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Selbstständigkeit und Rente – als Senior Talent durchstarten

„Senior Talents“ nennt man sich eigentlich schon in Rente befindliche Menschen, deren Fähigkeiten gebraucht und genutzt werden. Sie arbeiten dann wieder in Unternehmen mit, wirken bei der Fortbildung und Führung unerfahrener Mitarbeiter mit oder gehen wieder ganz zurück in ihre alte Position – oftmals in Teilzeit. 

Vor dem Hintergrund einer durchschnittlich älter werdenden Bevölkerung, der es außerdem in vielen Bereichen an Fachkräften mangelt, wird das Potenzial von Rentnern und sonstigen Ruheständlern immer wichtiger. Gleichzeitig ist es auch so, dass ältere Arbeitnehmer es in der Regel schwer damit haben, ihren Job zu wechseln. In vielen Unternehmen fallen Bewerber im Alter ab 50, 55 Jahren so gut wie immer durch – und das unabhängig von ihren Qualifikationen.

Nun ist ein Grund für die Arbeit trotz Renteneintritt der Bedarf am Arbeitsmarkt. Ein anderer Grund ist viel banaler: Viele Menschen wollen sich gar nicht völlig zur Ruhe setzen und möchten einfach etwas tun. Nicht ohne Grund sind viele Rentner ehrenamtlich engagiert oder arbeiten noch ein paar Stunden die Woche. Und natürlich spielt auch das Geld eine Rolle, viele Renten sind einfach nicht auskömmlich.

Was wäre dann naheliegender als sich im hohen Alter noch selbstständig zu machen? Denn Selbstständigkeit und Rente sind überhaupt kein Widerspruch. Vielmehr bedeutet echte berufliche Selbstständigkeit neben der Rente, aktiv zu bleiben, die eigenen Bedürfnisse zu erfüllen und vor allem noch Leistung zeigen zu können. 

Ein paar gute Gründe, sich im Alter noch selbstständig zu machen, wollen wir dir hier aufzeigen. Denn Selbstständigkeit kann im Alter noch einmal anders angegangen werden als bei den jungen Entrepreneuren und Digital Natives. Ein Rentner hat schließlich ganz andere Ressourcen zur Verfügung. Auch um diese Vorteile soll es gehen.

Noch einmal machen, was du machen willst!

Ein guter Grund, neben der Rente noch selbstständig zu sein und für einen Zuverdienst zu sorgen, ist Selbstverwirklichung. Wenn du beispielsweise dein Leben lang Weisungsempfänger warst und Eigeninitiative nicht unbedingt gefordert und gefördert wurde, kann Selbstständigkeit ein Befreiungsschlag sein. Du wolltest schon immer dein eigenes Business haben, dein eigener Chef sein? Du möchtest deine Fähigkeiten für Kunden einsetzen? Du möchtest genau sehen, wie dein Einsatz zu deinem Einkommen wird?

Du kannst dich selber fortbilden, du kannst deine Talente in Produkte und Dienstleistungen überführen oder du kannst ein Hobby noch zu einem lukrativen Geschäft aufbauen. Alles geht! Denn mit dem Eintritt in die Rente bist du doch nicht dazu verpflichtet, unproduktiv zu sein. Vielmehr bedeutet das Ausscheiden aus dem alten Beruf, dass du neue Freiheiten hast. Und Freiheit heißt, dass du machen kannst, was du möchtest.

Nur weil du auf dem Papier in Rente bist, heißt das ja nicht, dass du ab jetzt nur noch daheim hocken musst. Genug Menschen sind viel zu fit und fühlen sich noch viel zu energetisch, um in der Verpflichtungslosigkeit des Rentnerdaseins zu versauern. 

Einfach etwas tun zu wollen, ist deshalb ein ganz großartiger Grund für den Schritt in die Selbstständigkeit im Alter.

