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Wie du als Handwerker in die Selbstständigkeit startest

Gute Gründe dafür, sich als Handwerker selbstständig zu machen, haben wir ja schon hier erörtert. Nun geht es ans Eingemachte: Welche Regularien gibt es? Was musst du beachten? Kannst du gefördert werden? Welche Qualifikationen musst du mitbringen? Diese und weitere Fragen werden nun beantwortet. 

Die Pflicht zum Meistertitel – wo sie greift und welche Möglichkeiten es noch gibt

In Deutschland wird bei selbstständigen Handwerksbetrieben zwischen zulassungspflichtigen, zulassungsfreien und handwerksähnlichen Berufen unterschieden. Die erste Gruppe ist die, in der ein Meistertitel in der Regel Voraussetzung dafür ist, sich selbstständig machen zu können. 

Der Hintergrund ist dieser, dass bei den sogenannten zulassungspflichtigen Berufen ein besonderes Maß an Ausbildung nötig und ein höheres Gefahrenpotenzial vorhanden ist. Beispiele sind unter anderem: 

- Dachdecker

- Tischler

- Seiler

- Bäcker

Eine vollständige Auflistung dieser Berufe findest du in der Anlage A der Handwerksordnung. 

Die zulassungsfreien und die handwerksähnlichen Berufe finden sich vollständig aufgelistet in den Anlagen B1 und B2. Unter den zulassungsfreien Berufen sind etwa:

- Gold- und Silberschmiede

- MaĂźschneider

- Geigenbauer

- Bestatter

Unter den handwerksähnlichen Berufen findest du unter anderem:

- Fahrzeugverwerter

- BĂĽrsten- und Pinselmacher

- Gerber

- Requisiteur

Du musst also, insofern du dir unsicher bist, zuerst einmal herausfinden, worunter dein erlerntes Handwerk fällt. Insgesamt ist es aber, trotz der Kosten und des Zeitaufwandes, immer ratsam, einen Meistertitel zu haben, wenn man sich im Handwerk selbstständig macht. Schließlich gilt er als Qualitätsmerkmal und kann daher werbend wirken.

Bei den sogenannten zulassungspflichtigen Berufen wird in der Regel also ein Meistertitel vorausgesetzt, wenn du dich selbstständig machen möchtest. Es gibt aber zwei Möglichkeiten, wie du dich auch ohne Meistertitel selbstständig machen kannst:

- Du stellst einen Meisterbrief fĂĽhrenden Handwerker als Betriebsleiter ein

- Die Altgesellenregelung greift. Du musst mindestens sechs Jahre Berufserfahrung haben, davon vier in leitender Postion

Diese Altgesellenregelung gelten allerdings nicht fĂĽr folgende Berufe:

- Augenoptiker

- Hörgeräteakustiker

- Orthopädietechniker

- Orthopädieschuhmacher

- Schornsteinfeger

- Zahntechniker

Du siehst: Im medizinischen Bereich und beim Schornsteinfeger wird vorausgesetzt, dass der höchstmögliche Qualitätsstandard im Handwerk gewahrt wird. Bei anderen Handwerksberufen macht sich ein Meistertitel gut, bei anderen ist für die Selbstständigkeit nicht zwingend notwendig. 

Sich als Handwerker selbständig machen: Erste Schritte

Im letzten Beitrag wurde besprochen, dass ein gewisses Mindset vonnöten ist, um sich selbstständig zu machen. Die Beschäftigung mit Einnahmen und Ausgaben, mit deiner Finanzplanung sowie mit administrativen Tätigkeiten gehört zum Berufsbild jedes Selbstständigen. 

Zu den ersten Schritten gehört deshalb auch ein Business-Plan. Was dort unter anderem hineingehört, erfährst du hier. Wichtig ist, dass er eine Marktanalyse, eine Einnahmen- und Ausgabenschätzung sowie Finanzierungspläne für anzuschaffenden Material erhält. Aus ihm sollte auch hervorgehen, wie du deinen Dienst anbieten und ausführen möchtest und wer deine Kunden sein werden. 

Der Business-Plan ist zweierlei: Eine Art Kontrollinstrument für dich, das einen groben Rahmen für den Aufbau deines Unternehmens liefert. Und zum anderen ist fast immer obligatorisch, wenn du Gründerkredite oder sonstige Finanzierungen benötigst. 

