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Überlegender Mann mit Schnurrbart: Was kann man alles von der Steuer absetzen?

Was kann man alles von der Steuer absetzen?

Kennst du den Steuerzahlergedenktag? Eigentlich müsste dieser Tag rot im Kalender markiert sein und wir sollten für diesen einen Tag zu Hause bleiben und ihn mit unseren Freunden und unserer Familie verbringen.

Was? Steuerzahlern gedenken? Irgendwas mit Steuern feiern?

Du kannst ganz ruhig bleiben. Der Steuerzahlergedenktag ist kein wirklicher Gedenktag und feiern tut ihn (leider) auch niemand. Der Steuerzahlergedenktag ist der errechnete Tag, ab dem wir jedes Jahr für uns selbst arbeiten.

Von jedem Euro, den wir verdienen, müssen wir viele Steuern in Form von Umsatzsteuer, Einkommensteuer, Kfz-Steuer, Energiesteuer, Hundesteuer aber auch etlichen Sozialabgaben wie die Rentenversicherung, Krankenversicherung oder Arbeitslosenversicherung zahlen. Bei den meisten Menschen macht das ungefähr 50 % des gesamten Einkommens aus.

Man arbeitet also das halbe Jahr für den Staat. Wenn man sich nun das Kalenderjahr vorstellt, gibt es einen bestimmten Tag, bis zu dem wir nur für die Steuern und Sozialabgaben arbeiten und alles was wir danach verdienen, ist für unsere eigene Tasche.

Der Bund der Steuerzahler (BdSt) errechnet jedes Jahr diesen Steuerzahlergedenktag, um die Belastungen transparent zu machen. Im Jahr 2006 lag dieser feierliche Tag am 12. Juli um exakt 14:44 Uhr. Damit bleiben uns im Durchschnitt 47,1 Cent von jedem verdienten Euro (Quelle: Von 1 Euro bleiben nur 47,1 Cent , www.steuerzahler.de)

Was kann man alles von der Steuer absetzen?

Wie unser ehemaliger Bundeskanzler Helmut Schmidt schon so schön sagte: “Wer die Pflicht hat, Steuern zu zahlen, der hat auch das Recht, Steuern zu sparen.”

Genau damit wollen wir uns in diesem Artikel beschäftigen und uns genauer anschauen, was man alles von der Steuer absetzen kann

Als Steuerfachangestellter bekomme ich aus meinem Familien- und Freundeskreis natürlich ständig die Frage, was man alles von der Steuer absetzen könne. Am liebsten hätte ich schon lange eine Liste erstellt, die ich dann nur noch aushändigen müsste.

Ganz so einfach ist das Ganze aber leider nicht. Die Berechnung unserer Einkommensteuer ist relativ komplex und es gibt viele Schritte in der Berechnung. Auf jeder Stufe können unterschiedliche Ausgaben angesetzt werden, um Steuern zu sparen

Deshalb möchte ich die Berechnung einmal Schritt für Schritt durchgehen und wir klären auf jeder Stufe, welche Ausgaben du berücksichtigen darfst.

Eine abschließende Aufzählung ist leider unmöglich, da es zu viele Eventualitäten und Sonderregelungen für verschiedene Menschengruppen gibt. Wenn ich hier auf jede Sonderregelung eingehen würde, wird dieser Artikel länger als das Einkommensteuergesetz.

Betriebsausgaben (bzw. Werbungskosten)

Als erstes müssen wir für unsere Steuererklärung unseren Gewinn ermitteln . Das machen wir als Selbstständige zum Beispiel mit der Einnahmenüberschussrechnung , in der wir alle Einnahmen zusammenrechnen und von ihnen die Betriebsausgaben abziehen.

Wenn du Steuern sparen möchtest, ist der erste Schritt also, den eigenen Gewinn “klein zu rechnen” - z.B. indem du möglichst viele Betriebsausgaben berücksichtigst. Getreu nach dem Motto: Am meisten Steuern sparst du, wenn du nichts hast und nichts verdienst .

Grundsätzlich kannst du alle Kosten berücksichtigen, die im Zusammenhang mit deinen Einnahmen stehen. Dazu gehören neben Wareneinkäufen, den Gehältern für deine Mitarbeiter und Fremdleistungen auch Reisekosten, Fortbildungskosten, Büromiete usw.

Übrigens können auch Angestellte alle Kosten berücksichtigen, die im Zusammenhang mit ihren Einnahmen (also ihrem Gehalt) entstehen. Da Arbeitnehmer kein Unternehmen besitzen, heißen die Ausgaben auch nicht Betriebsausgaben. Bei Ihnen sind es die Werbungskosten (nicht zu verwechseln mit Werbekosten).

