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Kontaktlos glücklich - viele Freelancer würden gern auf Bargeld verzichten

In der vergangenen Woche war ich mal wieder beim Discounter meines Vertrauens. Also der gelbe mit den vier Buchstaben. An der Kasse bot sich dann folgendes Bild. Vor mir eine ältere Dame, die etwas unsicher in ihrem Portemonnaie nach den passenden Münzen suchte. Direkt dahinter ein junger Mann, Mittzwanziger. Kopfhörer, geistesabwesend. In der linken Hand das Smartphone, in der rechten Hand eine Einkaufstüte, unter den Armen eingeklemmt hielt er seine Geldbörse. Du ahnst vermutlich schon, was jetzt passiert. Richtig: Das Portemonnaie fällt runter, Münzen und Girokarte liegen auf dem Boden. Die Kundin hinter mir, Mutter mit zwei Kindern verdreht die Augen, ist sichtlich genervt. Immerhin: der junge Mann vor mir zahlte dann wenigstens mit der Karte und musste seine Münzen nicht mehr abzählen. Ich vermute die ganze Aktion vor mir dauerte rund fünf Minuten, dann war ich an der Reihe: Drei Teile, kontaktlos mit meiner Mastercard bezahlt, Kassenbon bekommen. Das dauerte nicht einmal zehn Sekunden. Auf dem Parkplatz kam ich dann kurz mit David ins Gespräch. Der Grund für seine Hektik war schnell klar: Er und seine Freundin haben sich erst Anfang März mit einem Bagel-Shop selbstständig gemacht. Für die beiden war es ein Lebenstraum, denn sie lieben die Gastronomie, wollten beruflich unabhängig sein und zusammen arbeiten.

Bargeldlogistik: Problematisch für Selbstständige

Über das Thema Bezahlen hatte sich David aber nicht viele Gedanken gemacht. „Die meisten Leute hier in Deutschland zahlen ja sowieso alles bar, vor allem kleine Beträge“, sagt er etwas resigniert. „Du doch auch“, antwortete ich. „Aber nicht weil ich will. Meine Bank bietet mir gar nicht die Möglichkeit, mit meinem Smartphone zu bezahlen. Nicht mal meine Girokarte hat eine Kontaktlosfunktion“. Was für ihn persönlich nur lästig ist, wird in seinem Laden aber zum echten Problem. Es muss ständig Wechselgeld in der Kasse sein, das Geld wird per Sicherheitsdienst transportiert, die Kasse muss täglich abgerechnet werden. Risiko von Diebstahl und Überfällen. Und nicht zuletzt auch die Wartezeiten an der Kasse, die von seinem Umsatz abgehen und weshalb er weniger Zeit für den Kundenservice hat. Aber wie geht es eigentlich anderen Selbstständigen und Freelancern in Europa? Ist Bargeld dort auch so ein großes Thema oder setzt man eher auf andere Zahlmethoden? Um einen Einblick zu gewinnen, muss man eigentlich nicht weit reisen. Genauer gesagt, nur bis nach Schweden. Dort ist NFC-Payment mittlerweile Standard und das Bargeld nahezu aus dem Alltag der Menschen verschwunden – und damit natürlich auch aus dem Alltag der Gewerbetreibenden. Los ging das bereits im Jahr 2010. Nicht so sehr weil die Schweden viel moderner als die Deutschen sind, sondern aus ganz praktischen Gründen. Die Wege im Land sind relativ weit und es gibt im Vergleich zu Deutschland sehr wenige Bankfilialen. Die Schweden haben sich deshalb sehr schnell an alternative Zahlverfahren gewöhnt. Sogar die Kollekte in der Kirche läuft mittlerweile per Kartenzahlung und selbst Obdachlose akzeptieren nur noch Visa bzw. Mastercard und nutzen dafür mobile Terminals wie iZettle Neben dem schwedischen Staat, der seit Jahren aktiv bemüht ist, den Bargeldumlauf zu verringern, sind die großen schwedischen Banken, vor allem Nordea, die wesentlichen Antreiber dieser Entwicklung.

