarf an Personal stellen. Die Chance fĂŒr die, die sich in ihrem Pflegeberuf selbststĂ€ndig machen wollen.

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Welche Pflegeberufe gibt es?

Zu den Pflegeberufen gehören:

  • Altenpfleger/in
  • Gesundheits- und Krankenpfleger/in (frĂŒher „Krankenschwester“)
  • Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/in
  • Heilerziehungspfleger/in
  • Heilerzieher/in
  • Sozialassistent/in (Der Beruf Sozialassistent/in ist kein klassischer Pflegeberuf, sondern vielmehr eine Vorstufe davon.)

Mit dem neuen Pflegeberufegesetz erfahren die Berufe Altenpfleger/in, Gesundheits- und (Kinder-) Krankenpfleger/in eine generalisierte Ausbildung. Die Spezialisierung in eines der Fachgebiete erfolgt erst am Ende der Ausbildung.

Wer sich nach der Ausbildung akademisch fortbilden möchte, kann folgende Berufe mit Studienabschluss wÀhlen:

  • Pflegemanagement
  • PflegepĂ€dagogik

Wer selbststĂ€ndig in der Pflege sein möchte, kann das mit allen genannten Berufen tun. Aber nicht nur PflegefachkrĂ€fte können sich selbststĂ€ndig machen, sondern auch fĂŒr Pflegehelfer/innen, die es fĂŒr alle Fachbereiche gibt, ist das problemlos möglich.

Warum solltest du dich selbststÀndig in der Pflege machen?

Stress, Überstunden, schlechte Bezahlung, Schichtdienste und wenig FreirĂ€ume. Ob in KrankenhĂ€usern, Tageskliniken oder anderen sozialen und pflegenden Einrichtungen, der Pflegeberuf ist personell unterbesetzt, was sich oftmals auch auf den (Arbeits-) Alltag der Angestellten auswirkt. Wenn wegen Krankheit und anderen AusfĂ€llen Personalnot herrscht, dann mĂŒssen sich PflegekrĂ€fte schnell und gut organisieren. Dann muss kurzfristig, die Oma einspringen und das Kind vom Kindergarten holen, der Urlaub verschoben oder FreizeitaktivitĂ€ten vernachlĂ€ssigt werden. Hinzu kommt die körperliche und psychische Belastung, die mit sozialen und pflegenden Berufen permanent einhergeht.

Der Druck und die Belastung sind immer prĂ€sent. Auch mit einer SelbststĂ€ndigkeit werden diese nicht verhindert, dennoch lĂ€sst sich hier individueller planen. Arbeitszeiten können unabhĂ€ngiger gestaltet werden. Auch entscheidet der oder die SelbststĂ€ndige selbst, ĂŒber den gewĂŒnschten Arbeitsort. Geteilte Dienste fallen weg. Wochenend- und Feiertagsdienste sind nicht mehr verpflichtend sondern beruhen auf Vereinbarung. Hinzu kommt eine bessere und faire Bezahlung.

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Zufriedene PflegekrÀfte - gesunde Patienten

Nicht nur das Pflegepersonal profitiert von der SelbststĂ€ndigkeit des Pflegepersonals. Auch fĂŒr die Patienten ist die neue Arbeitsform ein Zugewinn. Da die PflegekrĂ€fte unabhĂ€ngig von Pflegediensten oder anderen Einrichtungen agieren, können beispielsweise bei der ambulanten Pflege die Pflegezeiten besser mit Patienten und Angehörigen abgestimmt werden. Außerdem gibt es keine (hĂ€ufigen) Personalwechsel der FachkrĂ€fte. Die Betreuung von einer Person stĂ€rkt das VertrauensverhĂ€ltnis und gibt der pflegebedĂŒrftigen Person StabilitĂ€t und Sicherheit in ihrer Betreuung.

Wie machst du dich selbststÀndig in der Pflege?

Grundvoraussetzung fĂŒr die SelbststĂ€ndigkeit in einem Pflegeberuf ist eine entsprechende Ausbildung. Wer SelbststĂ€ndig in der Pflege ohne Ausbildung sein möchte, hat formal keine Chance. Abgesehen davon, dass es sich hier um einen Berufszweig handelt, der teils medizinische HintergrĂŒnde beinhaltet und sich durch eine hohe Verantwortung, insbesondere fĂŒr Menschen, auszeichnet, verhindern allein schon die gesetzlichen Regelungen, in diesem Berufszweig ohne entsprechende Ausbildung Fuß zu fassen.

