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Tipps zum SelbststÀndig werden - Die ersten Schritte

Ein Geist geht um

Deutschlandweit und besonders in den großen Metropolen lĂ€sst sich eine schleichende Revolution beobachten: Immer mehr BerufstĂ€tige beschließen, sich selbststĂ€ndig zu machen.

Arbeitest du noch, oder grĂŒndest du schon? Ein steiniger Weg bis zum Abheben...

Der Weg in die SelbststĂ€ndigkeit ist kein Zuckerschlecken... . Direkt nach Anmeldung der SelbststĂ€ndigkeit, weht dir als GrĂŒnder schon ein rauer Wind um die Nase.

Denn man muss schon eine ganze Menge beachten wenn man sich nicht mit dem Finanzamt und Ă€hnlich komplizierten Behörden anlegen will.Trotzdem wollen wir dich dazu ermutigen, deinem BauchgefĂŒhl zu folgen und den Schritt in die SelbststĂ€ndigkeit zu wagen. Denn wo ein Wunsch ist, ist auch ein Weg...

Um dir diesen Weg einfacher zu machen, haben wir eine aufĂŒhrliche Bedienungsanleitung fĂŒr die ersten Schritte hin zur SelbststĂ€ndigkeit zusammengestellt.

In diesem Blog-Post erfÀhrst du:

  • Welche Rechtsformen fĂŒr dein selbststĂ€ndiges Unternehmen infrage kommen.
  • Wie du herausfindest, unter welcher offiziellen Kategorie du deine selbststĂ€ndige TĂ€tigkeit anmeldest und warum eine klare Definition wichtig ist.
  • Wie du dich selbststĂ€ndig beim Amt meldest.
  • Wann und wie du ein Gewerbe anmeldest.
  • Auf was du sonst noch achten solltest am Anfang deiner selbststĂ€ndigen TĂ€tigkeit.

Do your thing, not your taxes

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Welche Rechtsform passt am besten?

Als SelbststĂ€ndiger hast du unterschiedliche Möglichkeiten der UnternehmensfĂŒhrung.

Manche arbeiten lieber als ‘lone wolf’ und mit möglichst wenig bĂŒrokratischem Aufwand und bleiben daher lieber Einzelunternehmer. Andere mögen es lieber mit Partnern zusammenzuarbeiten.Je nachdem wie du dein Dasein als SelbststĂ€ndiger aufbauen willst, wĂ€hlst du einen entsprechenden gesetzlichen Rahmen.

Hierbei gilt es sich folgende Fragen zu stellen:

  • Arbeitest du alleine oder mit anderen, und wenn ja in welcher Form?
  • Wie willst du fĂŒr aus deiner TĂ€tigkeit entstehende Verbindlichkeiten haften?
  • Wenn ihr zusammen arbeitet, wer soll wann und in welchem Maße haften?
  • Wie viel Stammkapital willst du/ wollt ihr in die GrĂŒndung des Unternehmens stecken?

Je nachdem wie du diese Fragen beantwortest, kommen folgende Rechtsformen fĂŒr dein Unternehmen infrage:

Das Einzelunternehmen :

  • Du willst einfach durchstarten! Die meisten Gewerbetreibenden oder Freiberufler melden sich als Einzelunternehmer. Gerade fĂŒr NeugrĂŒnder ist es die einfachste Form der UnternehmensfĂŒhrung, da dein Unternehmen praktisch automatisch entsteht wenn du deine TĂ€tigkeit beim Finanzamt oder Gewerbeamt anmeldest und du keine andere Rechtsform gewĂ€hlt hast.
  • Du kannst selbst entscheiden wie viel Startkapital du einbringen willst, aber ein bisschen Reservekapital ist bei allen NeugrĂŒndungen empfehlenswert.
  • Der einzige Nachteil: Du haftest mit deinem beruflichen und privaten Vermögen in uneingeschrĂ€nkter Weise.
  • Die einfache BuchfĂŒhrung mit der Einnahmen-Überschussrechnung reicht fĂŒr Freiberufler und Kleingewerbetreibende aus. Bist du Kaufmann/frau musst du doppelt BuchfĂŒhren.
  • Als Gewerbetreibender musst du Gewerbesteuer, Einkommensteuer, den SolidaritĂ€tszuschlag und Umsatzsteuer abfĂŒhren. Solltest du Angestellte beschĂ€ftigen, musst du fĂŒr sie Lohnsteuer abfĂŒhren. FĂŒr Freiberufler entfĂ€llt die Gewerbesteuer.