Beispiele für Betriebsausgaben

  • Arbeitsmittel, Bürobedarf, Telefon- und Internetkosten, Bürobedarf
  • Betriebs- und Geschäftsausstattung
  • Löhne, Gehälter, Fremdleistungen
  • Beiträge zu Berufsverbänden und Vereinen, die mit deiner selbständigen Tätigkeit im Zusammenhang stehen
  • Seminare, Fachliteratur
  • Fahrtkosten für Geschäftsreisen, Kfz-Kosten für den Firmenwagen
  • Werbung
  • betriebliche Versicherungen (Bsp: Berufshaftpflichtversicherung)

Beispiele für Werbungskosten

  • Arbeitsmittel, die überwiegend beruflich genutzt werden (Laptop, Büroeinrichtung etc.)
  • Fahrtkosten zum Arbeitgeber
  • Fortbildungskosten (selbst bezahlte Seminare, Fachliteratur)
  • Beiträge an den Berufsverband
  • Bewerbungskosten
  • Kontoführungsgebühren für das Gehaltskonto
  • eingeschränkt: Arbeitszimmer zu Hause
  • eingeschränkt: Berufsausbildung

Hinweis: Immer wieder werden die Begriffe Einnahmen und Einkünfte miteinander verwechselt. Das Steuerrecht unterscheidet die Begriffe aber ganz klar voneinander. Die Einnahmen sind das Geld, das auf dem Konto eingeht (also das Gehalt oder der Umsatz). Einkünfte sind die Einnahmen abzüglich der Betriebsausgaben bzw. Werbungskosten.

Sonderausgaben

Wenn alle Einkunftsarten addiert werden, erhält man den Gesamtbetrag der Einkünfte. Zu diesem Gesamtbetrag zählen also alle steuerpflichtigen Einkünfte wie zum Beispiel deine Selbständigkeit, dein Angestelltenverhältnis, deine Mieteinkünfte oder auch die Zinseinkünfte.

Von diesem Betrag kannst du die sogenannten Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen abziehen.

Sonderausgaben sind private Ausgaben, die steuerlich begünstigt sind, um sie für uns attraktiver zu machen. Der Staat möchte also, dass wir Geld für diese Zwecke ausgeben. Der größte Posten besteht dabei aus Vorsorgeaufwendungen.

Beispiele für Sonderausgaben

  • Beiträge für die Altersvorsorge (private und gesetzliche Rentenversicherungen)
  • Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung
  • Beiträge für andere ausgewählte Versicherungen (Bsp: Haftpflichtversicherung, Unfallversicherung)
  • Spenden
  • Unterhaltszahlungen an die Exfrau oder den Exmann
  • gezahlte Kirchensteuer
  • Kosten für die Erstausbildung

Außergewöhnliche Belastungen

Ob du es glaubst oder nicht: Der deutsche Gesetzgeber ist tatsächlich an Gerechtigkeit interessiert und möchte, dass alle Steuerpflichtigen gleichmäßig belastet werden. Das heißt nicht, dass jeder gleich viel Geld zahlen soll, sondern, dass jeder ein gleich großes Opfer erbringen soll. Oder negativer formuliert: Jeder soll im gleichen Maße leiden.

Es gibt aber immer wieder Situationen im Leben, die überraschend auftreten und die eine unvorhergesehene hohe finanzielle Belastung nach sich ziehen.

Um trotz dieser unvorhergesehenen Kosten für Gerechtigkeit zu sorgen, können sogenannte außergewöhnliche Belastungen steuerlich berücksichtigt werden.

Abhängig von deinem Einkommen und deiner Familiensituation wird dir ein bestimmter Betrag zugemutet, den du nicht in der Steuererklärung berücksichtigen darfst. Alle Beträge, die diesen Betrag übersteigen, gelten als außergewöhnlich und dürfen vom Gesamtbetrag der Einkünfte abgezogen werden. Eine genaue Berechnung und Erläuterung der zumutbaren Belastung findest du auf der Seite der Vereinigten Lohnsteuerhilfe .

Gerade bei den außergewöhnlichen Belastungen ist es unmöglich, eine abschließende Liste aller absetzbaren Kosten zu erstellen. Grundsätzlich können alle Kosten, die “außer der Reihe” anfallen, als außergewöhnliche Belastung in Frage kommen. So kann zum Beispiel sogar gezahltes Lösegeld unter bestimmten Voraussetzungen in der Steuererklärung geltend gemacht werden.