Das eigentliche Gründen deines Handwerkbetriebes ist eine Abfolge von bürokratischen Einzelschritte. Dinge, die du zwingend tun musst, um deine Selbstständigkeit zu starten, sind:

- Anmeldung beim Gewerbeamt (wo du dann auch den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung erhältst, der einen Grundstein deines anerkannten Gewerbes legt)

- Mitgliedschaft in der örtlichen Handwerkskammer beantragen

- Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft

- Bei Gründung einer UG, OHG, GmbH oder bei Aktivität als Kaufmann: Anmeldung um Handelsregister

Weiterhin musst du, insofern du Angestellte hast oder haben wirst, eine Betriebsnummer beim Arbeitsamt nach Anmeldung deines Gewerbes bestellen. Angestellte sind unter anderem der Krankenkasse zu melden. 

Versicherungen für selbstständige Handwerker

Als selbstständig arbeitender Handwerker mit Gewerbe brauchst du bestimmte Versicherungen. Zu nennen sind zuerst einmal die Sozialversicherungen, allen voran die Kranken- und Pflegeversicherung. 

Bei Selbstständigen sind die Kosten hierfür ganz andere und orientieren sich an deinen Einkünften. Du kannst dich entweder freiwillig gesetzlich versichern oder eine private Krankenversicherung abschließen. Beides hat Vor- und Nachteile. In jedem Falle musst du deiner bisherigen Krankenversicherung allerdings deine neue Tätigkeit mitteilen und auch eine Schätzung deiner Einkünfte (Gewinne) abgeben. Anhand dieser werden die Versicherungsbeiträge berechnet. Bei privaten Krankenkassen sind die Tarife sehr viel individueller. Die Pflegeversicherung kann als Teil der Krankenversicherung laufen. Auch eine private zusätzliche Pflegeversicherung kann abgeschlossen werden. Ob du dies möchtest, ist dir überlassen. 

Wichtig ist bei Handwerkern aus naheliegenden Gründen auch Unfallversicherung. Viele Berufsgenossenschaften (einer wirst du beitreten) verpflichten dich ohnehin zu so einer Versicherung. Sinnvoll ist sie aber auch ohne Verpflichtung, denn Arbeitsunfälle passieren. Du solltest für diese Fälle eine Vorsorge haben. Das gleiche gilt für eventuelle Mitarbeiter. 

Ebenfalls als unverzichtbar gilt die Berufsunfähigkeitsversicherung. Sie greift, wenn du deine Tätigkeit nicht mehr ausüben kannst. Das ist nicht wünschenswert, aber für diesen Fall eine Versicherung zu haben, hat schon vielen Handwerkern die Existenz gesichert. 

Zu nennen ist auch noch die betriebliche Haftpflichtversicherung. Sie greift, wenn deine Tätigkeit zu Schäden führt. Da Schäden durch Fehler im Handwerk oftmals teuer sind, ist diese Versicherung ihr Geld definitiv wert. Dennoch ist Vorsicht am Bau natürlich ratsamer. 

Weiterhin sind unter Umständen eine Rechtsschutzversicherung sowie eine Geschäftsinhaltversicherung sinnvoll. Auch bezüglich der Versicherungen, die ein Handwerker haben sollte, gibt es gute Ratschläge bei Kollegen oder bei der Handwerkskammer.

Die Rentenversicherung ist bei Selbstständigen eine Thema für sich. Gehst du einem zulassungspflichtigen Handwerk nach, wirst du in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert. Bei anderen Handwerksberufen gilt dies nicht. Du kannst dich aber freiwillig versichern lassen. Selbstständige, die nicht pflichtversichert sind, haben eine ganze Reihe von Möglichkeiten, sich anderweitig finanziell für ihren Ruhestand abzusichern. 

Darunter sind private Versicherungen, das Anhäufen von Kapital in Gütern und Wertpapieren, Immobilien und vieles mehr. Grundsätzlich ist es ratsam, Geld nicht einfach nur anzusammeln, sondern es auch zu vermehren. Diese Möglichkeiten hast du natürlich auch zusätzlich, wenn du pflichtversichert bist. Im Idealfall inspiriert dich dein Rentenbescheid ja dazu, zusätzlich privat vorzusorgen. 

Insgesamt sind Versicherungen und insbesondere die Altersvorsorge Teile deiner Finanzplanung. Zurückgelegte Beträge sollten zudem mit wachsenden Gewinnen größer werden. Nicht unterschätzen solltest du die Lücke, die zwischen deinem Lebensstandard mitten im Beruf mit gutem Einkommen und deiner gesetzlichen Rente bestehen kann. 

Die Steuern als selbstständiger Handwerker

Als Handwerker mit eigenem Unternehmen verändert sich die Art und Weise, wie du dem Fiskus einen Teil deines verdienten Geldes überlässt. So ist die Einkommensteuererklärung, welche du als Angestellter nicht einmal machen musstest, aufgeteilt in verschiedene Anlagen. Wichtig ist zuerst einmal zweierlei:

- Die Umsatzsteuer ist ein durchlaufender Posten. Kalkuliere mit Netto-Preisen

- Sonstige Steuern, also Gewerbe- und Einkommensteuer, sind abhängig vom Gewinn.

