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Banking

MAIN - Blog Banking - "Dispokredit für Selbstständige: Vorteile, Risiken und Kosten erklärt"

Zuletzt aktualisiert am 10. Mai 2026

brenton - content manager

Brenton Withers

Content manager

22. März 2019

Gerade am Anfang der Selbstständigkeit oder in Phasen mit unregelmäßigen Einnahmen kann es schnell zu finanziellen Engpässen kommen. Rechnungen müssen bezahlt werden, während Umsätze noch ausstehen. Für solche Situationen greifen viele auf eine der einfachsten Finanzierungsformen zurück: den Dispokredit.

Er ist schnell verfügbar, unkompliziert und direkt mit dem Konto verknüpft. Gleichzeitig gehört er zu den teuersten Formen der Finanzierung. Gerade weil er so einfach zugänglich ist, wird er jedoch oft länger genutzt als ursprünglich geplant. Genau darin liegt das Spannungsfeld.

Was ist ein Dispokredit?

Ein Dispokredit ist ein Kreditrahmen, den dir deine Bank direkt auf deinem Girokonto einräumt. Du kannst dein Konto bis zu einem bestimmten Limit überziehen, ohne einen separaten Antrag stellen zu müssen. Sobald dein Kontostand ins Minus rutscht, nutzt du den Kredit automatisch.

Im Unterschied zu klassischen Darlehen gibt es keinen festen Auszahlungsbetrag und keinen Tilgungsplan. Stattdessen zahlst du Zinsen nur auf den Betrag, den du tatsächlich in Anspruch nimmst, und auch nur für die Zeit, in der dein Konto im Minus ist.

Wie hoch ist ein Dispokredit?

Die Höhe des Dispokredits orientiert sich in der Regel an den regelmäßigen Zahlungseingängen auf deinem Konto. Bei Angestellten liegt er häufig bei zwei bis drei Monatsgehältern.

Bei Selbstständigen wird das individueller bewertet. Banken schauen hier stärker auf die tatsächlichen Kontobewegungen und die Stabilität der Einnahmen. Das führt oft dazu, dass die Kreditrahmen etwas vorsichtiger angesetzt werden.

Wie teuer ist ein Dispokredit?

Der größte Nachteil des Dispokredits sind die Zinsen. Sie liegen deutlich über denen klassischer Kredite. In vielen Fällen bewegen sich Dispozinsen im Bereich von etwa 8 bis 13 %. Wenn das vereinbarte Limit überschritten wird, können zusätzliche Überziehungszinsen anfallen, die nicht selten bei 15 % oder mehr liegen.

Die Berechnung erfolgt in der Regel tagesgenau. Das bedeutet, je länger dein Konto im Minus ist, desto stärker summieren sich die Kosten.

Ein Beispiel: Wenn du dein Konto mit 5.000 Euro für 20 Tage bei einem Zinssatz von 10 % überziehst, entstehen rund 27 Euro an Zinsen. Das wirkt zunächst überschaubar, wird aber schnell teuer, wenn sich die Nutzung über Wochen oder Monate zieht.

Vorteile: Warum der Dispokredit so verbreitet ist

Der große Vorteil liegt in der Einfachheit. Du musst nichts beantragen, nichts unterschreiben und nichts planen. Der Kredit ist einfach da, wenn du ihn brauchst.

Gerade bei kurzfristigen Engpässen, etwa wenn eine Rechnung früher fällig wird als eine Zahlung eingeht, kann das extrem hilfreich sein. Viele Selbstständige nutzen den Dispokredit etwa dann, wenn Steuerzahlungen, Miete oder laufende Softwarekosten fällig werden, bevor größere Kundenzahlungen eingehen. Auch die Rückzahlung ist flexibel: Sobald Geld auf deinem Konto eingeht, reduziert sich der offene Betrag automatisch.

Risiken: Wo der Dispokredit problematisch wird

Das Problem ist, dass sich der negative Kontostand oft schneller normalisiert, als man denkt. Weil es keine festen Rückzahlungsstrukturen gibt, bleibt man oft länger im Minus als ursprünglich gedacht. Das führt dazu, dass der Dispokredit nicht nur zur Überbrückung genutzt wird, sondern dauerhaft im Einsatz bleibt. Dadurch wird aus einer kurzfristigen Lösung schnell eine teure Finanzierung.

Besonders problematisch wird das, wenn neue Einnahmen zwar regelmäßig reinkommen, der Kontostand sich aber trotzdem nie vollständig erholt. Dann wird der Dispokredit schleichend Teil der laufenden Finanzierung und verursacht dauerhaft hohe Zinskosten.

Dispokredit und Selbstständige

Auch Selbstständige können grundsätzlich einen Dispokredit erhalten. Allerdings gelten hier andere Maßstäbe als bei Angestellten. Da die Einnahmen oft schwanken, bewerten Banken vor allem die tatsächlichen Kontobewegungen und die allgemeine Bonität. Das kann dazu führen, dass Kreditrahmen niedriger ausfallen oder erst nach einer gewissen Geschäftshistorie eingeräumt werden.

Für geschäftliche Zwecke wird häufig eher ein Kontokorrentkredit genutzt, der speziell auf Unternehmen zugeschnitten ist, aber nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert.

Ist der Dispokredit noch zeitgemäß?

Der Dispokredit hat nach wie vor seinen Platz, vor allem als kurzfristige Lösung. Für alles, was darüber hinausgeht, gibt es heute jedoch deutlich passendere Alternativen.

Gerade bei längeren Finanzierungsbedarfen werden die Unterschiede sichtbar. Während beim Dispokredit oft unklar bleibt, wie lange das Konto im Minus bleibt und welche Kosten dadurch insgesamt entstehen, arbeiten viele moderne Finanzierungen mit klareren Laufzeiten und besser planbaren Rückzahlungen.

Moderne Finanzierungen setzen stärker auf planbare Kosten, schnellere digitale Prozesse und Modelle, die sich an den tatsächlichen Einnahmen orientieren. Gerade für Selbstständige, deren Cashflow nicht immer konstant ist, sind diese Lösungen oft besser geeignet.

Flexibel, aber mit Vorsicht zu nutzen

Der Dispokredit ist ein praktisches Werkzeug für akute Engpässe. Er ist schnell, flexibel und unkompliziert. Gleichzeitig ist er teuer. Genau deshalb sollte er bewusst eingesetzt werden. Sobald absehbar ist, dass Geld länger benötigt wird, lohnt es sich, nach Alternativen zu schauen, die besser zur eigenen finanziellen Situation passen.

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