Beispiele für außergewöhnliche Belastungen

  • Krankheitskosten wie zum Beispiel Arztkosten und Medikamente (wenn diese nicht von der Krankenversicherung übernommen werden)
  • Beerdigungskosten
  • Pflegekosten für die eigenen Eltern, wenn die Leistungen von keiner Versicherung übernommen werden (inkl. Pflegeheimkosten)
  • Unterhaltskosten
  • eingeschränkt: Kosten für die Berufsausbildung des eigenen Kindes

Was kann man pauschal absetzen?

Die Betriebsausgaben bzw. Werbungskosten, die Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen sind die Ausgaben, die wohl den größten Schwankungen unterliegen.

Neben diesen tatsächlichen Ausgaben gibt es noch einige Pauschalen und Freibeträge, die du in deiner Steuererklärung berücksichtigen kannst, unabhängig davon welche Kosten dir tatsächlich entstanden sind und wie hoch sie waren.

Kinderfreibeträge

Wenn du Kinder hast, kannst du einen Kinderfreibetrag in deiner Einkommensteuererklärung berücksichtigen. Dieser Freibetrag sorgt dafür, dass ein bestimmter Geldbetrag nicht versteuert werden muss. Dieser Freibetrag wird allerdings mit dem gezahlten Kindergeld verrechnet. Das Finanzamt schaut also, welche Alternative für dich günstiger ist und berücksichtigt entweder den Kinderfreibetrag oder das steuerfreie Kindergeld.

Durch den progressiven Einkommensteuertarif ist der Kinderfreibetrag erst ab einem bestimmten Einkommen (etwa 35.000-45.000 Euro Jahreseinkommen pro Ehepartner) günstiger als das Kindergeld. Solltest du weniger verdienen, wird der Kinderfreibetrag nicht berücksichtigt. Du erhältst aber das Kindergeld und musst es nicht versteuern.

Entlastungsbetrag für Alleinerziehende

Wenn du dein Kind allein erziehst, hast du seit einigen Jahren die Möglichkeit neben dem Kinderfreibetrag einen Entlastungsbetrag für Alleinerziehende in der Steuererklärung geltend zu machen.

Die Voraussetzungen für diesen Entlastungsbetrag sind:

  • Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibetrag
  • Das Kind gehört zu deinem Haushalt
  • Du musst alleinstehend sein. Wenn du einen neuen Lebenspartner hast, giltst du nicht mehr als alleinstehend.
  • Dein Kind benötigt eine Steueridentifikationsnummer, die du in der Anlage “Kind” einträgst.
Taschenrechner, Kugelschreiber und weißes Papier zur Visualisierung der Kosten, die du von der Steuer absetzen kannst.

Altersentlastungsbetrag

Renten und Pensionen werden nur zum Teil versteuert. Wenn du allerdings noch Arbeitslohn beziehst und älter als 64 Jahre bist, musst du dein komplettes Einkommen versteuern.

Da es ungerecht wäre, alte Menschen zu bestrafen, wenn sie noch arbeiten möchten, gibt es den Altersentlastungsbetrag, der allen Steuerpflichtigen gewährt wird, wenn sie älter als 64 Jahre alt sind.

Der genaue Betrag ändert sich von Jahr zu Jahr (weil sich auch der Besteuerungsanteil der Renten jedes Jahr ändert).

Sonstige Kosten, die du von der Steuer absetzen kannst

Da das Einkommensteuergesetz sehr umfangreich ist, gibt es viele Ausgaben, die du steuerlich berücksichtigen kannst. In diesem Artikel versuche ich lediglich die wichtigsten Positionen vorzustellen.

Grundsätzlich solltest du dich bei der Steuererklärung jederzeit hinterfragen, ob deine Arbeit überhaupt noch ökonomisch sinnvoll ist. Es macht in den wenigsten Fällen Sinn eine Stunde länger an der Steuererklärung zu sitzen, um noch weitere 10 Euro Steuern zu sparen.

Folgende drei Positionen können aber unter Umständen ebenfalls einen großen Effekt auf deine Steuerlast haben:

Verluste

Verluste können für dich als Selbständiger wirklich hervorragend sein. Es gibt wenige Dinge, die deine Steuerlast mehr mindern können als richtig schöne Verluste. Ganze Unternehmen werden gekauft, weil sie so hohe Verluste angehäuft haben.

Die Verlustverrechnung zwischen unterschiedlichen Einkunftsarten, ist recht leicht erklärt: Wenn du zum Beispiel als Angestellter 40.000 Euro/Jahr verdienst und in deiner nebenberuflichen Selbständigkeit 10.000 Euro Verlust gemacht hast, musst du nur 30.000 Euro versteuern. Da dir im Anstellungsverhältnis die Steuer aber gleich vom Gehalt abgezogen wurde, bekommst du eine Steuererstattung.