Älteres Ehepaar sitzt auf einer Parkbank

Selbstständigkeit als Fortsetzung deines bisherigen Berufslebens

Leidenschaft für den ausgeübten Beruf ist schön, aber selten. In Deutschland ist etwa jeder zweite Arbeitnehmer mit seinem Beruf unzufrieden und so richtig für ihren Beruf brennen tun die wenigsten. Aber diejenigen, die ihren Beruf gern machen und auch richtig gut darin sind, haben nicht nur den Vorteil der größeren Zufriedenheit während ihres Berufslebens. Nein, sie können auch ihre Fähigkeiten noch weiter nutzen und auf ihrer Basis eine Selbstständigkeit aufbauen. 

Warum solltest du im Alter damit aufhören, deine Fähigkeiten zu verwenden? Zugegeben: Die körperliche Belastbarkeit lässt mit steigendem Alter nach und nicht alle Berufe lassen sich ewig durchführen. 

Aber dann geht es eben darum, die eigenen Fähigkeiten auf andere Art und Weise zu nutzen. Handwerker können zu Seminarleitern werden. Ingenieure können zu Beratern werden. Und Juristen können Juristen bleiben. 

Und letzten Endes bleibt ja auch immer die Option, einfach etwas völlig Neues zu machen. Auch ein Stahlschlosser kann trotz Rente in die Selbstständigkeit als Illustrator (eventuell technische Zeichnungen), Übersetzer oder Erfinder finden. Die einzigen Grenzen sind auch hier der eigene Antrieb sowie ein paar bürokratische und rechtliche Dinge, denen wir uns in einem weiteren Blog Post widmen werden. 

Nicht genug Rente – Selbstständigkeit als Zuverdienstmöglichkeit

Eine Rente von unter beispielsweise 1.000 Euro pro Monat, wie sie leider viele Menschen erhalten, reicht in aller Regel nicht für einen  sorgenfreien Lebensabend. Wenn die späten Jahre aufgrund einer schlechten Rente sowie mangelnder Rücklagen oder Sachwerte darin bestehen, sich um kleine Beträge zu sorgen oder gar die Altersarmut zu fürchten, kann man es als Optimist mit Matthias Beltz sagen:

"Morgens freust du dich auf die Mittagspause. Wenn die vorbei ist, freust du dich auf den Feierabend. Am Feierabend freust du dich auf den Jahresurlaub. Und im Jahresurlaub freust Du dich auf die Rente. Und wenn Du in Rente bist, weißt du, es hat sich alles nicht gelohnt. Aber du hast dich oft gefreut."

Wir hoffen an dieser Stelle, dass du dich – so du denn schon im entsprechenden Alter bist – viel gefreut hast. Wenn du noch einige Jahre oder Jahrzehnte vor dir hast, dann sei dir an dieser Stelle noch ganz viel (Vor-)Freude gewünscht. 

Und ohne dieses Thema jetzt zu sehr zu bemühen: Rententechnisch sieht es für mich und dich wahrscheinlich eher schlecht als gut aus. Eine vernünftige Reform oder einen gänzlich anderen Ansatz wie beispielsweise ein BGE (Bedingungsloses Grundeinkommen) oder die verschiedenen Entwürfe sogenannter Respektrenten kann man zwar diskutieren und hoffen, dass in den nächsten Jahren etwas kommt, was tatsächlich auskömmlichen ist. Wahrscheinlicher ist es aber, dass Freelancer mit einem geringen Einkommen oder auch solche, die sich wenig Gedanken um ihre Altersvorsorge machen, mit einer staatlichen Rente enden, mit der du in Deutschland zu arm zum Leben und zu reich zum Sterben bist. 

An dieser Stelle soll deshalb noch einmal darauf hingewiesen werden, dass du besser früh als spät mit deiner privaten Altersvorsorge beginnen solltest. Zwischen Riester-Renten , ETF-Sparplänen oder sonstigen Möglichkeiten, Renten für das Alter zu generieren, ist für nahezu jedes Einkommen und jede Lebenssituation das Passende dabei. Du solltest nur nicht einfach nur auf die staatliche Rente setzen. Norbert Blüm hatte nämlich unrecht. 