Was brauchst du fĂŒr die Aufnahme zur SelbststĂ€ndigkeit?

Die aufzunehmende freiberufliche TĂ€tigkeit muss beim Finanzamt angemeldet werden. Daraufhin bekommst du deine (neue) Steuernummer zugewiesen.

Pflegeberufe gehören zu den freien Berufen und sind somit laut §2 des Gewerbesteuergesetzes nicht gewerbesteuerpflichtig. Freiberufler/innen mĂŒssen kein Gewerbe anmelden.

FĂŒr SelbststĂ€ndige in Pflegeberufen ist es notwendig dem Landesrahmenvertrag beizutreten und einen so genannten Versorgungsvertrag und eine VergĂŒtungsvereinbarung mit den Krankenkassen-LandesverbĂ€nden abzuschließen. Die Pflegekassen arbeiten mit Strukturerhebungsbögen (erhĂ€ltlich bei der zustĂ€ndigen Kranken-und Pflegekasse), denen entsprechende Anlagen beizulegen sind, damit sie die Aufnahme adĂ€quat prĂŒfen können.

Dem Strukturerhebungsbogen beizulegen sind:

  • FĂŒhrungszeugnis
  • Erlaubnis zur Berufsbezeichnung
  • Nachweis ausreichender Berufserfahrung (in der Regel zwei Jahre in den letzten fĂŒnf Jahren)
  • erfolgreicher Abschluss einer 460-Stunden-Weiterbildungsmaßnahme
  • ein Pflegekonzeption
  • Nachweis einer ausreichenden Betriebshaftpflichtversicherung

Viele BundeslĂ€nder verlangen außerdem die Anmeldung beim Gesundheitsamt. Wer selbststĂ€ndig in der Pflege sein will, muss sich außerdem bei der Berufsgenossenschaft anmelden und zwar konkret bei der Berufsgenossenschaft fĂŒr Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege.

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SelbststÀndig in stationÀren Pflegeeinrichtungen

Wenn Kliniken und Pflegeheime ĂŒberlastet sind und unter Personalmangel leiden, kommt es nicht selten vor, dass sie kurzzeitig auf selbststĂ€ndige PflegekrĂ€fte zurĂŒckgreifen. Hierbei ist es wichtig dass der/die SelbststĂ€ndig/e etwa drei Monate vor Aufnahme der TĂ€tigkeit einen Versorgungsvertrag, eine VergĂŒtungsvereinbarung und eine Vereinbarung ĂŒber die Leistungs- und QualitĂ€tsmerkmale mit den LandesverbĂ€nden der Pflegekassen und den ĂŒberörtlichen TrĂ€gern der Sozialhilfe abschließt.

Auch hier verlangen die Pflegekassen wieder die Abgabe eines Strukturerhebungsbogens, nebst Anlagen. Neben den bereits oben aufgefĂŒhrten Anlagen fĂŒr die ambulante Pflege, wird zusĂ€tzlich eine Raumkonzeption gefordert. Gegebenenfalls sind eine Leistungs-/ PreisĂŒbersicht ĂŒber Zusatzleistungen beizufĂŒgen.

Tipp: Achtung bei ScheinselbststĂ€ndigkeit! Bietest du deine Pflegeleistung im ambulanten Bereich nur einer Pflegeperson an oder arbeitest stationĂ€r nur fĂŒr einen Auftraggeber/ Pflegedienst, besteht die Gefahr der ScheinselbststĂ€ndigkeit.

Was brauchst du fĂŒr die Steuer?

Freiberufler/innen sind zwar nicht gewerbetreibend aber einkommenssteuerpflichtig, das gilt auch fĂŒr Pflegeberufe. FĂŒr die jĂ€hrliche SteuererklĂ€rung reicht eine einfache Einnahme-Überschussrechnung (EÜR). Auch wenn sĂ€mtliche Leistungen in Pflegeberufen nicht umsatzsteuerpflichtig sind (Hinweis auf Paragraf 4 Nr. 14 sollte immer auf den Rechnungen angegeben werden) verlangt das Finanzamt trotzdem eine UmsatzsteuererklĂ€rung zum Mantelbogen und der EÜR, in der die Befreiung ersichtlich wird.