Die Steuern musst du unterjährig bereits zurücklegen, da du sie selbst abführen musst. Dies kann, je nach Gewerbegröße und Umsatz, jährlich, vierteljährlich oder monatlich (bei der Umsatzsteuer) sein. Die Gewerbesteuer wird in der Regel quartalsweise fällig. 

Es ist sinnvoll, mit einem Steuerberater darüber zu sprechen, wie viel du bei deinen zu erwartenden Einnahmen zurücklegen solltest. Schließlich sind hohe Steuernachzahlungen alles andere als angenehm. 

Außerdem bedeutet Selbstständigkeit auch, dass du dich damit befassen musst, was denn alles steuerlich absetzbar ist. Bei den sogenannten Betriebsausgaben, die direkt mit deinen Einnahmen verrechnet werden, sind dies natürlich Arbeitsmaterial, Fahrzeugkosten, Mieten und so weiter. Auch Mitarbeiter kosten Geld, genau wie Versicherungen und Fortbildungen. Nach und nach wirst du herausfinden, dass jede Rechnung wertvoll ist und ein Steuerberater dir hier viel Arbeit abnehmen kann. 

Das Finanzamt freut sich natürlich über jeden Euro, den du überweisen sollst. Umso wichtiger ist für dich und deinen Gewinn, dass du deine Buchführung sauber führst, Nachweise behältst und alles Absetzbare auch absetzt. So sorgst du dafür, dass alles mit rechten Dingen zugeht und Ärger vermieden wird. Gleichzeitig ermöglicht es dir eine gute Buchführung, Kostenfallen und Unrentables gut ausfindig zu machen. 

Mit dem Handwerksbetrieb durchstarten!

Du hast dich angemeldet, vielleicht sogar Kapital besorgt, das Material ist da und du bist stolzer Besitzer deines eigenen Betriebes. Du hast eine grobe Idee davon, wie deine Arbeit sich finanziell ausgeht. Investitionspläne stehen und du bist motiviert! Und was nun?

Nun, das hängt sehr von deiner Ausgangslage ab. Wichtig ist es zuerst einmal, erste Kunden zu haben. Wenn du bereits welche hast oder als angestellter Handwerker Stammkunden hattest, sind das die richtigen Anlaufstellen. Teile diesen Leuten einfach mit, dass du dich selbstständig gemacht hast. 

Zudem kannst du als Handwerker auch Werbung machen. Da Handwerker meistens in ihrer Umgebung arbeiten, sind beispielsweise Anzeigen in lokalen Zeitungen durchaus sinnvoll. Auch Flyer, Visitenkarten und eine Website sind sinnvoll. 

Die beste Werbung für Handwerker ist natürlich gute Arbeit. Mund-Propaganda ist effektiv, kostet dich nichts und lebt vom Menscheln. Bei deinen Kunden Zufriedenheit zu hinterlassen, ist also eine gute Maßnahme, um mehr Kunden zu bekommen. Auch hier gilt: Hinterlasse im Zweifel einfach noch einen Flyer oder eine Visitenkarte. 

Neben der Notwendigkeit, Kunden zu gewinnen und erste Aufträge anzunehmen, musst du dich zu Beginn deiner Gründung aber auch mit verschiedenen Dingen vertraut machen. Beispielsweise musst du deinen Stundenlohn kalkulieren, deine Buchführung kennen lernen und dich an selbstständiges Arbeiten gewöhnen. 

Dass du als Handwerker gründen möchtest, ist aber in jedem Falle ein guter Schritt. Jede Gründung eines Handwerkbetriebes bietet nämlich das Potenzial, dass der Gründer seiner Tätigkeit wirklich mit Leidenschaft und selbstbestimmt nachgeht. Und wenn das Unternehmen schließlich wächst, dann kann es nicht nur anderen Handwerkern Arbeit verschaffen und zu mehr Erfolg führen. Es kann auch zu einer richtigen Größe in seinem Bereich heranreifen. 

Und auch, wenn du planst, als Solo-Unternehmer im Handwerk durchzustarten, ist die Gründung das Richtige. Denn wenn du gründest, um wirklich nach deinen Vorstellungen und deinen Vorlieben entsprechend zu arbeiten, steht einem erfüllten und fordernden Berufsleben nichts im Wege. 

Wichtig ist es, anzufangen. Die Berufserfahrung hast du als Handwerker, der in die Selbstständigkeit möchte ja. Der Rest sind Bürokratie, Eigenverantwortung und eine gute Portion Fleiß. 

Do your thing, not your taxes