Die BĂŒrogemeinschaft oder Praxisgemeinschaft :

  • Sie ist zwar keine eigene Rechtsform, aber eine Art der UnternehmensfĂŒhrung.
  • Du willst BĂŒro- oder PraxisrĂ€ume mit anderen teilen, aber immer noch Einzelunternehmer bleiben. So sparst du an Miete und anderen BĂŒrokosten, hast Gesellschaft beim Arbeiten und erweiterst dein Netzwerk.
  • Du haftest nicht fĂŒr die TĂ€tigkeit der anderen Gemeinschaftsmitglieder.
  • Du rechnest eigenstĂ€ndig gegenĂŒber dem Auftraggeber ab.

Die Gesellschaft bĂŒrgerlichen Rechts (GbR) :

  • Du willst mit mindestens einer weiteren Personen zusammenarbeiten und einfach grĂŒnden. Die GbR entsteht schon wenn du und die anderen Gesellschafter euch fĂŒr das gemeinsame Unternehmen zusammentut.
  • Die GbR muss nicht ins Handelsregister oder Partnerschaftsregister eingetragen werden.
  • Ein Mindest-Stammkapital ist nicht notwendig, aber dafĂŒr haftet jeder Gesellschafter bei HaftungsansprĂŒchen mit dem gesamten Privatvermögen.
  • Ihr mĂŒsst keinen Vertrag untereinander festlegen, auch wenn das trotzdem nicht schlecht ist, um von vornherein Streitpunkte zu vermeiden.
  • Zur GeschĂ€ftsfĂŒhrung und Vertretung der GbR seid ihr gemeinschaftlich berechtigt. Ihr könnt sie aber auch auf eine oder mehrere Personen ĂŒbertragen, wobei Gesellschaftern ein Widerspruchsrecht zusteht.
  • Ohne abweichende gesellschaftsvertragliche Regelung werden Gewinn- und Verlustverteilung gleichmĂ€ĂŸig auf alle Gesellschafter verteilt.
  • Seid ihr ein Gewerbe, muss die GbR Gewerbesteuer zahlen, das ist bei Freiberufler-GbRs nicht so. Jeder Gesellschafter ist einkommensteuerpflichtig, die sich an den jeweiligen Gewinnanteilen orientiert.

Die Partnerschaftsgesellschaft (PartG) :

  • Die PartG kommt nur fĂŒr Freiberufler infrage. Du willst als Freiberufler mit Partnern zusammenarbeiten und ihr wollt gemeinsam Projekte voranbringen. Du möchtest aber auch AuftrĂ€ge alleine erledigen, ganz flexibel, je nach Lage.
  • In der Regel haftet ihr gemeinschaftlich mit eurem Privatvermögen falls mal was den Bach runtergeht. Aber in bestimmten FĂ€llen soll nur haften, wer wirklich an einem Auftrag beteiligt war, du kannst mit den anderen eine HaftungsbeschrĂ€nkung festlegen.
  • Daher unterzeichnet ihr einen Vertrag, der auch notariell eure Partnerschaftsgesellschaft beglaubigt und von vornherein alle Rahmenbedingungen absteckt.
  • Das bedeutet auch, ihr mĂŒsst euch in das Partnerschaftsregister beim zustĂ€ndigen Amtsgericht eintragen.
  • Ein Mindest-Stammkapital ist allerdings nicht verpflichtend, sondern kann optional gewĂ€hlt werden.
  • Der Vorteil von PartG ist, dass du als Freiberufler auch nach dem GrĂŒnden der Gesellschaft weiterhin als freiberuflich giltst und die vereinfachte BuchfĂŒhrung nutzen kannst.