Ob deine Leistung als freiberuflich oder gewerbetreibend eingeordnet wird, entscheidet allein das Finanzamt, denn insbesondere in den Pflegeberufen werden verschiedene Leistungsangebote miteinander kombiniert. So treten oft pflegende und betreuende Dienstleistungen zusammen mit Wellness-Angeboten (z.B. Massagen) auf. Auch hauswirtschaftliche TĂ€tigkeiten werden vom Finanzamt als gewerblich eingeordnet. Wer sein Leistungsspektrum also mit Blick auf die WĂŒnsche seiner Patienten erweitern möchte, kommt ggf. an einer Gewerbeanmeldung nicht vorbei.

Risiken abwÀgen - Kunden finden

Wer sich selbststĂ€ndig macht, macht sich nicht nur unabhĂ€ngig von Auftraggebern, sondern trĂ€gt auch die mit dem Beruf verbundenen Risiken und organisatorischen Aufgaben allein: AuftrĂ€ge generieren, abschließen und schließlich auch (mit den Krankenkassen) abrechnen. Auch um das gesamte Rechnungswesen, inklusive Kontrolle der ZahlungseingĂ€nge, mĂŒssen sich SelbststĂ€ndige selbst kĂŒmmern. Wer sich selbststĂ€ndig in der Pflege machen will, sollte beachten, dass neben den beruflichen Fachkenntnissen auch immer kaufmĂ€nnisches Know-How gefordert ist.

Die Kunden- bzw. Patientenakquise ist dabei sicherlich der schwierigste Part, sogleich auch der Bedeutendste. Ein gutes auf Pflege und Betreuung ausgerichtetes Netzwerk kann besonders in der Startphase sehr hilfreich sein. Wer darauf (noch) nicht zurĂŒckgreifen kann, kann sich UnterstĂŒtzung in Form von Vermittlungsagenturen holen. Diese Online-Plattformen fĂŒhren Einrichtungen mit personellen EngpĂ€ssen und potentielles Pflegepersonal zusammen. FĂŒr Menschen mit weniger kaufmĂ€nnischen Vorkenntnissen, die sich dennoch selbststĂ€ndig machen wollen, ist das möglicherweise der ideale Einstieg. Denn vielmals wird auf Wunsch auch das Erstellen von DienstleistungsvertrĂ€gen oder Rechnungen ĂŒbernommen.

Tipp: Mach dich sichtbar! Mit einer eigenen Webseite oder einem Facebook-Profil erhöhst du deine Chancen als SelbststĂ€ndige/r wahrgenommen zu werden. Die beste Werbung ist natĂŒrlich die persönliche Weiterempfehlung von Kunden und Kundinnen. Bis es aber soweit ist, hilft eine digitale PrĂ€sentation ĂŒber deine Expertise, Erfahrungsberichte, dein sympathisches und an den WĂŒnschen der Patienten ausgerichtetes Auftreten.

SelbststĂ€ndig in der Pflege - Ist das was fĂŒr dich?

Angesichts des demographischen Wandels und dem damit verbundenen steigenden Pflegebedarf, sieht es fĂŒr ausgebildetes Pflegepersonal erstmal nicht schlecht aus. Die StrukturverĂ€nderungen der Pflegesysteme und Einrichtungen, die Digitalisierung und der Wandel von Kommunikationsformen stellen die Weichen fĂŒr das selbststĂ€ndige Arbeiten im Pflegeberuf.

Der Weg in die SelbststÀndigkeit ist mit vielen positiven Faktoren verbunden: flexiblere und individuellere Arbeitszeiten, Autonomiegewinn, mehr LebensqualitÀt, höhere Verdienstmöglichkeiten und mehr WertschÀtzung.

SelbststĂ€ndig in der Pflege sein, bedeutet aber auch sich eigenstĂ€ndig um jedes Detail zu kĂŒmmern und insbesondere um die Dinge, die nichts direkt mit dem Patienten zu tun haben, wie Kundenakquise, VertrĂ€ge erstellen, Abrechnungen machen usw. Hier ist kaufmĂ€nnisches Know-How gefragt.

Sofern dir das alles noch etwas viel Papierkram ist könntest du auch darĂŒber nachdenken dich neben deiner Anstellung nebenberuflich selbststĂ€ndig zu machen. So kannst du unter Einsatz von wenig Risiko dein Netzwerk ausbauen und dir die richtige Nische in deinem Pflegeberuf suchen.