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Woran hakt es in Deutschland?

Deutschland ist – der Fachbegriff lautet „overbanked“ Es gibt unheimlich viele Bankfilialen und damit einen extrem einfachen Zugang zu Bargeld. Nur ein Beispiel: Alleine die Sparkassen betreiben in Deutschland knapp 23.000 Geldautomaten, bis in die kleinsten Winkel jedes Dorfes. Diese Dienstleistung (Befüllung, Sicherung, Wartung etc.) muss refinanziert werden. Dies geschieht natürlich vor allem über die Kontoführungsgebühren, die in Deutschland zumeist bei den Filialbanken überdurchschnittlich hoch sind. Und diese Entwicklung wird durch die Zinspolitik der EZB noch weiter verstärkt, denn die Querfinanzierung durch Spar- oder Anlageprodukte können die Geldhäuser nicht mehr zurückgreifen. Allerdings wird das nicht immer so bleiben. „Behalten die Banken das aktuelle Rückbautempo bei Filialschließungen bei, würden bis zum Jahr 2035 gut die Hälfte aller bestehenden Banken-Zweigstellen unter anderem aufgrund der Digitalisierung geschlossen, sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner in einer Studie voraus, über die der Berliner Tagesspiegel bereits im Oktober 2017 berichtete. Es gibt aber noch zahlreiche andere Gründe, warum Karten- bzw. Kontaktloszahlungen in Deutschland weniger beliebt sind, als in anderen Ländern Europas. Einerseits scheint es in Deutschland generell eine gewisse Skepsis und Vorbehalte gegenüber elektronischen Zahlverfahren zu geben. Es gibt eine – sicher nicht vollkommen unbegründete Sorge vor dem gläsernen Bürger und der Macht von Vater Staat, die Finanzströme jedes Bürgers zu kennen. Diese Argumentation ließe sich aber auch umkehren. Denn wer kein großes Interesse hat, dass die Finanzbehörden einen Blick auf sein Konto werfen, könnte sich verdächtig machen. Nicht ohne Grund wurden auf europäischer Ebene die regulatorischen Zwänge in Sachen Terrorismusfinanzierung, Geldwäsche und Steuerhinterziehung verschärft. Viel problematischer für die Akzeptanz elektronischer Zahlverfahren in Deutschland war allerdings stets die Girocard bzw. früher unter dem Namen EC oder Eurocheque-Karte bekannt. Während fast überall auf der Welt Visa und Mastercard den Ton angaben, hatte Deutschland ein nationales System, welches Bezahlen im Ausland schwierig machte. Erst durch die zusätzliche Maestro-Funktion der Girokarten war es überhaupt möglich, diese Karten an ausländischen Terminals zu nutzen. Eine Ursache für die stärkere Verbreitung eines nationalen Kartensystems waren die niedrigeren Gebühren für den Händler (Merchant). Mittlerweile hat sich aber auch dies durch deutliche Verbesserungen bei den Interchange-Gebühren verändert.

„Neo-Banken“ ändern alles

Die Bankenwelt in Deutschland verändert sich derzeit massiv. Viele Banking-Startups, so genannte FinTechs fangen an, den Markt nachhaltig zu prägen und ganz spezielle Kundengruppen zu erschließen. Eines haben all diese Unternehmen gemeinsam: Sie sind auf technologischer Ebene extrem innovativ, brechen traditionelle Strukturen auf und schaffen neue Nutzungserlebnisse. Dazu zählt selbstverständlich auch Kontist , die erste Banking-App am Smartphone, die voll und ganz auf die Bedürfnisse von Freiberuflern zugeschnitten ist. Im Gegensatz zu traditionellen Banken geben die FinTechs in der Regel keine auf die nationale Ebene beschränkten Giro- bzw. EC-Karten aus, sondern setzen voll auf das kontaktlose Bezahlen mit Visa und Mastercard. Übrigens Stichwort Apple Pay und Google Pay – dass die beiden großen und vermutlich wichtigsten mobilen Zahlungsdienste der Welt noch nicht in Deutschland verfügbar sind, ist ein großes Hindernis, warum sich das Mobile Payment in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern noch nicht richtig durchsetzen konnte. Es ist aber nur noch eine Frage der Zeit, bis bei den Unternehmen ein Sinneswandel eintritt, denn auf den größten Markt Europas werden die US-Riesen nicht verzichten. Spätestens dann wird sich das Zahlungsverhalten in Deutschland noch einmal grundsätzlich ändern.