Die Gesellschaft mit beschrÀnkter Haftung (GmbH) :

  • Als Freiberufler ist es eher selten eine GmbH zu grĂŒnden, da sie viele Vorteile der Freiberuflichkeit auflöst. Aber sie hat den Vorteil HaftungsansprĂŒchen auf das berufliche Vermögen zu reduzieren.
  • Mit der GmbH wirst du Teil einer Kapitalgesellschaft, bei der die Haftung einzelner Gesellschafter auf das Betriebsvermögen limitiert ist (Hinweis: man haftet mit dem gesamten Betriebsvermögen, nicht nur mit der Stammeinlage).
  • Deine GmbH muss ins Handelsregister eingetragen werden und wird dann automatisch auch als Gewerbe registriert.
  • Sie ist eine eigenstĂ€ndige Rechtperson und ihre GrĂŒndung kannst du alleine oder mit mehreren natĂŒrlichen oder juristischen Personen tĂ€tigen.
  • Der GrĂŒndungsprozess ist mit Zeit und Kosten verbunden, da du hierfĂŒr einen notariell beglaubigten Vertrag aufsetzt und eine Stammeinlage von mind. 25.000 Euro erbringen musst, von denen 12.500 Euro als Mindesteinlage von Gesellschaftern kommen muss.
  • FĂŒr die GrĂŒndung solltest du zwischen 1.500 und 2.000 Euro einrechnen.
  • Als Gesellschafter erhĂ€ltst du eine Gewinnbeteiligung entsprechend deiner Anteile.
  • Alle Gesellschafter sind zur GeschĂ€ftsfĂŒhrung berechtigt. Sie kann aber auch einer Person ĂŒbetragen werden, die nicht zur GmbH zĂ€hlt.
  • FĂŒr die GmbH bist du zur BuchfĂŒhrung und zur Aufstellung eines Jahresabschlusses und Lageberichts verpflichtet, sowie zur Dokumentation und Aufbewahrung deiner GeschĂ€ftskorrespondenzen.
  • Auf die Gewinne der GmbH wird eine Körperschaftssteuer von derzeit 15% erhoben, die du zusĂ€tzlich zum Soli, der Lohnsteuer (im Falle von Arbeitnehmern) der Gewerbe- und Umsatzsteuer zahlst. Wenn du die Gewinne aus der Gesellschaft ausschĂŒttest, mĂŒssen sie der Einkommensteuer unterworfen werden. Dies geschieht durch die Kapitalertragssteuer (25%) und Soli.

Die Unternehmergesellschaft (UG) :

  • Sie ist eine gute Alternative zur GmbH, weil du nicht so viel Stammkapital brauchst. Du willst z.B. ein studentisches Start-up grĂŒnden und gleichzeitig Haftungsrisiken beschrĂ€nken - eine UG kann sich hier lohnen.
  • Sie ist auch unter dem Namen Mini-GmbH bekannt, weil sie rechtlich gesehen nur eine Sonderform der GmbH ist. Dementsprechend unterscheidet sie sich nur unwesentlich von der GmbH.
  • Sie kann recht einfach mit einem Mindestkapital von einem Euro gegrĂŒndet werden, was allerdings dazu fĂŒhren kann, dass die Firma erstmal als weniger KreditwĂŒrdig eingestuft werden kann.
  • Die UG darf höchstens von drei Personen gegrĂŒndet werden.
  • Wird ein Gewinn erwirtschaftet, wird von diesem so lange 25% zurĂŒckgelegt, bis ein Stammkapital von 25.000 Euro erreicht wird.
  • Steuertechnisch und bei der Buchhaltung gelten die gleichen Regelungen wie bei der GmbH - du musst also deutlich mehr Geld in die Buchhaltung stecken als zum Beispiel beim Einzelunternehmen, aber bist dadurch eben auch besser abgesichert.

