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Will ich mich wirklich selbständig machen? Eine Grundsatzentscheidung.

Diese Punkte dürften zwar den meisten Freelancern bekannt sein, doch wer jetzt gerade ganz neu vor dem Schritt in die Selbständigkeit steht - für all diejenigen sei noch einmal wiederholt:

Aspekte, die viele zu einer rein selbständigen Arbeit bewegen, sind im Wesentlichen eine große Entscheidungsfreiheit in allen Belangen. Der Aufbau eines eigenen Unternehmens (Einzelunternehmen natürlich eingeschlossen), die Entscheidungsgewalt über den Umfang und den Einsatz von Kapital, die Beschäftigung von Mitarbeitern (wenn dies nötig oder gewollt ist), sowie die volle Entscheidungsgewalt über das eigene Marketing und die Kundenakquise. Das hört sich erstmal gut an. Aber für jeden Selbstständigen bedeutet das auch, dass der- oder diejenige stets die volle Verantwortung (auch die Haftung) trägt – und zwar in allem. Zu selbstständiger Arbeit zählen viele Bereiche: unter anderem Unternehmer, Händler, Dienstleister, Gewerbetreibende, die freien Berufe wie Autoren, Künstler, Journalisten, Rechtsanwälte, Notare, Architekten oder Ärzte, außerdem auch Tätigkeiten, für die eine Provision berechnet wird, wie freie Versicherungsvermittler oder Vermögensberater.

Nur kurz am Rande: In diesem Blog werden die Begriffe Selbständiger, Freelancer bzw. Freiberufler der Einfachheit halber synonym verwendet. Streng genommen gibt es Unterschiede in der rechtlichen und steuerlichen Betrachtungsweise, auf die wir hier aber verzichten. Möchtest du gerne genauere Infos zu diesem Thema, empfehle ich unseren Blog Artikel Freelancer werden - Dein Einstieg in die Selbstständigkeit .

Was Menschen antreibt, sich selbständig zu machen

  • Wenn ich selbstständig bin, muss ich mich nicht mit irgendeinem nervigen Chef oder Kollegen und Kolleginnen herum plagen.
  • Ich kann meine Arbeit, meine Arbeitszeiten und alles, was dazu gehört nach meinen eigenen Vorstellungen, Wünschen und Vorstellungen gestalten.
  • Ich kann kreativer sein.
  • Meine eigenen Ideen stehen im Vordergrund, nicht die von anderen.
  • Mit meiner Selbstständigkeit erreiche ich (endlich) meinen beruflichen Traum.
  • Wenn ich selbständig bin, kann ich all das erreichen, was als Angestellter niemals gehen würde.
  • Wenn ich selbständig bin, kann ich viel Geld verdienen. Und zwar nur für mich.

Sicher alles gute Gründe, doch eines sollte man dabei nicht vergessen: das sind die rein positiven Beweggründe für eine Selbständigkeit, die im besten Falle auch so eintreten und die man natürlich jedem wünscht, der diesen Schritt geht. Doch es gibt auch Aspekte, die zumindest von Zeit zu Zeit auch negativ ausfallen können und die sollte man auf jeden Fall auch genau betrachten.

Jedem, der vor dieser Entscheidung steht, würde ich raten, die einzelnen Punkte möglichst neutral zu betrachten und zu bewerten. Sowohl die positiven, als auch die negativen. Es bringt nichts, alles nur rosarot zu sehen, aber Schwarzmalerei ist auch nicht wirklich hilfreich. Eine nüchterne und realistische Betrachtungsweise mit allen Pros und allen Kontras ist empfehlenswert. Denn bist du kurz davor, dich selbständig zu machen oder auch wenn du schon etwas länger dabei bist, diese Aspekte spielen eine wichtige Rolle:

  • Was für ein Typ bist du? Gehst du gerne und einfach Risiken ein oder handelst du eher vorsichtig? Ist dir Sicherheit wichtiger als Freiheit und Risiko?
  • Brauchst du eher feste Strukturen oder kannst du mit der Freiheit, die du als Selbständiger hast, gut umgehen?
  • Hast du die Disziplin, die es braucht, dich tagtäglich zu kümmern, aktiv zu sein? Kannst du dich selbst gut motivieren? Kannst du deine gesteckten Ziele auch einhalten?
  • Wie schätzt du deine Fähigkeiten ein: bist du ein sozialer Mensch, kannst du gut kommunizieren, kannst du gut verhandeln bzw. deine Standpunkte nach außen vertreten?
  • Wie ist deine berufliche Qualifikation: hast du in einem Bereich besondere Fähigkeiten, Talente, verfügst du über eine ausreichende Expertise in dem Bereich, in dem du dich selbständig machen möchtest?
  • Bist du bereit für die (tägliche) Akquise neuer Kunden ?
  • Kannst du es aushalten, wenn es mal nicht so gut läuft? Wenn die Aufträge ausbleiben? Gerade in diesem Punkt machen sich viele etwas vor, denn Durststrecken aushalten zu können, erfordert Mut, Geduld und Gelassenheit. Das kann nicht jeder.

Beantworte diese Fragen so ehrlich wie möglich. Je früher du dir eingestehst, in welchem Bereich du vielleicht (noch) nicht so weit bist, kannst du dir Hilfe suchen oder bestenfalls einsehen, dass du dir mit der Selbständigkeit vielleicht noch Zeit lassen solltest.

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Verschiedene Möglichkeiten der Selbständigkeit

Du kannst dich hauptberuflich für eine Selbständigkeit entscheiden, entweder direkt nach deiner Ausbildung oder dem Studium. Es bleibt hier natürlich die Frage, ob es nicht sinnvoll ist, zuerst einige Zeit Berufserfahrung in einer Festanstellung zu sammeln. Das kommt auf deine Veranlagung und deine Zielstrebigkeit an. Denn für manche ist schon von Anfang an klar, dass sie auf jeden Fall als Freiberufler tätig sein möchten.

Auch aus Arbeitslosigkeit heraus ist es oft eine gute Gelegenheit in eine Tätigkeit als Selbständiger zu wechseln. Hier gibt es unterschiedliche Gründe: du hattest einen festen Job, hast aber festgestellt, dass es nicht der richtige für dich ist. Du warst unzufrieden oder verspürst den Wunsch, dein Berufsleben selbständig zu gestalten. Oder du hast gekündigt bzw. dir wurde gekündigt. In diesem Fall kannst du unter bestimmten Voraussetzungen auch Existenzgründer-Unterstützung beantragen. Siehe hier auch unseren Blog Post Gründungszuschuss beantragen - Ein Weg in die Selbstständigkeit .

Als weitere Möglichkeit kannst du, wenn du es mit dem Freiberufler-Status lieber langsam angehen lassen möchtest, auch zunächst nebenberuflich eine selbständige Tätigkeit ausüben und gleichzeitig für eine bestimmte Stundenzahl fest angestellt weiter arbeiten. Hierfür gibt es einige Kriterien, die zu beachten sind, zum Beispiel musst du deinen Arbeitgeber darüber informieren. Wenn du nicht unbedingt auf ein regelmäßiges Gehalt angewiesen bist, ist es oft auch eine gute Gelegenheit in die Selbständigkeit zu gehen, zum Beispiel um zu überprüfen, ob es etwas für dich ist oder nach der Erziehungszeit, um wieder ins Berufsleben einzusteigen.

In der heutigen Zeit sind auch Franchise-Unternehmen beliebt. Hier steht dir ein so genannter Lizenzgeber zur Seite und du übernimmst quasi ein bereits etabliertes System, dass entweder schon bekannt bzw. erfolgreich ist und über eigenes Marketing verfügt (z.B. übernimmst du eine Filiale einer bekannten Dienstleistungskette oder ähnliches). Allerdings wird hierfür meist Startkapital benötigt und du bist in Teilen weisungsgebunden.

Startups boomen – eine weitere Art der Selbständigkeit. Hier braucht es allerdings eine gute Idee, Startkapital und den unbedingten Willen, sich als Unternehmer zu etablieren. Häufig benötigst du Mitarbeiter oder auch gleichberechtigte Partner – das heißt du hast von Beginn an direkt mehr Verantwortung.

Die Gründung von Unternehmen (GbR, etc.) sei hier nur am Rande erwähnt.