Bargeldlose Zukunft für Gründer

Zurück zu David. Auch wenn viele seiner Kunden im Moment noch Banknoten und Münzen auf die Ladentheke legen, wird sich das schon bald grundsätzlich ändern. Doch welchen Tipp kann man Freelancern und Selbstständigen mit auf den Weg geben, um die Vorteile der Zukunft schon jetzt zu nutzen? Grundsätzlich sollte man alle Kunden und Geschäftspartner auf die Vorteile des elektronischen Zahlens aufmerksam machen. Gerade bei kleinen Beträgen macht dies aufgrund der Schnelligkeit und Sicherheit der Transaktionen besonders viel Sinn. Bezahllösungen wie das zuvor genannte iZettle oder SumUp machen es auch Freiberuflern leicht möglich, (kontaktlose) Kartenzahlungen zu akzeptieren, ohne aufwändige Abrechnungssysteme zu installieren oder spezifische Händlerverträge abzuschließen. Grundsätzlich ist es außerdem wichtig, sich nicht irritieren zu lassen. Ein nach wie vor häufig genanntes Argument sind die Interchange-Gebühren in Relation zum „kostenlosen“ Bargeld. Tatsächlich ist es aber genau umgekehrt, denn während die Gebühren der großen Kartenanbieter (Issuer) durch Regulierung sinken, bleiben die Kosten für die Beschaffung, Verwaltung, Transport und Sicherung von Bargeld stets gleich. Schlimmer noch, sie werden sich weiter erhöhen, da durch die fallende Bedeutung des Bargeldes auch die Infrastruktur für dessen Transport und Sicherung an Bedeutung verliert. Wie diese Entwicklung endet, kann man recht gut in den USA sehen: Laut US Census Bureau und Nielsen Report wurden auf der anderen Seite des Atlantiks im Jahr 2015 insgesamt 3,1 Billionen US-Dollar (2,5 Billionen Euro) bargeldlos beglichen. Dies ist sieben Mal so viel wie bei uns in Deutschland. Das noch viel Luft nach oben ist, zeigen auch die Statistiken zur Verbreitung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs in der Europäischen Union. Nur in Italien, Griechenland, Rumänien und Bulgarien sind elektronische Zahlverfahren noch weniger verbreitet, als in Deutschland. Hier sind es je Bundesbürger rund 50 Kartentransaktionen pro Jahr. Ganz vorne liegen – wie nicht anders zu erwarten, die skandinavischen Staaten Dänemark, Schweden und Finnland mit in der Spitze bis zu 330 Kartenzahlungen je Bürger pro Jahr. Der große Durchbruch kommt am Ende aber nicht nur mit den Zahlverfahren selbst, sondern mit den Geräten, die in Zukunft das Leben der Kunden prägen. Während es heute noch Karte und Smartphone sind, spielen in der Zukunft viele neue Geräteformen eine Rolle, mit der Zahlungen noch bequemer und einfacher werden. Ein gutes Beispiel hierfür sind zum Beispiel sogenannte Wearables wie Armbanduhren, auf denen die Kartendaten hinterlegt sind und mit denen man dann quasi im Vorbeigehen kontaktlos per NFC-Technologie an einem Terminal bargeldlos zahlen kann.