Die Offene Handelsgesellschaft (OHG) :

  • Du wirst Teil einer Personengesellschaft, die durch einen Vertrag geregelt ist und die FĂŒhrung eines Handelsgewerbes von mind. zwei oder mehr natĂŒrlichen oder juristischen Personen zum Ziel hat.
  • Alle Gesellschafter haften uneingeschrĂ€nkt und persönlich mit ihrem Privat- und GeschĂ€ftsvermögen.
  • Die OHG ist keine eigenstĂ€ndige Rechtsperson, auch wenn sie im Rechtverkehr hĂ€ufig so behandelt wird (sie kann z.B. verklagt werden).
  • Ein Mindestkapital ist fĂŒr die GrĂŒndung einer OHG gesetzlich nicht vorgeschrieben.
  • Du trĂ€gst die OHG ins Handelsregister ein und fĂŒgst das KĂŒrzel OHG am Ende deines Firmennamens hinzu.
  • Die GeschĂ€ftsfĂŒhrung kann von allen Gesellschaftern ĂŒbernommen werden, aber kann per Gesetz auch auf Einzelne ĂŒbertragen werden. Nur Gesellschafter der OHG können GeschĂ€ftsfĂŒhrer werden.
  • Die Gewinnbeteiligung ist normalerweise ĂŒber eine Verzinsung des Kapitalanteils von vier Prozent und einer angemessenen Verteilung des Restbetrages geregelt, wobei Verluste anteilig auf die OHG-Gesellschafter verteilt werden.
  • Allgemein bestehen fĂŒr die OHG verschiedene Steuerpflichten, wie die Umsatz- und Gewerbesteuer und ggf. die Lohnsteuer, wenn du angestellte Mitarbeiter hast. Da die OHG eine Personengesellschaft ist, fallen fĂŒr sie keine Körperschaftssteuer an. Ihren Gewinnanteil mĂŒssen die Gesellschafter zusĂ€tzlich in ihrer privaten SteuererklĂ€rung der Einkommensteuer unterwerfen (genau wie bei der GbR).

Die Kommanditgesellschaft (KG) :

  • Als Spezialform der OHG unterschiedet sie sich von ihr vor allem in Bezug auf die Haftung der Teilnehmer: ein oder mehrere Gesellschafter (Kommanditist) sind in ihrer Haftung auf die Höhe eines vertraglich bestimmten Vermögensbetrages beschrĂ€nkt. Bei mindestens einem oder mehreren Gesellschaftern (KomplementĂ€r) bleibt die Haftung unbeschrĂ€nkt und gilt auch fĂŒr ihr Privatvermögen.
  • Durch die BeschrĂ€nkung der GeschĂ€ftsfĂŒhrung auf die KomplementĂ€re erhalten diese einen höheren Gestaltungs- und Handlungsspielraum, wobei die Kommanditisten immer noch Kontrollrechte wahrnehmen können. Ihr mĂŒsst euch also ein großes Vertrauen gegenseitig entgegenbringen.

Die Limited (Ltd.) :

  • ist eine britische Rechtsform und Kapitalgesellschaft, welche in Deutschland – mit Abweichungen – der GmbH entspricht.
  • Zur GrĂŒndung einer Limited muss mindestens ein Gesellschafter (Shareholder) seine Anschrift in Großbritannien haben.
  • Eine Ltd. im Gegensatz zur GmbH zu grĂŒnden ist etwas kostengĂŒnstiger. Sie wird bereits ab 185 Euro angeboten. Andererseits können oft weitere Kosten, gerade bei der Verwaltung, im Nachhinein auf einen zukommen.
  • Ein großer Vorteil ist, dass die GrĂŒndung einer Ltd innerhalb weniger Tage möglich ist, da im Gegensatz zur deutschen GmbH, fĂŒr die GrĂŒndung einer Ltd. nur ein Mindestkapital von einem britischen Pfund benötigt wird.
  • Die Ltd. muss im englischen Gesellschaftsregister und im deutschen Handelsregister eingetragen werden.
  • Die Limited bewegt sich im deutschen und im englischen Recht. So gilt zum einen das englische Gesellschaftsrecht sowie steuerliche und bilanzielle Pflichten nach deutschem und englischem Recht.

So weit so gut...

Als nÀchstes geht es darum, deine TÀtigkeit beim Finanzamt anzumelden. Und dabei ist es wichtig, dass du vorher eine genaue Definition deiner TÀtigkeit zur Hand hast.

FĂŒr das Finanzamt, und dann auch fĂŒr dich, macht es z.B. einen Unterschied, ob du als Freiberufler ein Unternehmen fĂŒhrst, oder als Gewerbetreibender.