Selbständig machen – eine Grundsatzentscheidung

Kommen wir nochmal zu den weiter oben genannten Aspekten, die du deiner persönlichen Einschätzung nach beantwortest hast. Je mehr Punkte, die du positiv bewerten kannst, desto besser – für den großen Schritt, für dein Selbstvertrauen und den möglichen Erfolg deiner Freiberufler-Karriere. Bei den Punkten, bei denen du unsicher bist, wozu du eine negative Assoziation hast oder die du vielleicht auch mit Nein beantworten musstest, besteht Klärungsbedarf. Es ist nicht schlimm, wenn nicht alles von Anfang an zu Hundert Prozent feststeht. Wir alle haben Schwächen. Niemand ist perfekt und wir machen Fehler, die unbedingt dazu gehören. Denn sonst würden wir uns nicht weiter entwickeln. Und eigentlich keine Schwierigkeit ist zu groß, als dass sie nicht aus dem Weg geräumt werden könnte. Also, hast du hier die Dinge ganz klar vor Augen, die du noch verändern oder verbessern kannst. Die Ausnahme: Nur falls du bei allen Punkten eher zögerlich oder mit einem Nein bei der Sache bist, solltest du deine Selbständigkeitspläne noch einmal gründlich überdenken und dir bei diesem Schritt Hilfe suchen.

Für welche Art du dich auch entscheidest oder bereits entschieden hast, möchten wir dir noch ein paar Tipps an die Hand geben, die dir dein selbständiges Arbeiten etwas erleichtern können:

  • Es ist eine Tatsache, dass du in der Anfangszeit mit einem größeren, nicht nur zeitlichen Aufwand rechnen musst. Um dein „Geschäft“ anzukurbeln, braucht es ein Mehr an Initiative und es dauert, bis du dir einen festen Kundenstamm aufgebaut, Auftraggeber gefunden und / oder dein Unternehmen bekannt gemacht hast. Sozusagen „bis der Laden läuft“.
  • Formuliere klare Ziele, sorge für klare Strukturen und einen realistischen Business Plan .
  • Für größtmögliche Effektivität solltest du dir einen Rahmen schaffen, in dem du optimal arbeiten kannst. Zum Beispiel wann am Tag, machst du was bzw. wie teilst du dir deinen Arbeitstag ein. Und bedenke, es gehören auch (langweilige) Routinearbeiten dazu.
  • Versuche Druck zu vermeiden. Unter Druck funktionieren die Wenigsten gut. Natürlich lässt sich Stress manchmal nicht gänzlich vermeiden, doch sorge für den nötigen Ausgleich und Pausen (Denn so weit soll es erst gar nicht kommen: Was Stress bei Selbständigen auslösen kann ).
  • Fehler gehören dazu. Wenn etwas schief geht, lass dich nicht entmutigen. Wir lernen aus Fehlern, entwickeln uns weiter und können in ähnlichen Situationen dann besser darauf reagieren bzw. es anders machen.
  • Was brauchst du für deine Selbständigkeit? Welche Krankenversicherung kommt in Frage? Welche steuerlichen Belange musst du einhalten? Bist du Kleinunternehmer oder Umsatzsteuerpflichtig? Dafür solltest du dir einen Steuerberater suchen, der dich von Anfang an begleitet. Brauchst du einen Gewerbeschein oder ähnliches? Welche Versicherungen solltest du für dein Unternehmen abschließen? Mehr dazu kannst du in unserem Blog Post Wie du Risiken als Selbständiger oder im eigenen Unternehmen wirksam versicherst lesen.
  • Baue dir ein Netzwerk auf. In der heutigen Zeit läuft eigentlich alles über Kontakte . Es kennt immer jemand irgendwen, der genau in dieser Frage der richtige Ansprechpartner ist.
  • Auch Weiterbildung ist ein Thema, an dem kein Freelancer vorbei kommt. Gerade in der digitalen Welt geht die Entwicklung heute so rasant voran, dass man leicht den Anschluss verlieren kann. Konzentriere dich vor allem auch auf die Bereiche, in denen du noch nicht so fit bist.
  • Betreibe perfektes Eigenmarketing. Hast du schon eine eigene Homepage? Gerade wenn du mit Kunden / Auftraggebern in Kontakt trittst, musst du dich professionell präsentieren.