Zusätzlich kannst du, wenn du in einem Jahr insgesamt Verluste gemacht hast, diese Verluste vor- und zurücktragen. Wenn du im Jahr 2016 einen Verlust von 20.000 Euro gemacht hast, kannst du einen Teil davon für das Jahr 2015 berücksichtigen oder den Verlust mit den Gewinnen im Jahr 2017 verrechnen.

Verluste sind also nicht pauschal schlecht und können auch durchaus gezielt verursacht werden (z.B. durch Investitionen). Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, solltest du unseren Artikel lesen, in dem ich beschreibe, was du kurz vor Jahresende noch aktiv tun kannst um Steuern zu sparen .

Ausländische Steuern

Auch wenn es nur einen kleinen Teil von euch betreffen wird: Das Einkommen, das du bereits im Ausland versteuert hast, musst du meistens nicht mehr in Deutschland versteuern. Oder du kannst wenigstens die gezahlte Steuer in deiner (deutschen) Steuererklärung anrechnen lassen.

Was du konkret machen kannst, steht in den sogenannten Doppelbesteuerungsabkommen (DBA), die zwischen den beiden betroffenen Ländern vereinbart wurden. Da dieses Thema alles andere als einfach ist, empfehle ich dir dringend einen Steuerberater, wenn du im Ausland Geld verdienst.

Globus und Bilder von fernen Ländern zur Darstellung der ausländischen Steuern.

Handwerker & haushaltsnahe Dienstleistungen

Solltest du deine Wohnung oder dein Haus von einem Handwerker renovieren lassen, kannst du 20 Prozent des Arbeitslohns von der Steuer absetzen. Dafür sollte der Lohnanteil in der Rechnung explizit aufgeführt sein.

Das Besondere daran: Du kannst den Betrag nicht irgendwo ansetzen sondern direkt von der Steuer abziehen (maximal 1.200 Euro). Eine 5.000 Euro Handwerkerrechnung bedeutet also 1.000 Euro weniger Steuern (20% von 5.000 Euro).

Tipp: Der Steuerabzug ist nur möglich, wenn du eine Rechnung bekommen hast und das Geld überweist. Barzahlungen werden vom Finanzamt nicht anerkannt.

Gleiches gilt für haushaltsnahe Dienstleistungen (Bsp: Reinigung der Wohnung, Kinderbetreuung, Gartenarbeiten), die ebenfalls mit 20 Prozent direkt von der Steuerschuld abgezogen werden können. Die Höchstgrenze liegt hier sogar bei 4.000 Euro.

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Was muss ich als Selbstständiger das Jahr über beachten bzw. erledigen?

Eigentlich musst du als Selbständiger nichts anders machen als Angestellte. Allerdings hat die Einkommensteuererklärung für dich eine ganz andere Wichtigkeit, da du sie erstellen musst, während Arbeitnehmer darauf verzichten können.

Unterjährig solltest du also ein paar Dinge beachten, um dir das Leben nicht unnötig schwer zu machen:

  • Ordnung ist das halbe Leben, sagt man. Falsch! Bei der Steuererklärung ist Ordnung locker 80% der Arbeit. Dazu gehört auch, dass du ganz klar Privates vom Beruflichen trennst. Du solltest dir also ein Geschäftskonto zulegen und es von deinen privaten Ausgaben trennen.
  • Deine Buchhaltung solltest du immer zeitnah erledigen und die Papierberge nicht zu groß werden lassen. So behältst du jederzeit den Überblick. Wenn deine Einnahmen steigen, solltest du freiwillig mehr an das Finanzamt vorauszahlen. Nachträgliche Vorauszahlungen sind eine große Gefahr und haben schon einige Selbständige in die Insolvenz getrieben.
  • Alle deine privaten Ausgaben brauchst du nicht unterjährig zu erfassen. Du solltest dir aber einen Ordner anlegen und alle Kosten, die ich in diesem Artikel aufgezählt habe, ordentlich ablegen.
  • Mach deine Steuererklärung pünktlich. Der Abgabetermin für die Einkommensteuererklärung ist der 31. Mai des Folgejahres. Um Strafgelder zu vermeiden, solltest du diesen Termin nicht zu weit überschreiten.

Wenn du dich an diese Grundlagen hältst, wirst du am Ende deutlich weniger Arbeit haben und sowohl Steuerberater als auch Finanzamt werden dich lieben.