Ganz ausfĂŒhrlich kannst du das auch nochmal in unserem Blog Artikel Welche Unternehmensform ist fĂŒr dich die Richtige? nachlesen.

Freiberufler, Gewerbetreibender, beides, oder vielleicht doch freier Mitarbeiter? In welche Schublade passt du?

Warum ist diese Art der Kategorisierung eigentlich wichtig?

GrundsĂ€tzlich kann man sagen, wirkt sie sich darauf aus, welche Art von Steuern fĂŒr dich anfallen und wie deine unternehmerische TĂ€tigkeit und die daraus entstehenden Gewinne oder Haftungen verwaltet sind.

Stell dir z.B. vor, du meldest dich als Freiberufler an, ohne vorher zu prĂŒfen, ob du unter diese Berufsgruppe fĂ€llst.

Das Finanzamt entscheidet nach erster PrĂŒfung deiner Rechnungen und Leistungen aber, dass du eigentlich zur Gruppe der Gewerbetreibenden zĂ€hlst.

Wer ein Gewerbe hat, muss aber Gewerbesteuer zahlen und die kann in bestimmten StÀdten ganz schön zuschlagen. Wenn man sie auf ein Mal nachzahlen muss, kann das schmerzhaft sein.

Die Gewerbesteuer wird zwar bei SelbstÀndigen mit der Einkommenssteuer verrechnet, aber leider nicht komplett.

Plant man was man zusÀtzlich noch abtreten muss nicht ein, könnte man daher auch mal im Minus landen. Und gerade am Anfang der SelbststÀndigkeit ist das besonders frustrierend.

HĂ€ufig ist es aber selbst fĂŒr das Finanzamt schwierig, diese Unterschiede zu ermitteln.

Das kann man aber auch als Vorteil nutzen und sich schon im Vorhinein eine klare Definition fĂŒr die eigene TĂ€tigkeit ĂŒberlegen.

Wenn man z.B. eine TĂ€tigkeit ausĂŒbt, die irgendwo in der Grauzone zwischen Freiberuflertum und Gewerbetreibend rumlungert, wĂ€re es eindeutig besser, diese als FreiberuflertĂ€tigkeit verkaufen zu können.

Die richtige Kategorie zu finden, kann allerdings schwer sein - gerade bei den ganzen Neologismen (Wortneuschöpfung) fĂŒr neuartige Tech-Jobs...

Da kann dem Herrn beim Finanzamt schon mal ein Fragezeichen ĂŒbers Gesicht wandern und du bist gefragt, die entnervte Frage ‘und was machen Sie bitte in dem Tschob’ zu beantworten. Darauf sollte man dann schon eine passende Antwort haben, und gerade bei neuartigen Jobbezeichnungen, lĂ€sst sich die eine oder andere AktivitĂ€t besonders in den Vordergrund heben.

Es gibt allerdings auch Anlaufstellen, die einem bei der Frage der Definition und Kategorisierung weiterhelfen, wobei wir beim nÀchsten Punkt wÀren...

Hilfe bei der offiziellen Kategorisierung deiner TÀtigkeit erhÀltst du z.B.

  • beim Institut fĂŒr Freie Berufe der Uni Erlangen-NĂŒrnberg, das sich eingehend mit dem Thema beschĂ€ftigt und dir auf der Website sogar ein kostenloses ErstgesprĂ€ch anbietet,
  • oder dem Bundesministerium fĂŒr Wirtschaft und Technologie , was hierfĂŒr eine informative und erstaunlich angenehm gestaltete BroschĂŒre entwickelt hat, inklusive einer langen Liste Freier Berufe.
  • ZusĂ€tzlich kannst du dich auch bei der zustĂ€ndigen Industrie- und Handelskammer ,
  • oder deinem Finanzamt beraten lassen, was spezielle FĂ€lle angeht und fĂŒr eine offiziellere Sicht auf die Dinge.

Sagen wir, deine TĂ€tigkeit zĂ€hlt zu den Freien Berufen - du bist Arzt, Texter, Designer oder Ă€hnliches und bei dir ist das ziemlich straight forward. Wie geht’s weiter?

Anmeldung als Freiberufler

Als Freiberufler meldest du grundsÀtzlich deine freiberufliche TÀtigkeit beim Finanzamt an.