Neben dem Worst Case der Altersarmut, die dich dann zum Zuverdienst zwingt, kann es natürlich auch einfach sein, dass du mehr Geld haben möchtest. Teure Urlaube lassen sich dann leichter realisieren. Oder aber du möchtest einfach nicht darauf verzichten, ein paar Mal im Monat gut essen zu gehen. Gründe, um Geld verdienen zu wollen, gibt es wahrlich genug. 

Einen kleinen Fallstrick gibt es hier für Rentner, die sich selbstständig machen, aber schon: Die Zuverdienstgrenze regelt, wie viel Geld jemand hinzuverdienen darf, ohne dass ihm die Rente gekürzt wird. Dies gilt allerdings nur für Personen, die Rente beziehen, aber noch nicht die sogenannte Regelaltersgrenze überschritten haben. Diese liegt bei allen ab 1964 Geborenen bei exakt 67 Jahren. 

Oberhalb dieses Alters darf dann ein Rentner in Selbstständigkeit so viel verdienen, wie sein Business hergibt. Natürlich befreit dich das aber nicht von einer Steuerpflicht oder entsprechenden Krankenkassenbeitragsanpassungen. 

Fest steht allerdings, dass Rentner mit einer Selbstständigkeit flexibel ein Einkommen zur Rente aufbauen können. Selbständigkeit hat hier als Vehikel der Suche nach einem Angestelltenverhältnis voraus, dass es bei der Selbstständigkeit darum geht, was deine Leistung taugt und wert ist. Dein Alter ist, anders als bei nahezu jeder Bewerbung für jede Position, irrelevant. 

Was du als Rentner den Jungen voraus hast

Rentner haben phantastische Kapazitäten, die junge Menschen nicht haben können. Da ist zum einen einfach die Erfahrung zu nennen: Wer Jahrzehnte mit persönlicher Fortbildung und Arbeit verbracht hat, kann Experte sein. Und natürlich zählen auch ganz individuelle Erfahrungswerte mit hinein in das Startkapital, dass ein Rentner in die Selbstständigkeit mitbringen kann. 

Wenn du dein Leben lang mit Kunden gearbeitet und kommuniziert hast, ist die Akquise doch gleich viel leichter. Und eine Berufserfahrung, die auch Buchhaltung beinhaltet, macht diesen Teil der Selbstständigkeit doch gleich viel weniger gruselig. Führungserfahrung aus dem Unternehmen macht es zudem leichter, sich selbst in der Selbstständigkeit zu führen.

Außerdem haben Rentner oftmals schon ein Netzwerk aus ehemaligen Arbeitskollegen, geschäftlichen Kontakten und vielen mehr. Das kann für den Schritt in die Selbstständigkeit nur nützlich sein. 

Vergessen werden soll auch nicht das persönliche Vermögen, das sich hoffentlich im Laufe der Berufsjahre angesammelt hat: Selbstständigkeit kann Geld kosten, wenn Investitionen nötig sind. Kredite sind generell unschön (und ab einem gewissen Alter auch nicht mehr zu haben) und so sind eigene Rücklagen auch nur vorteilhaft. 

Aber das schönste daran, Rente und Selbstständigkeit zusammen zu bringen, ist ja dies: Du hast einfach Zeit und weniger Druck. Auch eine kleine Rente ist zumindest nach jetzigem Stand noch so konzipiert, dass du deine grundlegenden Bedürfnisse decken kannst. Deine Selbstständigkeit muss also im Alter nicht schnell durch die Decke gehen. Und auch Auftragsflauten oder Krankheiten bedeuten nicht, dass du mittellos wirst – denn die Rente kommt ja trotzdem. 

Insofern haben Senior Talents, die noch einmal im Rentenalter beruflich aktiv werden und sich eine Selbstständigkeit aufbauen, den Vorteil, dass sie das entspannt und mit Augenmaß tun können. Es gibt keinen Druck, erfolgreich zu wollen. Der wichtigste Maßstab ist im Idealfall einfach deine Motivation. 

Bei Selbstständigkeit geht es schließlich darum, allein zu bestimmen, wie es läuft. Und das ist mit 20 genauso schön wie mit 75.