Deine Anmeldung kann als Brief mit Namen, Wohnort und TÀtigkeit relativ einfach eingereicht werden - aber nicht spÀter als 4 Wochen nach Aufnahme der TÀtigkeit(!)

Um dir ein Hin und Her mit dem Finanzamt zu ersparen, solltest du dir auch direkt den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung beim Bundesministeriums der Finanzen runterladen und ausgefĂŒllt mitschicken.

Da gibst du eine erste SchÀtzung deiner voraussichtlichen UmsÀtze und Gewinne an.

Mit diesen Angaben wird das Finanzamt dich in den Akten fĂŒhren und deine vierteljĂ€hrigen Einkommensteuervorauszahlungen berechnen. Das ganze wird dann aber nochmal an deine tatsĂ€chlichen GeschĂ€ftszahlen am Ende des Jahres angepasst.

Als Gewerbetreibender

Bist du Gewerbtreibender, meldest du in der Regel dein Gewerbe beim zustĂ€ndigen Gewerbeamt an. Eine ganz ausfĂŒhrliche Beschreibung dazu findest du hier Gewerbe anmelden - Schritt fĂŒr Schritt zum eigenen Gewerbe .

Hier gibts aber jetzt eine Kurzform:

FĂŒr den Antrag ist es gut die folgenden Dinge im Vorhinein zu berĂŒcksichtigen:

  • Gib als Datum fĂŒr die UnternehmensgrĂŒndung den Tag der Aufnahme deiner selbststĂ€ndigen TĂ€tigkeit an.
  • KlĂ€re, ob du vorher eine weitere Erlaubnis brauchst, wie z.B. einen Meisterschein.
  • WĂ€hle einen Firmennamen - er muss sich von anderen Unternehmen unterscheiden.
  • Erkundige dich, ob du unter die Kleinunternehmerregelung fĂ€llst?
  • Stelle fest, welche Unterlagen du zur Anmeldung brauchst.

In Berlin funktioniert eine Anmeldung mittlerweile sogar ĂŒber eine online Antragsstelle .

Ansonsten kannst du bei der GrĂŒnderkĂŒche auch eine PDF-Version der Anmeldung runterladen, um sie schon zu Hause auszufĂŒllen.

FĂŒr die Anmeldung solltest du ungefĂ€hr zwischen 10 und 50 Euro einplanen, je nach Wohnort. Mit der Gewerbe-Anmeldung erhĂ€ltst du einen Gewerbeschein und deine Meldung wird an verschiedene Behörden wie das Finanzamt, die IHK, die Krankenkasse, Arbeitsagentur etc. weitergeleitet.

Das Finanzamt und die IHK werden sich dann automatisch bei dir melden nachdem du das Gewerbe angemeldet hast.

Mit der Aufnahme deines Gewerbes wirst du nÀmlich automatisch Pflichtmitglied in der Industrie- und Handelskammer (IHK) - du gehörst jetzt zum heiligen Kreis deutscher Unternehmer - Congrats!

Keine Sorge, bei Kleinunternehmen ist die Mitgliedschaft bis zu einer Gewinngrenze von 5.200 Euro jĂ€hrlich umsonst und du kriegst regelmĂ€ĂŸig ein informatives BlĂ€ttchen zu Trends in der deutschen Wirtschaft. Und als ExistenzgrĂŒnder wirst du in den ersten zwei Jahren eh erstmal umsonst willkommen geheißen, es sei denn dein Jahresgewinn ĂŒbersteigt die 25.000 Euro-Grenze.

Generell kannst du die IHK je nach Gusto auch als Netzwerk oder Support Group nutzen. Als NeugrĂŒnder kannst du z.B. Seminare belegen oder dich zu relevanten Themen informieren.

Eintragung ins Handelsregister

Diese zusĂ€tzliche Regelung gilt fĂŒr alle Handelsunternehmen und muss notariell begleitet werden. Das gilt zum Beispiel, willst du eine UG oder GmbH grĂŒnden. Das Register ist ein öffentlich einsehbares Verzeichnis, was Auskunft ĂŒber die wirtschaftlichen VerhĂ€ltnisse eines Unternehmens gibt. Außerdem wird dadurch auch dein Firmenname geschĂŒtzt. Der Eintrag fĂŒr ein Einzelunternehmen kostet dich zwischen 200 und 300 Euro, bei einer GmbH kann es auch zu 500 bis 700 Euro kommen. Dein Unternehmen erhĂ€lt nach Anmeldung eine Handelsregisternummer, die du auch in deinem Impressum angeben musst. Mit der Eintragung ins Handelsregister wird dein Unternehmer automatisch als Gewerbe angemeldet und eine zusĂ€tzliche Gewerbeanmeldung entfĂ€llt daher.

Nach der Anmeldung ist vor der Anmeldung

Nach der Anmeldung deiner SelbststĂ€ndigkeit ist das nĂ€chste was ansteht, dass du dich mit dem Thema Sicherheitsnetz und Vorsorge auseinandersetzt. Denn selbst wenn wir alle hoffen, dass niemals schlechtere Zeiten eintreten, lasst uns realistisch bleiben und uns darauf wenigstens minimal vorbereiten. Klar, man kann vielleicht mal ein paar Groschen bei Oma aus dem Tontopf-Versteck schĂŒtteln, Geld von Freunden leihen oder die Bank anflehen. Aber wer macht das schon gern und wenn’s hart auf hart kommt, könnte auch das persönliche Sicherheitsnetz an seine Grenzen stoßen.

Und dann ist es wichtig sich zu vergewissern...

Krankenversicherung - Gesetzlich/Privat - was ist das Sinnvollste fĂŒr dich?

Seit 2009 ist jeder in Deutschland AnsĂ€ssige dazu verpflichtet, eine Krankenversicherung abzuschließen. Als SelbststĂ€ndiger kannst du in Deutschland zwischen gesetzlicher und privater Kasse wĂ€hlen.

Dann kommen nĂ€mlich folgende Optionen fĂŒr dich infrage:

Freiwillig gesetzlich

Du kannst dich freiwillig gesetzlich versichern wenn du vorher auch schon bei der Gesetzlichen warst. Dazu musst du innerhalb von drei Monaten nach Aufnahme deiner TÀtigkeit einen Antrag bei der Gesetzlichen Krankenkasse stellen und deine voraussichtlichen UmsÀtze und ErtrÀge angeben.

  • Deine BeitrĂ€ge werden auf der Basis deiner gesamten EinkĂŒnfte bemessen. Hier geht es um Arbeitsentgelt sowie weitere Einnahmen, zum Beispiel aus Kapitalvermögen oder aus Vermietung und Verpachtung.
  • Außerdem kannst du zwischen allgemeinem und ermĂ€ĂŸigtem Beitragssatz wĂ€hlen; je nachdem, ob du Anspruch auf Krankengeld willst.
  • Angebot und Preise der Gesetzlichen unterschieden sich nur geringfĂŒgig. Es kommt bei der Wahl einer GVK vor allem darauf an, welche individuellen Leistungen fĂŒr dich wichtig sind. Wenn du z.B. Kinder mitversichern möchtest, solltest du gucken, was die GKV-Leistungen fĂŒr Kinder und Jugendliche sind. FĂŒr einen guten GKV-Vergleich, siehe Finanztip .

Privat

Du kannst dich privat krankenversichern , denn gerade als NeugrĂŒnder findest du bei der privaten Krankenversicherung einige gute und gĂŒnstige Angebote. Was du allgemein berĂŒcksichtigen solltest: BeitrĂ€ge sind leistungabhĂ€ngig und steigen mit der Zeit an. Außerdem kannst du nicht einfach wieder in die Gesetzliche Krankenkasse wechseln, nachdem du in die Private eingestiegen bist.

  • Da du bei den privaten Kassen deinen Vertrag individuell gestalten kannst, ist es wichtig, dir zuerst darĂŒber klar zu werden, mit welchen Leistungen du abgesichert sein willst.
  • NĂ€chste Frage: willst du eine Eigenbeteiligung vereinbaren, die den Mitgliedbeitrag zwar erheblich senken kann, aber mehr Risiko fĂŒr dich bedeutet?
  • Ist dein Erwartungshorizont klar, solltest du bei Auswahl der Tarife und des Unternehmens viel Zeit und gute Beratung einplanen. Guck dir Internetportale und -vergleiche an, um zu vermeiden, einem Versicherungsvertreter auf den Leim zu gehen.
  • Bei den meisten Vergleichen werden generelle Tarife fĂŒr Grundschutz auf Basis von Geschlecht, Geburtsjahr und Berufsgruppe errechnet. Anschließend kannst du allerdings einen detaillierteren Vergleich anfordern.

Wir haben dazu noch einen sehr ausfĂŒhrlichen Blog Post: Krankenversicherungen fĂŒr SelbststĂ€ndige .

KĂŒnstlersozialversicherung

Oder du bist als Freiberufler bei der KĂŒnstlersozialversicherung und KĂŒnstler, Designer oder Publizist. Dazu musst du BeitrĂ€ge fĂŒr die Kranken, Renten- und Pflegeversicherung an die KSK zahlen, die diese dann an die Krankenkasse weiterleitet, bzw. an den Gesundheitsfonds. DarĂŒber hinaus ĂŒbernimmt die KSK 50% deiner gesamten Sozialabgaben.

Aber hier hört die Sache mit den Versicherungen fĂŒr SelbststĂ€ndige leider noch nicht auf...

Viele Unternehmer haften auch mit ihrem Privatvermögen in ihrer beruflichen TĂ€tigkeit. Um kein zu großes Risiko einzugehen, gibt es spezielle Versicherungen fĂŒr unterschiedliche Arten von SchĂ€den die durch deine TĂ€tigkeit entstehen können.

Welche SchĂ€den du versicherst, hĂ€ngt natĂŒrlich von deiner TĂ€tigkeit ab und davon wie Risikoreich du unterwegs sein willst.

Unfallversicherung, Rechtsschutzversicherung etc.

Die Unfallversicherung ist ein Zusatz zur Krankenversicherung und kĂŒmmert sich z.B. darum, dass du nach UnfĂ€llen oder bei Folgen von Berufskrankheiten abgesichert bist, was besonders fĂŒr Freiberufler wichtig sein kann.

Du kannst dich auch hier fĂŒr die private oder die gesetzliche Unfallversicherung entscheiden. Die private hat den Vorteil, dass du auch fĂŒr UnfĂ€lle die außerberuflich stattfinden versichert bist. Allerdings ist es schwierig sich in dem Wust an Tarifen zurechtzufinden.

Mit der Rechtsschutzversicherung bist du bei Kosten, die bei einer gerichtlichen Auseinandersetzung auf dich zukommen abgesichert. Wann sie sich lohnt hÀngt wesentlich davon ab, wie deine eigene RisikoeinschÀtzung aussieht und welche Unternehmensform du gewÀhlt hast.

Zuletzt, lohnt es sich sowohl fĂŒr Gewerbetreibende als auch Freiberufler noch einen Blick auf die Betriebshaftpflichtversicherung und fĂŒr Gewerbetreibende auf die GeschĂ€ftsinhaltsversicherung zu werfen.

Grundsteinlegung vollendet!

Hast du es bis hierhin geschafft, hast du schon einen grooooßen Teil deiner bĂŒrokratischen Pflichten erledigt.

Was das außerdem heißt?

Du hast jetzt einen Rahmen fĂŒr deine TĂ€tigkeit geschaffen, in dem du dich - ist er erstmal geschaffen - austoben kannst! NatĂŒrlich gibt es, wie ĂŒberall (!), auch bei der GrĂŒndung Ausnahmen und weitere Tipps, die man beachten kann - die Liste geht ins Unermessliche.

Aber mit unserer Anleitung hast du schon mal die Grundsteine gelegt. Danach kannst dich immer noch auf weitere Details konzentrieren.

Was fĂ€llt dir noch ein zum Thema ‘SelbststĂ€ndig machen’? Über welche besonderen HĂŒrden bist du gestolpert und welche Fragen liegen dir noch auf dem Herzen? Wir freuen uns ĂŒber jeden Kommentar, der uns dabei weiterhilft, das Thema SelbststĂ€ndigkeit einfacher und transparenter zu machen.

Do your thing, not your taxes